Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

Mama, die Trinkerin

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Alkoholismus  

Mama, die Trinkerin

| Spiegel Online, Spiegel Online

von Julia Jüttner

Erbrochenes aufwischen, Schnaps kaufen

Isa*, heute 22, hat das Gefühl, ihre ganze Kindheit an den alkoholkranken Vater hingegeben zu haben. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder hat sie den arbeitslosen Witwer oft vom Kiosk nach Hause geschleppt, Erbrochenes aufgewischt, ihm Schnaps gekauft, damit er überhaupt stehen konnte. Trotzdem erschien sie pünktlich und ordentlich gekleidet in der Schule, machte ihre Hausaufgaben, kochte für sich und ihren Bruder. Sie organisierte den Haushalt, soweit sie das in ihrem Alter überhaupt konnte. "Wir liebten unseren Vater sehr", sagt Isa. "Und trotzdem habe ich ihn manchmal gehasst, weil er sich nicht aufraffen konnte, nicht mal unsertwegen."

Quiz Kennen Sie die Benimm-Regeln?
Quiz Gesundheitsmythen
Pubertät Regeln festgelegen und Konflikte austragen
Ratgeber Kindern nach einem Streit die Angst nehmen

Trinkerkinder sind Geisel der Sucht ihrer Eltern

Isas Vater starb vor wenigen Jahren: Leberzirrhose. "Weißbierkrebs", sagt Isa, gebürtige Münchnerin. Solange er lebte, war Isa wie alle Trinkerkinder eine Geisel seiner Sucht. "Manchmal wussten wir nicht, ob er noch lebt, wenn wir ihn nach der Schule auf dem Sofa liegend fanden. Wenn Verwandte anriefen, logen wir das Blaue vom Himmel herunter." Sein Tod sei schmerzhaft und gleichzeitig befreiend gewesen, sagt die Studentin heute. Noch nie in ihrem Leben habe sie einen Tropfen Alkohol getrunken. "Mein Vater hat für mein Leben längst mitgesoffen."

Rollen von Eltern und Kindern kehren sich um

"Kinder fühlen sich für ihre suchtkranken Eltern verantwortlich", sagt Mielke aus eigener Erfahrung. Die Rollen von Eltern und Kindern kehren sich um: Es gibt Fünfjährige, die ihre betrunkene Mutter zur Ausnüchterung aufs Polizeirevier bringen; Elfjährige, die Jugend- und Sozialamt vorgaukeln, zu Hause sei alles bestens - aus Angst, ihre Eltern zu verlieren. Das Phänomen der Parentifizierung, des Rollentausches zwischen Eltern und Kind, mussten Laura, Isa und Henning Mielke schmerzlich erfahren. Ihre Eltern haben sie ihrer Kindheit beraubt.

Suchtbelasteten Kindern fehlt Geborgenheit

"Kinder aus suchtbelasteten Familien lieben ihre Eltern ebenso innig wie die Süchtigen ihre Kinder", sagt Mielke. "Doch Kinder brauchen Geborgenheit, einen Spiegel in Form von liebevollen, zuverlässigen und mitfühlenden Erwachsenen. Wenn Eltern suchtkrank sind, ist dieser Spiegel blind."

Laura sagt: "Das kann man nur ganz schwer verzeihen."

*Namen von der Redaktion geändert

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal