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Eltern haben bei der Namensgebung viele Freiheiten

03.11.2008, 16:17 Uhr

"Wie soll das Kind denn heißen?": Kaum eine Frage hören werdende Eltern so häufig wie diese. Ob sie ihren Nachwuchs nun Alexander, Anton oder Alian nennen möchten, meist werden sie anschließend in lange Diskussionen verwickelt, ob ein populärer, klassischer oder ausgefallener Name besser für die Zukunft des Kindes sei. "Die Namensgebung ist Elternsache", sagt Cornelia Nitsch, Autorin mehrerer Ratgeber über Vornamen. Wer verhindern möchte, dass sich Verwandte oder Freunde einmischen, sollte seine Pläne einfach bis nach der Geburt des Kindes für sich behalten.

Die Suche nach dem perfekten Namen

"Der Wahl des Vornamens wird seit einigen Jahren immer mehr Bedeutung zugemessen", sagt Nitsch. Viele Eltern suchten mittlerweile recht verkrampft nach dem perfekten Namen. Den könne es aber nicht geben, da die Gefühle, die Menschen bei bestimmten Namen empfinden, stets subjektiv seien und sich zudem leicht änderten. Paul oder Charlotte etwa galten vor Jahren als altmodisch, heute hört man sie auf vielen Spielplätzen. Wie leicht Filme, Bücher oder Prominente das Image eines Namens ändern können, zeigen auch die vielen Jungen, die Kevin oder Justin heißen.

Namensvielfalt nimmt zu

Die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden beobachtet die Namenstrends in der Bundesrepublik und erstellt jährlich Ranglisten für die zehn beliebtesten Vornamen bei Mädchen und Jungen. "Auffällig ist vor allem, dass die Vielfalt der Namen zunimmt", sagt Gerhard Müller, Namensberater bei der Gesellschaft für deutsche Sprache. 2007 wurden in Deutschland über 11.000 unterschiedliche Vornamen registriert, viele davon kamen in diesem Jahrgang nur ein- bis zweimal vor. "Die Suche nach ausgefallenen Namen geht quer durch alle sozialen Schichten", berichtet Müller aus seiner Beratungspraxis.

Eltern lassen sich auf Reisen inspirieren

Die Fantasie der Eltern ist dabei im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos. Cheyenne, Lakshmi, Temuera - als Inspirationsquelle können zum Beispiel eigene Reisen, fremde Mythen oder ausländische Filme dienen. "Oft gefällt Eltern der Klang eines Namens, und dann erkundigen sie sich bei uns nach dessen Schreibweise und Bedeutung", sagt Müller. Dies sei vor allem bei ungewöhnlichen Namen wichtig, da es für die Wahl von Vornamen einige staatliche Regeln gibt. So muss der Name ein regulärer Vorname sein, sollte eindeutig männlich oder weiblich sein und darf das Kindeswohl nicht gefährden.

Schon vorher abklären, ob der Name legitim ist

Ob ein bestimmter Vorname zulässig ist, entscheidet das zuständige Standesamt. Um sich nach der Geburt des Kindes den Stress einer Ablehnung zu ersparen, sollten sich Eltern mit einem "exotischen" Namenswunsch schon vorab dort erkundigen. Falls es Probleme geben würde, könne man dann in Ruhe versuchen, die Legitimität eines Namens nachzuweisen. Oft werde man dafür in internationalen Vornamenbüchern fündig oder könne im Internet real existierende Personen mit diesem Namen aufspüren. Auch die Botschaft eines anderen Landes oder ein beglaubigter Übersetzer kann die Existenz eines Namens bestätigen. Gegen Gebühr helfen auch die Namensberatungsstellen der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden oder der Universität Leipzig.

Rechtliche Schritte sind möglich

"Es gibt ständig Zweifel und Übergangsfälle und vor allem immer neue Vornamen", berichtet Müller. Als Ortsbezeichnungen waren etwa Chelsea, Brooklyn oder Paris in Deutschland lange als Vornamen nicht zulässig. Da sie sich aber im englischsprachigen Raum als Vorname durchgesetzt hätten, dürften sie nun auch hier geführt werden. Anders der Name Lucifer. Den "Lichtbringer", so die wörtliche Übersetzung, gebe es zwar im Italienischen als Vornamen. "Die christliche Tradition hat ihn aber mit dem Teufel in Verbindung gebracht, und daher sah ein Standesamt das Wohl des Kindes beeinträchtigt und lehnte ihn ab", erläutert der Namensberater. Falls Eltern eine solche Entscheidung nicht hinnehmen möchten, können sie dagegen gerichtlich vorgehen.

Im Interesse des Kindes entscheiden

"Es ist wichtig, dass Eltern den Namen ihres Kindes nicht zur Selbstdarstellung nutzen", sagt Cornelia Nitsch. So weckten einige Namen Erwartungen, die ein Kind nicht unbedingt erfüllen könne. Unter Umständen fühle sich ein eher schüchternes, blondes Mädchen als Esmeralda oder Carmen unwohl. Ein Name sollte auch zu allen Lebensphasen passen. So eigne sich zum Beispiel Aljoscha für einen kleinen Jungen, ein Jugendlicher oder Erwachsener möchte vielleicht einen weniger niedlichen Namen.


(Quelle: ddp)


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