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Der erste Besuch beim Frauenarzt

20.11.2008, 16:31 Uhr

Wenn ein junges Mädchen noch keinen Geschlechtsverkehr hat oder plant und keine Beschwerden wie Ausfluss oder Schmerzen vorliegen, dann ist ein Besuch beim Frauenarzt auch noch nicht notwendig. Sobald man aber das Bedürfnis hat, Fragen zu stellen in Bezug auf den Körper, Sexualität, Geschlechtskrankheiten, Verhütung oder Ähnliches, ist der Frauenarzt die richtige Adresse. Die meisten jungen Frauen entscheiden sich dann für den ersten Besuch, wenn sie sich die Pille verschreiben lassen möchten. Und ein Großteil davon möchte dazu von einer Frau behandelt werden. Der Gedanke daran, dass ein fremder Mann die intimsten Stellen untersucht, macht oft noch mehr Angst als der Gedanke an die Untersuchung an sich, der ja schon unangenehm genug ist. Dass das für den Arzt Alltag ist, tröstet da wenig.

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Vertrauensvolles Gespräch

Viele Frauenärzte bieten den Mädchen an, beim ersten Besuch lediglich ein klärendes Gespräch zu führen und erst bei einem weiteren Termin die Untersuchung durchzuführen. Manche Praxen bieten auch eine spezielle Teenagersprechstunde. Im Gespräch werden nicht nur der Grund des Besuches, sondern auch vorherige Krankheiten, familiäre Situation und eventuelle Verhütungsmethoden abgeklärt. Normalerweise erklärt der Arzt auch, mit welchen Instrumenten er arbeitet und was genau er damit macht. Sollte das nicht der Fall sein, hat jede Frau das Recht, danach zu fragen.

Mit Scham und Unsicherheit umgehen können

Für Mädchen, die noch Jungfrauen sind, gibt es sogar extra Instrumente, wie zum Beispiel einen kleineren Scheidenspiegel. Grundsätzlich wird die Untersuchung aber sowieso so durchgeführt, dass das Jungfernhäutchen dabei nicht verletzt wird. Oft macht auch der Gedanke Angst, sich komplett ausziehen zu müssen. Das ist aber gar nicht notwendig. Viele Frauen, die sich ihrer Nacktheit in diesem Moment schämen, greifen auf den Trick mit dem Rock zurück. So muss man lediglich Unterhose und Strumpfhose ausziehen und kann den Weg von Umkleidekabine zur Untersuchung und zurück „bekleidet“ hinter sich bringen. Es ist auch nicht notwendig, vor der Untersuchung Intimsprays oder Ähnliches anzuwenden. Normale Hygiene genügt völlig.

Vertrauen ist wichtig

Wenn man noch nie bei einem Frauenarzt war, dann ist es sinnvoll, Freundinnen, die große Schwester, die Mutter oder andere vertraute Personen um Rat zu fragen. Sie haben meistens bereits mehrere Frauenärzte konsultiert und können oft gute Tipps geben. Denn es ist in diesem Fall sehr wichtig, dass man sich bei dem behandelnden Arzt gut aufgehoben fühlt und Vertrauen entwickeln kann.

Es besteht kein Zwang

Trotzdem kann es passieren, dass der Arzt oder die Ärztin der jeweiligen Person doch unsympathisch ist. Dann hat man das Recht, jederzeit die Untersuchung abzubrechen. Man ist nicht gezwungen, sich von jemandem untersuchen zu lassen, der einem unangenehm ist!

Begleitperson gestattet

Wer Angst davor hat, alleine zu gehen, kann grundsätzlich eine Person seines Vertrauens mitbringen. Das kann die Mutter sein, aber auch der Freund. Das wird von den Mädchen übrigens oft als besonderes Zeichen seines Verantwortungsgefühls gewertet.

Mitteilungspflicht des Arztes

Bis zum 14. Lebensjahr ist der Arzt verpflichtet, den Eltern Auskunft über die Untersuchung zu geben. In den zwei Jahren danach liegt es in seinem Ermessen. Sollte man nicht wollen, dass die Eltern etwas über den Besuch des Frauenarztes erfahren, so sollte man das dem Arzt auch mitteilen.

Der „Horrorstuhl“

Zugegeben, der Stuhl, auf dem die Untersuchung durchgeführt wird, sieht nicht gerade vertrauenserweckend aus. Der gynäkologische Stuhl ist eine Art Liege, auf der man auf dem Rücken liegt und die Beine auf links und rechts angebrachte Stützen stellt. Die meisten Mädchen und Frauen empfinden es als sehr unangenehm, dass man sich mit gespreizten Beinen hinsetzen muss. Das allerdings ist notwendig, damit der Arzt den Scheideneingang, die Scheide selbst und den Gebärmutterhals gut sehen und wenn nötig mit einem Holzspatel oder einem Wattestäbchen einen Abstrich machen kann.

Brustuntersuchung

Bei der Tastuntersuchung werden Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter abgetastet. Eine Brustuntersuchung, die ebenfalls tastend durchgeführt wird, macht man bei jungen Mädchen meist noch nicht routinemäßig, da es sich hier um eine Früherkennungsmöglichkeit für Brustkrebs handelt. Allerdings ist es sinnvoll, sich vom Arzt zeigen zu lassen, wie man den Busen am besten selbst untersucht. Auch wenn das Gefühl besteht, dass mit der Brust irgendetwas nicht stimmt, ist der Frauenarzt der richtige Ansprechpartner.

Formalitäten

Für die Untersuchung beim Frauenarzt benötigt man einen Überweisungsschein vom Hausarzt. Dazu ist es nicht nötig, mit diesem darüber zu sprechen, warum man den Frauenarzt aufsuchen möchte. Ein Anruf bei der Arzthelferin genügt und der Überweisungsschein wird ausgestellt. Wer den Weg über den Hausarzt nicht gehen möchte, kann die Patientengebühr von zehn Euro auch direkt beim Frauenarzt bezahlen. Dann ist neben diesem Betrag lediglich das Versicherungskärtchen notwendig.

Checkliste kann hilfreich sein

Da man, wenn man vor dem Arzt sitzt, oft aufgeregt ist, hilft es, sich vorher eine Checkliste zu erstellen und sich zu notieren, welche Fragen man stellen wollte. Außerdem sollte man den ersten Tag der letzten Monatsblutung kennen. Beim ersten Besuch ist es sogar ratsam, den Zyklus vorher über einige Monate hin zu notieren. So bekommt der Arzt einen besseren Überblick.

Was tun in dringenden Fällen?

Wenn man einen Termin mit dem Frauenarzt vereinbart, so sollte man zum Beispiel bei Beschwerden oder vermuteter Schwangerschaft auf einen schnellen Termin drängen. In sehr dringenden Fällen kann man auch ohne Termin zum Frauenarzt gehen. Oder sich an einen anderen Arzt bzw. bei ganz akuten Fällen auch an das örtliche Krankenhaus wenden.

Terminwahl

Einen Termin beim Frauenarzt sollte man übrigens nur dann vereinbaren, wenn man ziemlich sicher damit rechnen kann, seine Periode an diesem Tag nicht zu haben. Das hat nichts mit Hygiene zu tun, sondern damit, dass der Arzt dann bei der Untersuchung zum Beispiel keinen Abstrich machen kann.

Der „Männerarzt“

Für Mädchen und Frauen ist spätestens ab dem ersten Geschlechtsverkehr ein regelmäßiger Besuch beim Frauenarzt ratsam. Aber auch Jungs erhalten professionelle Hilfe bei Problemen mit den Geschlechtsteilen. Urologen sind hier die richtigen Ansprechpartner. Wenn Vorhaut oder Eichel entzündet sind, es zu einem Ausfluss aus der Harnröhre kommt, beim Toilettengang brennt oder die Hoden schmerzen bzw. sich verändern, dann ist ein Arztbesuch notwendig. Ein Grund für viele Beschwerden können Geschlechtskrankheiten sein. Für die übrigens auch der Hautarzt zuständig ist. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind bei jungen Männern aber nicht nötig.






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