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Sexualität  

Aufklärung lässt in Deutschland zu wünschen übrig

09.10.2009, 12:00 Uhr | Simone Blaß

. Wirklich bereit für den ersten Sex?

Wirklich bereit für den ersten Sex? (Bild: Archiv)

Deutschlands Jugendliche sind in Sachen Sexualität nicht aufgeklärter als frühere Generationen. Vor allem beim Thema Verhütung haben viele Mädchen und Jungen große Wissenslücken. Zu diesem Ergebnis kommt die "Dr.-Sommer-Studie 2009 - Liebe! Körper! Sexualität!" der Jugendzeitschrift "Bravo". Demnach sehnen sich Jugendliche immer früher nach einer Partnerschaft. Außerdem: Viele Mädchen sind unzufrieden mit ihrem Aussehen. Die repräsentative Umfrage wurde nach 2006 zum zweiten Mal durchgeführt.

Offene Einstellung zur Sexualität

Eine grundsätzlich offene Haltung zur Sexualität und eine sehr frühe, altersgerechte und effektive Aufklärung führen zu einem verantwortungsvolleren Sexualverhalten. In Deutschland erfolgt die Aufklärung oft zu spät oder durch fragwürdige Quellen wie die "Bravo" oder Pornos statt. Wir haben unsere User gefragt, wer Sie aufgeklärt hat.

So wurden unsere User aufgeklärt

Insgesamt nahmen 13.086 Personen an der Umfrage teil. Es gab vier Antworten, die annähernd gleich oft gewählt wurden. Ganz vorn lag die Aufklärung durch Klassenkameraden oder Freunde (21,9 Prozent) sowie Pornofilme – der hefte (21,3 Prozent), gefolgt von der Aufklärung durch den Sexualkunde-Lehrer in der Schule (19,4 %) und der „Bravo“ (19,2 %). Die Eltern folgen erst auf Rang 5: 15,1 % der User wurden durch die Eltern aufgeklärt. Ältere Geschwister spielten nur bei 3,1 Prozent der Teilnehmerinnen eine Rolle. Wie werden Jugendliche heute aufgeklärt?

Heranwachsende unter Druck

Die Niederlande weisen nicht nur die geringste Rate bei den Teenagerschwangerschaften auf, sondern auch die wenigsten Abtreibungen in Europa. Diesen gesellschaftlichen Erfolg haben sie ihrer Aufklärungspraxis zu verdanken. Auch in unserer Gesellschaft herrscht eine extreme Offenheit beim Thema Sexualität. Allerdings nur vermeintlich. Denn nur, weil vor allem in den Medien viele Tabus gefallen sind, bedeutet das nicht, dass auch in den Familien - also gerade da, wo es notwendig wäre - offen mit dem Thema umgegangen wird. Hinzu kommt, dass sich Heranwachsende oft unter Druck gesetzt fühlen und glauben, eine sexuelle Beziehung beziehungsweise frühe Erfahrungen auf diesem Gebiet seien notwendig, um dazuzugehören. Das führt dazu, dass Jugendliche manchmal Geschlechtsverkehr haben, ohne dazu überhaupt schon bereit zu sein.

Aufklärung durch Pornos aus dem Internet

Sadomaso-Praktiken, Gruppensex oder Sodomie, viele Jugendliche halten das für normal. Schuld daran sind Videos aus dem Internet, die sich bereits auf dem Pausenhof von Handy zu Handy verbreiten und das Bild vom „Normalen“ komplett verzerren. Hiermit wird ein falscher Maßstab für die eigene Sexualität gefördert. Vor allem Jungs sind anfällig dafür, sich an Pornografie zu orientieren. Sie gehen oft mit völlig falschen Vorstellungen in ihre erste Beziehung und fühlen sich einem Gruppendruck ausgesetzt.

Sexualkunde für Pubertierende oft zu spät

Dem Sexualkundeunterricht wurde in der Vergangenheit häufig vorgeworfen, er wecke erst das Interesse an Dingen, für die die Kinder noch zu jung wären. Eine Aufklärung, die erst bei Pubertierenden ansetzt, kommt aber häufig zu spät. Entweder, weil erste sexuelle Erfahrungen bereits gemacht wurden oder, weil sich die Jugendlichen dann nicht mehr trauen, ihre Fragen zu stellen. Aus Angst vor der Blamage.

Rechtzeitige Aufklärung schafft Abhilfe

Hier sind die Eltern, aber auch die Schule gefragt. Beratungs- und Aufklärungsangebote müssen leicht zugänglich gemacht werden. Es genügt nicht, nur die Vorgänge im Körper und das Thema Verhütung anzusprechen, auch das partnerschaftliche Miteinander sollte thematisiert werden. Sonst wird die sexuelle Freiheit schnell zu einem sexuellen Zwang.

Sexualkunde: Häufig nicht alltagstauglich

Der in den Schulen angebotene Sexualkundeunterricht ist als Unterstützung gedacht. Die eigentlichen Inhalte des Sexualkundeunterrichts, der inzwischen bereits in den Grundschulen gehalten wird, variieren stark von Lehrer zu Lehrer. Manche Lehrkräfte holen sich Unterstützung aus Beratungsstellen, manche gehen sehr ins Detail, andere beschränken sich auf körperliche Vorgänge und reagieren bei heiklen Themen nur. Oftmals werden lediglich die biologischen Inhalte vermittelt, alltagstaugliche Informationen wie die korrekte Verwendung von Verhütungsmitteln, bleiben außen vor. Eltern dürfen sich also auf keinen Fall rein auf den Sexualkundeunterricht als Aufklärungsmittel verlassen.

Rücksicht auf Religion

Übrigens: Auch streng muslimisch erzogene Mädchen dürfen nicht vom Sexualkundeunterricht befreit werden, da hier ein über die Verfassung verankerter eindeutiger Bildungsauftrag für die Schulen besteht. Die Lehrkraft muss aber auf religiöse Gefühle Rücksicht nehmen.

Die Hauptaufgabe liegt bei den Eltern

Aufklärung beginnt eigentlich bereits im Kleinkindalter. Hier werden zwar keine detaillierten Erklärungen erwartet, aber wie welcher Körperteil heißt, wie das Baby in Mamas Bauch und vor allem, wie es wieder herauskommt, das interessiert bereits Dreijährige oft brennend. Kinder fragen aber nur so viel, wie sie gerade verarbeiten können. Man sollte also auch nur das beantworten, was gefragt wurde. Das allerdings offen und ehrlich und ohne die Hinzunahme von Schmetterlingen oder Bienen. Hier wird es für manche Eltern, je nachdem wie sie mit ihrer eigenen Sexualität umgehen, bereits schwierig.

Wenn es peinlich wird

Noch komplizierter wird es, wenn mit steigendem Alter auch die Intensität der Fragen zunimmt, wenn immer mehr ins Detail gegangen werden muss und manche Gespräche für viele Eltern vor allem Jugendlicher einen peinlichen Charakter annehmen können. Wenn dem so ist, dann sollte man sich Hilfe holen und jemanden mit der Aufgabe betrauen, dem es einfacher fällt. Das kann eine Person aus der Familie sein, aber auch eine offizielle Stelle wie zum Beispiel Pro Familia.

Medien unterstützend nutzen

Zusätzlich gibt es für jede Altersstufe gute Literatur, die man unterstützend und als Gesprächsbasis dazunehmen kann. Auch jugendgerechte Webseiten können ab einem bestimmten Alter wichtige Informationen liefern. Der Medienkonsum sollte allerdings begleitet werden, eine Verzahnung von reinem Wissen und persönlichem Gespräch ist wichtig. Hier geht es nicht nur darum, Teenagerschwangerschaften oder Aids zu vermeiden, hier geht es auch und vor allem darum, selbstbewusste und selbstbestimmte Menschen zu erziehen. Und darum, dass Sexualität nicht nur eine Tatsache, sondern eng mit Gefühlen, Zärtlichkeit und Nähe verbunden ist.

Wichtig: Offenheit in der Familie

Eine vertrauensvolle und offene Familienatmosphäre, in der man sich nicht scheuen muss, Fragen zu stellen, ist die beste Grundlage für eine gute Aufklärung. Und damit für selbstbewusstes Handeln und eine gesunde Einstellung zur Sexualität

Buchtipp: Deutschlands sexuelle Tragödie: Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist

Rund 30 unfassbare Erfahrungsberichte haben die Autoren Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher zusammengetragen. Erfahrungsberichte junger Menschen zum Thema Sexualität, die vor allem eines belegen: Der Körper ist reif, die Seele stolpert hinterher.

Sex wird zur Ware

Das Buch zeigt, welche fatalen Folgen sexuelle Freizügigkeit haben kann, wenn sie in die falschen Bahnen gelenkt wird. Sex wird zur Ware, zur Selbstbestätigungsfunktion und zum Ersatz für fehlende Liebe und Geborgenheit.

Jugendliche aus Problembezirk

Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, woher die befragten Jugendlichen kommen. Sie sind alle in einem Berliner Problembezirk aufgewachsen und nicht repräsentativ für den Gesamtdurchschnitt aller Jugendlichen Deutschlands.

Keine "sexuelle Verwahrlosung"

Immerhin hat eine Studie im Auftrag der Jugendzeitschrift „Bravo“ aus dem Jahr 2006 ergeben, dass der Großteil der Jugendlichen das erste Mal zwischen 15 und 17 erlebt hat und 86 Prozent regelmäßig verhüten. Das zeigt, dass eine „sexuelle Verwahrlosung“ uns nicht zu überrollen droht. Trotzdem: Wenn man dieses Buch gelesen hat, ist man sich sicher: Eine gewisse Vorsicht ist geboten.


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