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Initiation: Wie gehen Eltern mit dem Entwicklungsprozess der Kinder um? (1)

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Identität  

Identität und Erwachsenwerden

28.11.2008, 13:05 Uhr | Robert Scholz

Initiation: Wie gehen Eltern mit dem Entwicklungsprozess der Kinder um? (1). Eltern wollen cool und frisch bleiben: Oft auf Kosten des Kindes.

Eltern wollen cool und frisch bleiben: Oft auf Kosten des Kindes. (Foto: Archiv)

Es werden Haare geschnitten, Körper bemalt, Feuer entzündet – es wird getanzt, geschwitzt und konfirmiert. Manche gehen in die Natur, andere schlagen sich mit Korb- oder Glockenschläger in der Mensur. Initiationsriten haben eine weit zurückreichende Tradition und sind heute nur scheinbar vergessen. Da es sie als Institution nicht mehr gibt, suchen sich junge Menschen andere Formen, in Gruppen und Moden. Was aber machen die Eltern?

Afrikanische Riten

Im afrikanischen Busch gelten sie auch heute noch, die drei Stufen des Übergangs in eine neue Lebensphase: Trennung, Übergang und Einfügung. Der junge Mensch wird räumlich von Sippe und Alltagsleben getrennt, im Kult - meist gewaltsam - unterworfen, um dann rituell wiedergeboren zu werden. Als neuer Mensch ist er dann dem elterlichen Einfluss entzogen und in die Gemeinschaft als Vollmitglied eingefügt. Das ist das Ziel: Abstand zur elterlichen Obhut und Neuausrichtung auf das Wohl des Ganzen.

Zurück in Deutschland

Eine archaische Vorstellung, mit Grundwerten, die soweit von den Ideen der westlichen Welt nicht ist. Außer, dass die rituelle Gewalt hier nicht von Schamanen und Medizinmännern zelebriert wird, sondern sich statistisch in den Berichten zur Jugendkriminalität niederschlägt. Aber generell gibt es sie nicht mehr in modernen Industriegesellschaften, die ritualisierten Übergänge von der Jugend zum Erwachsenen.

Zahl der finanziell Abhängigen steigt

Die christlichen Rituale verlieren an Bedeutung - die Zahl der Konfirmationen etwa sinkt. Gleichzeitig steigt die Zahl derer, die das Max-Planck Institut für Bildungsforschung als Mitglied der Nesthocker-Generation bezeichnet. Zwar leben nach einer Studie des Institutes 70 Prozent der jungen Männer und 90 Prozent aller jungen Frauen in Deutschland ab dem 25. Lebensjahr nicht mehr zu Hause, aber die Zahl der finanziell Abhängigen steigt. Jugendliche sind stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Angehörige anderer Altersgruppen, damit verschärft sich die finanzielle Abhängigkeit vom Elternhaus.

Die therapeutische Erfahrung 

Für 39 Prozent beginnt die Erwerbslosigkeit gleich nach Schulabschluss. Silvia Wagner ist Therapeutin und sieht gerade in dem immer weiter nach hinten verschobenen Berufseintritt eine große Hürde in der Zuweisung einer eigenen erwachsenen Identität. Auch die politisch viel diskutierte längere Verweildauer in den Bildungssystemen, verzögert den Übergang in die Gemeinschaft. In ihrer Praxis hat sie die Erfahrung gemacht, „dass vielleicht noch der Führerschein als äußeres Zeichen des Erwachsenwerdens eine gewisse Bedeutung für die Familie besitzt." Was aber ist Identität? Eine gute Selbsteinschätzung von Fehlern und Stärken.

Die Eltern

Diese Selbsteinschätzung lassen Eltern oft nicht zu. Nur ungern entlassen sie die eigenen Kinder in das Leben. Vor allem die ungute Symbiose zwischen Eltern und Kindern als Gleiche unter Gleichen, trägt zur späten Abnabelung der Jugend bei. Frau Wagner entdeckt in ihrem Praxisalltag „…immer mehr Eltern, die sich die eigene Jugend über das Kind länger erhalten wollen, in dem sie es an das Elternhaus binden.“ Man will cool und frisch sein, und damit dem allgegenwärtigen Marketinganspruch auf ewige Jugend gerecht werden, so die Leipziger Therapeutin weiter. Den Preis dafür zahlen die Kinder, mit einer zu späten und dann unzureichenden Entwicklung einer erwachsenen Ich-Identität.

Was sollten Eltern tun?

Die Ablösung sollte so früh als möglich vorbereitet werden. Vor allem durch die Verdeutlichung, dass Handeln Konsequenzen hat. Konsequenzen, die nicht immer von Mutter und Vater abgefedert werden müssen. Eltern müssen sich hingegen mit dem Prozess der Trennung bewusst befassen. Übergangsrituale sollten in der Familie selbst entwickelt werden, zum Beispiel durch Übertragung von Verantwortung. „Zuerst finden wir heraus, was wir nicht sind - erst später folgt die Erkenntnis was ich bin“, resümiert die Therapeutin. Versuch und Irrtum sollen zugelassen werden. Die allgegenwärtige Behütung verzerrt ab einem gewissen Punkt die Wirklichkeit. Dadurch wird sie unkenntlich und mehrdeutig. Das erwachsene Kind kann dann auf sie nicht reagieren, weil ihm dafür die Mittel fehlen.

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