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Ich kenne meine Oma nur vom Telefon

06.03.2012, 14:25 Uhr

Vor drei Jahren ist Mia mit ihren Eltern von Leipzig nach Stuttgart gezogen. Ihre Großeltern, die weiter in Sachsen leben, sehen sie nun nur noch zweimal im Jahr. Aber jeden Dienstagabend nehmen sie sich Zeit, um mit ihrer Enkelin in Süddeutschland zu telefonieren.

Moderne Kommunikationsmittel erleichtern Situation

"Wenn man über Telefon oder Internet jederzeit ganz schnell miteinander in Kontakt treten kann, dann stört die Entfernung oft gar nicht mehr so sehr", sagt die Berliner Diplom-Psychologin Helga Gürtler und macht Großeltern, deren Enkel in weiter Ferne leben, Mut. Moderne Kommunikationsmittel könnten dazu beitragen, dass auch über eine große Distanz ein lebhafter Austausch zwischen Enkeln und Großeltern stattfindet. Freilich fällt der Aufbau so einer Fernbeziehung leichter, wenn das Enkelkind erst im Laufe seiner Kindheit von den Großeltern weg zieht. "Dann besteht schon ein erster guter Kontakt, an den man anknüpfen kann", sagt Gürtler. Aber auch wenn man sich von Anfang an nur selten sehe, könne eine innige Bindung entstehen.

Rolle von Vertrauten

"Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten einmal zusammensetzen und sich überlegen, wie der Kontakt aussehen könnte", sagt Horst Weipert von der Sozialakademie Potsdam. Damit die Verbindung eine gewisse Verlässlichkeit bekommt, sei es beispielsweise hilfreich, regelmäßige Telefontermine zu vereinbaren. So könnten auch weit entfernte Großeltern für ihre Enkelkinder die Rolle von Vertrauten einnehmen, die mit ihnen kleine Geheimnisse teilen. Der Diplom-Pädagoge rät Senioren außerdem, sich mit ihren Enkeln über alle wichtigen Anlässe auszutauschen und zu versuchen, so weit wie möglich daran teilzunehmen. "Die Abreise zur ersten Klassenfahrt des Enkels oder Opas Triumphe im Senioren-Sport sind bedeutende Höhepunkte, die man gemeinsam erleben sollte."

Spezialisten für ein Thema

Mit der Zeit können sich Großeltern für ihre Enkel zu Spezialisten für ein bestimmtes Thema entwickeln. "Oma und Opa könnten zum Beispiel für gute Kochrezepte zuständig sein oder bei kniffligen Hausaufgaben helfen", sagt Gürtler. Die Eltern könnten die Enkelkinder dann immer wieder dazu animieren, sich doch mal schnell den Rat von Oma oder Opa zu holen.

Fantasie und Experimentierfreude gefragt

Manchmal lassen sich Distanzen ganz einfach mit etwas Fantasie und Experimentierfreude überbrücken. Wenn Mias Opa nun beispielsweise zum Vorlesen nicht mehr auf der Bettkante sitzen kann, lässt sich so ein Ritual auch mal anders gestalten: "Großeltern können ihren Enkeln auch übers Telefon Geschichten erzählen oder diese auf eine CD aufnehmen, so dass die Kinder sie abends anhören können", schlägt Gürtler vor. Dadurch könnten sich auch kleine Kinder an die Stimmen von Oma und Opa gewöhnen.

Päckchen oder Briefe

Aber auch ganz traditionelle Päckchen und Briefe sind immer noch beliebte Mittel, um aus der Ferne auf sich aufmerksam zu machen. "Ein mit Liebe geschnürtes Paket ist ein sehr persönlicher Gruß, der dem Enkelkind zeigt, dass man an es gedacht hat", sagt Gürtler.

Ein bisschen Alltag

Auch wenn man sich nur selten sieht, können gegenseitige Besuche die Beziehung zwischen Enkel und Großeltern verfestigen. "Man sollte darauf achten, dass solche Treffen nicht nur im Rahmen von wichtigen Feiertagen stattfinden, sondern dass die Kinder auch ein wenig Alltag mit ihren Großeltern erleben können", sagt Horst Weipert.

Eltern sollten Brücken bauen

Damit zwischen Enkeln und Großeltern über die weite Entfernung eine gute Bindung entstehen kann, sollten aber auch die Eltern mithelfen und Brücken bauen. "Mütter und Väter könnten mit ihren Kindern beispielsweise alte Fotoalben ansehen und ihnen Geschichten aus der eigenen Kindheit erzählen, in denen die Großeltern vorkommen", schlägt Gürtler vor. Auch Bilder von Oma und Opa an der Wand helfen dabei zu verhindern, dass dieser Teil der Familie in Vergessenheit gerät.

Kinder mit einbeziehen

"Schön ist es auch, wenn die Eltern ihre Kinder bei Telefonaten manchmal mit einbeziehen und sagen 'Horch, da spricht die Oma' - besonders kleine Kinder fangen dann an zu strahlen und genießen diesen Augenblick", sagt die Diplom-Psychologin. Auf verschiedenste Arten können Eltern ihren Kindern so immer wieder deutlich machen: Wir haben Oma und Opa lieb, und sie gehören zu unserer Familie dazu.

Zu viele Besuche

Manchmal wohnen die Großeltern weiter weg und kommen häufig für mehrere Tage oder sogar Wochen zu Besuch. Das ist zwar nett gemeint, kann den Familienalltag aber tüchtig durcheinanderbringen. "Auch dann sollte man ehrlich sagen: "Das wird uns zu viel", riet der Diplom-Psychologe. Wer sich vor einem solchen Gespräch scheut, der sollte zumindest den normalen Alltag leben. Werden Kuchen gebacken und aufwendige Gerichte aufgetischt, bedeute das zusätzliche Arbeit. Schließlich könnten Eltern den Großelternbesuch als Chance verstehen und für sich nutzen. Grundsätzlich sei es ja toll, wenn sich Großeltern einbringen: "Man muss nicht immer alles im Großfamilienverbund machen", sagte Kaller. "Die Großeltern können auch die Kinder einpacken und mit denen etwas unternehmen." Dann hätten die Eltern endlich mal wieder Zeit für sich.

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