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Neue Fruchtbringende Gesellschaft kämpft gegen die Verarmung der Sprache

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Sprache  

Verkümmern Denken und Sprechen?

05.01.2009, 11:41 Uhr | mmh, dapd

Neue Fruchtbringende Gesellschaft kämpft gegen die Verarmung der Sprache. Sprache lebendig erhalten.

Sprache lebendig erhalten. (Bild: imago)

Hat die deutsche Sprache eine Zukunft? "Ja", sagt die Professorin für Computerlinguistik an der Hochschule Anhalt, Uta Seewald-Heeg, "aber es ist höchste Zeit, ihrer Verarmung Einhalt zu gebieten." Zusammen mit einigen Gleichgesinnten gründete sie vor zwei Jahren in Köthen die Neue Fruchtbringende Gesellschaft, die sich den sprachpflegerischen Traditionen der historischen Fruchtbringenden Gesellschaft verpflichtet fühlt. Schülerwettbewerbe bringen überraschend starkes kreatives Potential zutage.

Alte Tradition wiederbelebt

Diese erste und bislang bedeutendste deutsche Sprachgesellschaft entstand 1617 nach dem Vorbild der italienischen Accademia della Crusca und hatte ihren ersten Sitz am Residenzort des damaligen Oberhauptes Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen. Die Fruchtbringende Gesellschaft von einst verfolgte unter anderem das Ziel, Deutsch sowohl als Sprache von Gelehrten als auch von Dichtern zu propagieren. 2007 wurde sie in der heutigen Form wiederbelebt.

Sprache lebendig erhalten

Dem in der Köthener Erklärung formulierten Ziel, "die deutsche Sprache als Amts-, Kultur-, Landes- und Wissenschaftssprache zu erhalten, zu pflegen, zu schützen und weiterzuentwickeln", widmen sich inzwischen mehr als 150 eingeschriebene Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet. Sie alle verbindet die Sorge, dass Kinder und Jugendliche zwar bestens geübt sind im Umgang mit der Fernbedienung von Fernsehern oder DVD-Spielern, ihnen Sprache dadurch aber oft nur noch in Sprechblasen und Kraftausdrücken vermittelt wird. "Strukturiertes Denken und Sprechen werden so nicht gefördert, sie verkümmern jämmerlich", befürchtet die Erste Vorsitzende der Gesellschaft. Der Umgang mit und die Beherrschung der Muttersprache aber beeinflussten nicht nur die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen, sondern auch das kulturelle, politische und wirtschaftliche Fortbestehen des Landes. "Unsere Sprache ist das Instrumentarium, das uns zusammenhält und Identität schafft. Geben wir sie auf, geben wir letztlich auch uns als Gesellschaft auf", betont Seewald-Heeg, die sich fließend Englisch und Französisch unterhalten kann, Russisch und Italienisch gut sowie andere Sprachen "für den Urlaubsgebrauch" spricht.

Schülerwettbewerb zur "Schönen Deutschen Sprache"

Aber "jede Sprache verfügt über Ausdrucksmöglichkeiten, die allein ihr eigen sind, und die Gesamtheit dieser Ausdrucksmöglichkeiten ergibt den Sprachhorizont der Menschheit", zitiert sie aus Reiner Kunzes "Rede zur deutschen Sprache", die der Schriftsteller am Tag der deutschen Sprache 2007 in Köthen hielt. Diese Veranstaltungsreihe initiierte die Neue Fruchtbringende Gesellschaft ebenso wie Schülerwettbewerbe zur "Schönen deutschen Sprache", die den kreativen Sprachgebrauch von Kindern und Jugendlichen fördern sollen. "Wenn man eher ernüchtert auf den alltäglichen, von Anglizismen sehr geprägten Sprachgebrauch blickt, sind die Einsendungen wieder ein Lichtblick", sagt Seewald-Heeg. Nicht nur sie staunte über Ausdrucksmöglichkeiten von Schülern der Klassenstufen 3 bis 13, die zum ersten Wettbewerb 2007 "Schöne deutsche Sprache" in fast 220 Beiträgen ihr deutsches Lieblingswort literarisch-poetisch oder lyrisch beschrieben. Der gemeinsam mit der Theodor-Münch-Stiftung ausgelobte Schülerschreibwettbewerb stand 2008 unter dem Motto "Mein liebstes Sprichwort". Die 520 dazu in Köthen eingegangenen Beiträge aus dem ganzen Bundesgebiet "haben alle unsere Erwartungen übertroffen", sagt die Wissenschaftlerin. 2009 können Kinder und Jugendliche der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft ihr "Spracherlebnis" mit der Muttersprache, einem dialektal gebrauchten Wort oder einem fremdsprachlichen Ausdruck im Deutschen anvertrauen. Bewertet wird vorrangig die Ausdrucksfähigkeit, weniger die Rechtschreibung, zumal nach Seewald-Heegs Auffassung die abnehmenden Kenntnisse in Grammatik und Orthografie auch in zahlreichen Ungereimtheiten der Rechtschreibreform begründet sind.

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