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Internet: Wie groß sind die Gefahren für Kinder wirklich?

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Online-Gefahren  

Internet: Wie groß sind die Gefahren wirklich?

15.01.2009, 09:29 Uhr | rev

Internet: Wie groß sind die Gefahren für Kinder wirklich?. Deutsche Jugendschutz-Experten warnen vor den Gefahren des Internets.

Deutsche Jugendschutz-Experten warnen vor den Gefahren des Internets. (Bild: Imago)

Ist die große Angst vor Internet-Bedrohungen für Kinder tatsächlich überzogen? Denn das ergab nun eine US-Untersuchung: Eine Gruppe von 49 US-Staatsanwälten hat sich eingehend mit der Thematik von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige im Netz beschäftigt und dabei herausgefunden, dass im Grunde kein alarmierendes Problem besteht. Die Ergebnisse der Erhebung stehen im deutlichen Widerspruch zur gängigen Auffassung von Online-Gefahren und der medialen Berichterstattung darüber. Auch die deutschen Jugendschutzorganisationen sind anderer Ansicht.

Keine "schrecklichen Nachbarschaften"

Das eigentliche Problem liegt laut dem Bericht nicht an sexuellen Übergriffen, sondern vielmehr an gegenseitigem Mobbing der Kinder und Jugendlichen - sowohl online als auch offline. "Das zeigt, dass soziale Netzwerke nicht diese 'schrecklichen Nachbarschaften' im Netz sind", sagt John Cardillo, Chef von Sentinel Tech Holding, dem Betreiber einer Datenbank zur Verfolgung von Sexualstraftätern, der ebenfalls an dem Projekt mitgearbeitet hat. Social Networks seien realen Gemeinschaften sehr ähnlich. Sie seien überwiegend aus unbescholtenen Menschen zusammengesetzt, die sich dort aus den richtigen Gründen bewegen.

Sexuelle Übergriffe ein akutes Problem?

Bei der deutschen Initiative jugendschutz.net tritt man den Ergebnissen allerdings mit Skepsis gegenüber. "Wir recherchieren seit vielen Jahren in Chats, Instant Messengern und inzwischen auch in Social Communities und stellen dabei leider immer wieder fest, dass sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche in vielen Angeboten nach wie vor an der Tagesordnung sind", sagt Katja Knierim, Projektleiterin von "Chats & Communitys" bei jugendschutz.net. Besonders dort, wo die Anbieter der Dienste keine effektiven Schutzmaßnahmen integrierten, bestehe für Kinder und Jugendliche eine hohe Belästigungsgefahr. Knierim bestätigt aber auch, dass Cyber-Bullying ein zunehmendes Problem darstellt und besonders in Schüler-Communitys auftritt. "Dort werden beispielsweise Diskussionsgruppen gegründet, die allein der Lästerei über eine bestimmte Person - sei es ein Mitschüler, ein Lehrer oder ein anderer Internet-Teilnehmer - dienen."

Social Networks sind nicht schuld

Die US-Arbeitsgruppe untersuchte wissenschaftliche Daten über Online-Sexualstraftäter und kam zu der Erkenntnis, dass Kinder von Erwachsenen im Netz eher selten belästigt werden. In jenen Fällen, die dennoch auftreten, reagieren die Jugendlichen oft bereitwillig auf zweifelhafte Angebote beziehungsweise stehen grundsätzlich unter einem höheren Risiko, weil sie aus sozial zerrütteten Verhältnissen stammen, heißt es in dem Bericht. Für die Social Networks dürften diese Ergebnisse eine Art Erleichterung darstellen. In den vergangenen Jahren waren sie zunehmend in die Kritik geraten, Online-Bedrohungen für Kinder den idealen Nährboden zu bieten. Die US-Anwälte schreiben in dem Bericht jedoch, dass die sozialen Netzwerke das Risiko belästigt zu werden insgesamt nicht erhöht hätten. Erst Ende des vergangenen Jahres hatten sich die Online-Plattformen ihrerseits zusammengeschlossen, um den Schutz für Minderjährige zu erhöhen.

Kritik auch in den USA

Auch in den USA wird die Untersuchung nicht nur positiv bewertet. Richard Blumenthal, Staatsanwalt von Connecticut und Mitbegründer der Task Force, übte bereits heftige Kritik an dem Bericht. Blumenthal bemängelt, dass "feindliche Bedrohungen heruntergespielt" würden. Die Ergebnisse beruhten auf überholten Daten und es gebe keinen spezifischen Lösungsansatz, wie die Sicherheit der Jugendlichen im Netz verbessert werden könne. "Kinder werden jeden Tag online belästigt. Einige gehen darauf ein und die Ergebnisse sind zumeist tragisch. Die harte Realität widersetzt sich den statistischen Forschungsergebnissen, die dem Bericht zugrunde liegen", so Blumenthal.

Mobbing, sexuelle Übergriffe - nicht die einzigen Gefahren

Ob nun Kinder und Jugendliche bereitwillig auf fragwürdige Online-Angebote eingehen oder gezielt von anderen Usern mit sexuellen Absichten verführt werden - in beiden Fällen offenbaren sich Gefahren, welche die Online-Welt für die Minderjährigen bedeutet. Ähnliches gilt für Internet-Werbung, die immer öfter direkt auf Kinder und Jugendliche abzielt sowie die grundsätzliche Gefahr der Internetsucht. All diese Aspekte eines vieldiskutierten Themas sollten Anlass sein, dass Kinder in der Schule und durch ihre Eltern gezielt und intensiv über die zahlreichen Gefahren aufgeklärt werden. Eltern sollten zudem vor allem bei jüngeren Kindern immer wieder den Internet-Umgang kontrollieren und Sicherheitsvorkehrungen treffen. Der Einsatz von Filterprogrammen, die verhindern, dass Kinder jugendgefährdende Seiten besuchen, ist beispielsweise eine effektive Möglichkeit.

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