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Musikerziehung  

Schule lässt kaum Zeit zum Musizieren

23.01.2009, 11:02 Uhr | mmh, dpa

Erziehung. Schuldruck statt Instrumentenüben.

Schuldruck statt Instrumentenüben. (Bild: imago)

Musikschulverbände bemerken bereits seit einiger Zeit, dass die Anforderungen in den Schulen immer weiter wachsen. Da bleibt für ernsthaftes und regelmäßiges Instrumentüben kaum Zeit.

Keine Zeit zum Üben

Lukas ist ratlos. Eigentlich spielt er sehr gerne Gitarre, schon seit fast vier Jahren. Doch mittlerweile muss er auch nachmittags so viel für die Schule tun, dass er kaum noch Zeit hat, mit seinem Instrument zu üben. "Manchmal bin ich abends so müde, dass ich es einfach nicht mehr schaffe, zur Gitarre zu greifen", erzählt der 17-Jährige aus Berlin. Ihm geht es so wie vielen anderen Schülern. Musikschulverbände bemerken bereits seit einiger Zeit, dass die Anforderungen in den Schulen immer weiter wachsen. Da bleibt für ernsthaftes und regelmäßiges Instrumentüben kaum Zeit.

Kooperationen von Musikschulen und Schulen

"Das Wichtigste ist, nicht den Mut zu verlieren, sondern sich für das Hobby einzusetzen", sagt Hendrike Rossel, Musiklehrerin und Referentin beim Verband deutscher Musikschulen in Bonn. Es könne sich durchaus lohnen, sich an der eigenen Schule für mehr Musikangebote einzusetzen. "Es gibt bereits zahlreiche Kooperationen mit Musikschulen, deren Lehrer den Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen mit Angeboten ergänzen", sagt die Expertin. "Das geht gerade an Ganztagsschulen gut, wo Schüler nachmittags ohnehin noch betreut werden - dann kann man häufig auch mehr Musik machen."

Musik-Leistungskurse anregen

Sönke Lentz, Projektleiter Bundesjugendorchester beim Deutschen Musikrat in Bonn, empfiehlt älteren Schülern außerdem, einen Musik-Leistungskurs anzuregen. "Auf diese Weise kann man die eigenen musikalischen Vorstellungen mit den schulischen Anforderungen verbinden." Der große Vorteil sei, dass man trotz des großen Leistungsdrucks auch zur Abizeit weiter musizieren kann. Um solche Vorhaben erfolgreich in die Realität umzusetzen, tut man sich am besten mit anderen Schülern und Eltern zusammen. "Alleine ist es meist schwieriger, sich bei der Schulleitung durchzusetzen", sagt Rossel. Eine kleine Gruppe finde da mehr Gehör.

Vorübergehenden Kompromiss finden

Doch selbst wenn das nicht klappt, muss man den Kopf nicht hängen lassen. "Ehe man aus Zeitgründen ganz mit dem Musizieren aufhört, ist es besser, einen Kompromiss zu finden", rät Rossel. "So lässt sich vielleicht mit Musikschule und Musiklehrer aushandeln, eine bestimmte Zeit lang nur noch alle zwei Wochen zu unterrichten oder die Menge an Hausaufgaben zu verringern." Die Idee findet Lukas gut. "Dann hätte ich nicht mehr so viel Druck und könnte trotzdem weiter Gitarre spielen."

Trotzdem üben

Dabei muss man allerdings darauf achten, nicht zu wenig zu üben. "Wer nur noch alle zwei Wochen Unterricht hat, sollte nicht eine Woche ganz pausieren", sagt Rossel. Besser sei es, jeden Tag zehn Minuten zu üben. "Deswegen kann es auch sinnvoll sein, das Instrument nicht weit weg in eine Hülle zu packen, sondern - wenn möglich - gut sichtbar und griffbereit so hinzulegen, dass man schnell mal drauf spielen kann."

Feste Übungszeiten planen

Gut ist auch, sich feste Zeiten für das Üben vorzunehmen. "Wenn man sagt, 'Ich spiele, wann es gerade passt', dann kommt erfahrungsgemäß oft etwas dazwischen", sagt Rossel. Besser sei, sich zum Beispiel nach dem Mittagessen zum Spielen Zeit zu nehmen. "Das kann sogar entspannen, so dass man schließlich besser Hausaufgaben macht." Das gilt jedoch nicht für alle Jugendlichen. "Andere erledigen lieber erst die Schulaufgaben und üben dann."

Problem: Band, Chor und Orchester

Problematischer wird es für diejenigen, die Musik nicht nur eine halbe Stunde am Tag spielen, sondern gemeinsam mit anderen Konzerte geben wollen. "Die Mitglieder des Bundesjugendorchesters zum Beispiel verreisen etwa dreimal im Jahr für rund zwei Wochen", sagt Lentz. "Da verpassen sie einige Zeit in der Schule, das lässt sich leider nicht immer vermeiden." Ähnlich ergeht es Schülern, wenn sie ein Vorspiel in der Musikschule oder eine Mini-Tour mit ihrer Band haben.

Widerstand der Lehrer

Dabei stoßen Schüler laut Lentz oft auf Widerstand der Lehrer, die die jungen Musiker nicht vom Unterricht befreien wollen. "Wenn uns die Schüler bitten, helfen wir ihnen gerne, zusammen mit den Eltern und Lehrern nach Kompromissen zu suchen", sagt er. "Das ist nicht immer einfach. Doch wer sich engagiert und für die eigenen Interessen einsetzt, hat häufig gute Chancen."

Musizieren fördert die Lernfähigkeit

Wer sich bei Eltern und Lehrern für das eigene Musizieren stark machen will, kann dafür auf Ergebnisse von Wissenschaftlern verweisen: "Mehrere Studien weltweit haben bereits bewiesen, dass Musizieren mehr als nur die Fingerfertigkeit fördert", sagt Sönke Lentz vom Bundesjugendorchester. Es aktiviere bestimmte Gebiete im Gehirn und steigere so die Konzentrations- und Lernfähigkeit - auch in anderen Fächern. "Das ist ein gutes Argument, um ein Instrument trotz der Anforderungen in der Schule weiterspielen zu können."

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