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Das letzte Wort haben immer die Eltern

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Das letzte Wort haben immer die Eltern

19.10.2009, 14:59 Uhr | rev

Alte Dame mit jungem Mädchen.

Kinder hängen an ihren Großeltern: Nicht selten steckt in der Beziehung jedoch auch Konfliktpotential. (Bild: Archiv)

Es ist eine ganz besondere Beziehung: Großeltern und Enkelkinder hängen oft eng aneinander. Auch wenn die Kinder Jahrzehnte jünger, ungestüm und manchmal anstrengend sind, freuen sich viele Großeltern über jeden Kontakt. Der ist aber nicht immer einfach. Denn verwöhnen Oma und Opa die Kleinen zu sehr, werden die Eltern schnell wütend - Streit in der Familie ist die Folge.

Eltern bleiben hauptverantwortlich

"Dieses Problem gibt es in vielen Familien", sagt Ralf Martin, Leiter der Jugend- und Familienberatung der Arbeiterwohlfahrt Berlin. Auch wenn sie natürlich eigene Vorstellungen verfolgen, sollten Großeltern bestimmte Regeln beachten. "Sonst kann es im schlimmsten Fall zu einem Zerwürfnis kommen, und dann sieht man seine Enkelkinder gar nicht mehr." Wichtig sei zunächst, dass Großeltern die Eltern als die Hauptverantwortlichen in der Erziehung der Enkel anerkennen. "Regeln, die die Eltern aufstellen, dürfen nicht bewusst unterlaufen werden", rät Diplom-Psychologe Martin. So müsse zwar nicht jede Kleinigkeit abgesprochen werden. "Dennoch kann es hilfreich sein, sich über die Regeln der Eltern zu informieren, damit in grundsätzlichen Fragen Klarheit herrscht."

Am Ende leiden Kinder unter Regelverstößen

Wer die Regeln kennt und seinem Enkelkind dennoch Ausnahmen gewährt, kann Ärger bekommen. "Zuerst macht man dem Kind zwar eine große Freude, indem man ihm zum Beispiel die eigentlich verbotenen Süßigkeiten gibt", sagt Hans Dusolt, Leiter der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder, Jugendliche und Familien in München. Doch mittel- und langfristig werde das Kind unter diesen Regelverstößen leiden, weil sie zu Konflikten zwischen Eltern und Großeltern führen, in deren Mittelpunkt die Kinder stehen. "Hinzu kommt, dass Kinder Klarheit und Grenzen brauchen, das gibt ihnen eine gewisse Sicherheit", erklärt Dusolt. Wenn die Regeln der Eltern jedoch gebrochen werden, wissen die Kinder nicht mehr, an was oder wem sie sich orientieren sollen. Sie fragen sich: "Woran soll ich mich halten, wenn offenbar selbst Mama und Papa Blödsinn reden?"

Kompromisse gemeinsam finden

Wer mit den aufgestellten Regeln allerdings überhaupt nicht einverstanden ist, sollte die Eltern direkt - aber möglichst diplomatisch - darauf ansprechen, rät Dusolt: "So kann man vielleicht Ausnahmeregelungen aushandeln wie 'Bei Euch darf das Kind gar kein Fernsehen schauen, bei uns maximal eine halbe Stunde'". Diese Regeln müssten von beiden Seiten akzeptiert werden. "Dann hat das Kind auch kein Problem damit - es muss aber klar sein, dass die unterschiedlichen Regeln an unterschiedlichen Orten gelten."

Großeltern haben recht auf Umgang mit dem Kind

Problematischer wird es, wenn sich die Eltern trennen oder scheiden lassen. "Dabei sollten die Großeltern nicht Partei ergreifen, sondern beiden Seiten hilfreich zur Seite stehen und vor allem für das Kind da sein", rät Martin. "Wer bei Streitigkeiten der Eltern nur seine Tochter oder seinen Sohn unterstützt, kann bei einer Trennung den Kontakt zu seinem Enkelkind ganz verlieren." Hat einer der Elternteile das Gefühl, dass die Schwiegereltern das Kind nur gegen ihn aufhetzen, wird er den Kontakt möglichst gering halten. Lassen sich familiäre Zerwürfnisse trotzdem nicht abwenden, müssen Großeltern nicht auf ihr Enkelkind verzichten. "Großeltern haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind, so lange es dem Wohl des Kindes nicht schadet", erklärt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht aus Berlin. Dieses Recht könnten sie vor Gericht einfordern. "Die Gerichte entscheiden dann individuell, wie oft und wie lange die Großeltern ihr Enkelkind sehen dürfen." Das sei abhängig von der Enge der bisherigen Bindung.

Im Ernstfall eingreifen

Glauben Großeltern außerdem, dass ihr Enkelkind zu Hause ernsthafte Probleme hat, sollten sie sich Hilfe holen. "Wer beispielsweise den Verdacht hat, dass das Kind missbraucht wird oder eines der Elternteile Alkoholprobleme hat, sollte sich von Fachleuten aus einer Familienberatungsstelle oder einem Kindernotdienst beraten lassen", rät Dusolt. So könne geklärt werden, ob die Situation für das Kind wirklich schädlich sei. "Gemeinsam mit dem Experten können dann weitere Schritte überlegt werden", sagt Dusolt. Denn auch wenn sich Großeltern grundsätzlich nicht in die Erziehung der Enkelkinder einmischen sollten, hätten sie doch eine sehr wichtige Aufgabe: "Sie beobachten und begleiten das Kind aus einer gewissen Distanz - und können im Ernstfall eingreifen und Schaden von ihm fernhalten."

Oma und Opa keine "billigen Babysitter"

Großeltern müssen aufpassen, dass sie in der Fürsorge für ihre Enkelkinder nicht ausgenutzt werden. "Zum einen sollten sie sich nicht als billige Babysitter hergeben, die wie selbstverständlich immer einsetzbar sind", rät der Diplom-Psychologe Ralf Martin aus Berlin. Außerdem bemerkten viele Omas und Opas nicht, dass auch die Enkel sie ausnutzen. "Großeltern überhäufen die Kinder oft mit materiellen Geschenken wie Geld. Sie sehen dabei aber nicht, dass einige Enkel vor allem wegen dieser Geschenke kommen - und nicht wegen ihrer großen Zuneigung zu den Großeltern."


Quelle: rev

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