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"Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet"

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Gewaltfreie Erziehung  

"Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet"

17.02.2009, 12:41 Uhr

Schläge zerstören das Vertrauen

Viele Eltern finden sich aber trotz aller guten Vorsätze immer wieder in der Situation, dass sie doch zugeschlagen haben. Hilflosigkeit, Überforderung und Stress – oft auch in ganz anderen Lebensbereichen – lassen die Geduld knapp werden und die Hand rutscht aus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Was oft zu schweren Selbstvorwürfen und Entschuldigungen beim Kind führt. Auf das Schlagen folgt die Reue und dieses Verhalten wiederholt sich unter Umständen immer wieder. „Die Reue ist aber schon mal ein gutes Zeichen“, so Paula Honkanen-Schoberth. „Da wissen Eltern, dass sie ihre Beherrschung verloren haben. Und das kommt in so gut wie allen Familien vor. Dafür kann man sich als Vater oder Mutter auch entschuldigen. Das heißt ja nicht im Umkehrschluss, dass man damit direkt auch die ‚Untaten‘ des Kindes akzeptiert.“

Gemeinsame Problemlösung

Sie schlägt vor, die Kinder an der Problemlösung zu beteiligen und zwar nicht direkt in der Konfliktsituation, sondern dann, wenn sich die Wogen wieder geglättet haben. „Eltern können das Kind z.B. fragen: ‚Was können wir in Zukunft tun, damit wir nicht wieder so einen Streit bekommen? Hast Du eine Idee?‘“ Hierbei sollte man dem Kind Zeit zum Überlegen geben. Und für den Fall, dass ihm nichts einfällt, auch selbst ein oder zwei Vorschläge parat haben.

Die Sprache der Gewalt

Aus einer einzelnen Ohrfeige wird allerdings schnell mehr. Die Hemmschwelle sinkt. Und das kann schlimme Folgen haben. Neben Auffälligkeiten wie Ängstlichkeit, Leistungsabfall und Kontaktarmut kann auch Aggressivität eine dieser Folgen sein. Gegen andere, aber auch gegen sich selbst. Nicht wenige Drogensüchtige haben Misshandlungserfahrungen in ihrer Kindheit gemacht.

Schlagen bedeutet, seine Unfähigkeit einzugestehen

Babys, die vor Wut und/oder Verzweiflung geschüttelt wurden, können Gehirnschädigungen davontragen, sogar sterben. Blutergüsse,  Knochenbrüche, Verbrennungen durch elterliche Gewalt sind häufig. Doch auch die Folgen für die Seele sind gravierend: Das Urvertrauen des Kindes in seine Eltern wird erschüttert. Seine Hilflosigkeit ausgenutzt. Denn oft sind die Schwierigkeiten mit dem Kind nicht die wirkliche Ursache. Andere Dinge wie Probleme in der Arbeit oder mit dem Partner haben sich angestaut und eine Kleinigkeit zuhause bringt das Fass zum Überlaufen. Aber nicht nur körperliche Gewalt hat Folgen, auch seelische Gewalt in Form von Niederbrüllen, Anschweigen oder Beleidigen hinterlässt deutliche Spuren.

Gefangen in einer Gewaltspirale?

Wer als Kind geschlagen wurde, scheint mehr dazu zu neigen, auch seine eigenen Kinder körperlich zu bestrafen. Diese Eltern befinden sich in einer sogenannten Gewaltspirale. Sie haben gelernt, sich mit Schlägen durchzusetzen, vor allem, wenn es sich um Schwächere handelt. Und sie sind meist der Meinung, die Prügel ihrer eigenen Kindheit hätten ihnen nie geschadet. Nur wenige gestehen sich ein, dass sie durch das Fehlverhalten ihrer eigenen Eltern einen seelischen Schaden davongetragen haben, den sie ihren Kindern nicht antun wollen. „Ein Mensch, der viel geschlagen wurde, hat selten andere Wege gelernt, Konflikte zu lösen. Daher sollten gerade diese Menschen sich besonders bewusst mit ihren Gefühlen, ihrem Ärger und dem Zorn auseinandersetzen. Damit sie in ohnmächtigen Wutsituationen nicht auf die alte Methode zurückgreifen“, so der Kinderschutzbund. Eine Gewaltspirale ist also nicht zwingend, man kann sich davon befreien und sie ist mit Sicherheit keine Entschuldigung. Doch nur 16 Prozent der Eltern, die selbst Gewalt in der Erziehung erfahren mussten, haben sich – vielleicht gerade aufgrund dieser Erfahrungen – ‚im Griff‘.

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