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Ortungsgeräte  

Ortungsgeräte rauben Kindern ihre Geheimnisse

18.02.2009, 15:25 Uhr | rev, dpa

Ortungsgeräte rauben Kindern ihre Geheimnisse. Schnell verlieren Kinder beim Spielen und Toben die Übersicht: Ortungsgeräte bieten eine gewisse Sicherheit.

Schnell verlieren Kinder beim Spielen und Toben die Übersicht: Ortungsgeräte bieten eine gewisse Sicherheit. (Bild: Imago)

Kinder sind Entdecker. Erst erforschen sie nur die elterliche Wohnung, später Stadtviertel und Wälder. Spätestens dann leben viele Eltern in Sorge: Das Kind könnte sich verlaufen, im Wald an einem einsamen Fleck verletzt werden oder - schlimmstenfalls - in die Hände eines Unbekannten geraten, der Böses vorhat. Diese Ängste sollen Ortungsgeräte und -dienste nehmen. Entweder wird das Kind mit einem speziellen Gerät ausgestattet oder der Standort des Handys angezeigt. Eltern können dann im Internet sehen, wo sich ihr Nachwuchs aufhält. Sicherheit bieten die Geräte aber nur bedingt, sagen Experten. Der Einsatz sollte gut überlegt sein.

Trügerische Sicherheit

Die Nachfrage nach Ortungsgeräten ist laut Peggy Otto hoch. "Die Grundangst der Eltern, dass ihrem Kind etwas passiert, ist verständlich", sagt Professor Bärbel Kracke, Entwicklungspsychologin an der Universität Erfurt. Ekkehard Mutschler glaubt aber, dass Ortungsgeräte eine trügerische Sicherheit geben. "So ein Gerät kann immer nur ein Hilfsmittel sein", sagt das Vorstandsmitglied des Deutschen Kinderschutzbundes in Berlin. Ein Gerät könne immer ausfallen. Oder die Kinder lassen es irgendwo liegen. "Eltern können ihre Aufsichtspflicht nicht auf ein Gerät übertragen", sagt Mutschler. Professor Kracke glaubt, dass zum Beispiel Sicherheitstrainings, in denen Kinder lernen, in kritischen Situationen laut um Hilfe zu rufen, sinnvoller sind.   

Technik kann nicht vor allem schützen

Mutschler rät Eltern zu hinterfragen, wovor sie genau Angst haben: Denn so groß wie viele glauben, ist das Risiko, dass ein Kind von einer fremden Person entführt und misshandelt wird, nicht. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik seien in den vergangenen Jahren jährlich zwei bis fünf Kinder zwischen sechs und 14 Jahren Opfer von Sexualmorden geworden, sagt Theresia Höynck vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen in Hannover. "Die meisten Übergriffe passieren im privaten Umfeld. Und davor schützt auch die Technik nicht", sagt Mutschler.

Kinder brauchen Geheimnisse

Kinder im Schulalter müssten selbstständig spielen können. "Für die kindliche Entwicklung ist es ganz wichtig, dass Kinder Geheimnisse haben", erklärt Mutschler. Dazu gehöre eben auch, dass sie sich gelegentlich an Orten aufhalten, von denen ihre Eltern nichts wissen. Laut "jackMobile", einem der Hersteller, ist allerdings auch das mit dem Produkt trackyourkid möglich. Theoretisch könne das Kind jederzeit selbstständig per SMS den Dienst und die Ortungsmöglichkeiten ausschalten. Außerdem funktioniere die Ortung nur bei eingeschaltetem Handy. Schließlich lasse sich einstellen, dass das Kind nach jeder Ortung eine SMS bekommt, sagt Otto.

Freiheit für Eltern und Kind darf nicht verloren gehen

Wollen Eltern ein Ortungsgerät anschaffen, sollten sie das mit ihrem Kind besprechen, rät Professor Kracke. Dazu gehöre auch, darüber zu reden, was passiert, wenn das Kind eben einmal nicht zu erreichen ist oder einen Fehlalarm gibt. "Das kann Eltern in große Angst versetzen", sagt sie. Spätestens im Jugendalter mit etwa zwölf Jahren sollten sich die Kinder dann wirklich frei bewegen können. Das bedeute letztendlich auch Freiheit für die Eltern: "Die haben doch auch ein Leben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lust haben, permanent den Radius ihrer Kinder zu kontrollieren."

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