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Erziehung  

Strenge Eltern: Verbote nicht einfach ignorieren

03.05.2011, 17:13 Uhr | rev; mmh, dpa

Erziehung: Verbote nicht einfach ignorieren. Regeln sollten auf keinen Fall einfach ignoriert werden: Womöglich lassen sich aber Kompromisse finden.

Regeln sollten auf keinen Fall einfach ignoriert werden: Womöglich lassen sich aber Kompromisse finden. (Bild: Imago)

Bei der Freundin übernachten, einen Freund haben oder auf Partys gehen - wer strenge Eltern hat, kann davon nur träumen. Stattdessen stehen dann Dinge wie Zimmer aufräumen oder im Haushalt helfen auf dem Programm, die Schulaufgaben werden kontrolliert und rausgehen darf man nur nach Absprache. Zu strenge Vorschriften machen aus Kindern Außenseiter, auch wenn die Eltern aus Sorge und in guter Absicht handeln. Wo sind die Grenzen zwischen Fürsorge und übertriebener Strenge? Wer kann vermitteln?

"Eltern sind streng, weil sie sich Sorgen machen"

Das nervt ganz schön. Schnell fühlt man sich unfair behandelt oder kontrolliert. Dabei ist das meistens gar nicht so gemeint. "Eltern sind streng, weil sie sich Sorgen um ihre Kinder machen", sagt Julia aus München. Die 17-Jährige engagiert sich bei dem vom Kinderschutzbund München und der "Nummer gegen Kummer" organisierten Projekt "Teens on Phone". Am Telefon berät sie andere Jugendliche mit Problemen.

Fehlt das Vertrauen?

"Manche Eltern haben auch schlechte Erfahrungen gemacht oder von anderen etwas gehört, was ihnen Angst macht", erzählt Julia. "Ein anderer Grund für strenge Regeln könnte sein, dass keine gute Vertrauensbasis besteht." In solchen Fällen würde sie zuerst mit den Eltern sprechen. "Dabei sollte man versuchen, auch die Eltern zu verstehen, damit es nicht in Streit ausartet." "Hat ein Gespräch nichts gebracht, würde ich erst mal überlegen, was schief gegangen ist", sagt Julia. Dabei könne es helfen, eine Liste anzulegen, auf der man die Punkte notiert, die einem wichtig sind. Auch religiöse oder kulturelle Hintergründe können Einfluss auf die Erziehung haben und Verbote auslösen. Das kann sich auf Kleidungsvorschriften genauso beziehen, wie auf die Auswahl der Lektüre oder den Umgang mit anderen Jugendlichen.

Zuverlässigkeit zahlt sich aus

Verbote einfach zu ignorieren, sollte man besser vermeiden. Denn wer sich an Abmachungen hält, hat viel bessere Argumente, um mehr Freiheiten für sich herauszuschlagen. "Man kann durch das eigene Verhalten die Eltern steuern", erklärt Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth. So zahle es sich zum Beispiel aus, wenn man zuverlässig zum verabredeten Termin nach Hause kommt. "Dann kann man versuchen, mit guter Diplomatie über eine Lockerung der Regeln zu verhandeln."

Konstruktives Streiten

Ulrich Gerth hält es aber auch für notwendig, dass Eltern gewisse Grenzen setzen. "Wenn sie keine Regeln aufstellen oder schwanken, fehlt die Orientierung." Dass es darüber auch Zoff gibt, findet er normal. Die meisten Familien erleben solche Auseinandersetzungen, pflichtet Klaus Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) in Berlin bei. "Wichtig ist, dass eine Streitkultur besteht, also dass man sich streitet und wieder verträgt." Ist eine Situation aber so verfahren, dass Eltern und Kinder nicht mehr miteinander sprechen, sollte man sich besser Unterstützung von außen holen.

Aufeinander zugehen

"Helfen könnten zum Beispiel Vertrauens- oder Klassenlehrer, Mitschüler, Erziehungs- und Familienberatungsstellen und Schulpsychologen", sagt Seifried, der selbst als Schulpsychologe in Berlin arbeitet. Wenn die Eltern nicht gesprächsbereit sind, könnten Jugendliche sich auch allein an Beratungsstellen wenden. Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, machen beide Seiten besser frühzeitig Zugeständnisse und gehen aufeinander zu. "Eltern müssen sich Zeit nehmen, um an der Entwicklung ihrer Kinder teilzuhaben", sagt Seifried. Und Jugendliche sollten versuchen, "nicht nur sich selbst zu sehen".

Rechtliche Lage

Gesetzlich ist in den meisten Fällen nicht festgelegt, was Eltern erlauben dürfen oder müssen. "Vieles ist Verhandlungssache", sagt Gerth. Zwar regle etwa das Jugendschutzgesetz, wie lange Jugendliche in der Öffentlichkeit unterwegs sein dürfen. Ein Recht, so lange auszugehen, haben sie deshalb aber noch lange nicht. "Das können immer noch die Eltern entscheiden."


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