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Geschwister: Was die Geschwisterposition aussagt

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Geschwisterposition  

Erstgeborene, Sandwichkinder und Nesthäkchen

10.01.2014, 14:40 Uhr | sca, t-online.de

Geschwister: Was die Geschwisterposition aussagt. Kronprinz, Sandwich oder Nesthäkchen - so prägt uns die Geschwisterkonstellation.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kronprinz, Sandwich oder Nesthäkchen - so prägt uns die Geschwisterkonstellation. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Kinder fühlen sich im Vergleich zu ihren Geschwistern benachteiligt, obwohl sich Eltern die größte Mühe geben, ihre Zeit und Aufmerksamkeit gleichmäßig zu verteilen. Außerdem haben die Kinder oft sehr unterschiedliche Charaktere, obwohl sie die gleichen Eltern haben. Studien haben ergeben, dass die Geschwisterposition, in der ein Kind geboren ist, viel wichtiger für die Entwicklung ist als der Einfluss der Eltern. Was zeichnet Erstgeborene, mittlere Kinder und Nesthäkchen aus und wie können Eltern sie in der Entwicklung unterstützen?

Das eine Kind eher zurückhaltend und vorsichtig, das andere extrovertiert und abenteuerlustig. Woher kommen diese Unterschiede?, fragen sich Eltern zu Recht. Waren wir zum ersten zu streng, haben dem anderen zu viel durchgehen lassen? Oder spielt die Erziehung vielleicht doch gar nicht eine so große Rolle?

Die Geschwisterposition ist prägend

Viele Untersuchungen haben ergeben, dass vielmehr die Geburtenfolge als die Erziehung der Eltern den Charakter prägt. Die Position als Erstgeborenes, Zweit- oder Drittgeborenes ist entscheidend. Ist schon ein vernünftiges, ruhiges Kind da, das gut in der Schule ist, werden sich die nachgeborenen Kinder eher andere "Nischen" suchen. Damit wollen sie vor allem eins: auffallen und Beachtung bekommen.

Der amerikanische Psychologe Kevin Leman hat die Charakteristika der verschiedenen Geschwisterpositionen so auf den Punkt gebracht: Erstgeborene sind perfektionistisch, Mittelkinder drücken sich und Nesthäkchen tanzen immer aus der Reihe.

Die vernünftigen Erstgeborenen

Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass es Eigenschaften und Verhaltensweisen gibt, die eher typisch für erstgeborene Kinder sind. Sie haben zunächst die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern. Die Psychologin Jirina Prekop schreibt: "Alle Lebensstationen werden dokumentiert, auch im Foto, und Ereignisse, die bei den weiteren Kindern nur registriert werden, werden von der gesamten Verwandtschaft gefeiert."

Kein nachgeborenes Kind wird jemals so viel Aufmerksamkeit bekommen. Oft sind die Erstgeborenen sehr vernünftig, übernehmen gerne Verantwortung und sind perfektionistisch. Das liegt daran, dass sie als Babys die anfängliche Unsicherheit, das Lampenfieber ihrer Eltern alles richtig zu machen, spüren. Bald bekommen sie heraus, dass die Zweifel von Mama und Papa eng mit ihren Leistungen zusammenhängen.

Die Entthronung

Wenn ein Geschwisterchen geboren wird, bleibt das meist nicht ohne Folgen. Die Entthronung führt oft zu einer Krise bei dem Erstgeborenen. Der Konkurrenzkampf ist besonders groß bei gleichgeschlechtlichen Kindern mit geringem Altersunterschied. Haben sie sich an den Nebenbuhler gewöhnt, übernehmen sie oft die Beschützerrolle. Indem sie sich besonders gewissenhaft und zuverlässig um das kleinere Geschwisterchen kümmern, erhoffen sie, den ersten Platz bei den Eltern zurückzugewinnen. Die Kehrseite der Medaille kennt Diplom-Psychologe Michael Thiel aus der Praxis: "Lust und Spaß an der eigenen Kindheit können da ab und zu auf der Strecke bleiben."

So unterstützen Eltern die Erstgeborenen

Deshalb ist es wichtig, dass Eltern ihrem großen Kind nicht zu viel Verantwortung aufbürden. Jirina Prekop empfiehlt Eltern, ihr Erstgeborenes "nicht als großes Kind zu behandeln, sondern es auch klein zu lassen." Es könne zwar selber sehen, dass es größer ist, "aber nicht, ob es noch so geliebt wird wie vorher". Wenn die Kinder den Satz "Dich habe ich am längsten lieb" hören, wird es die Entthronung leichter ertragen können. Wichtig ist auch, dass Eltern Zeit mit dem Ältesten alleine verbringen. Ein älteres Kind sollte zwar mehr Pflichten haben, aber achten Sie vor allem auch darauf, ihm mehr Rechte einzuräumen, wie zum Beispiel ein späteres Zubett-Gehen oder ein höheres Taschengeld.

Die mittleren Kinder oder Sandwich-Kinder

Für die sogenannten Sandwich-Kinder, die sowohl ältere als auch jüngere Geschwister haben, ist es oft besonders schwer, ihren Platz zu finden. Sie haben einen überlegenen Bruder oder eine überlegene Schwester und hinter ihnen folgt das süße Nesthäkchen. Da ist es gar nicht einfach, aufzufallen. Am einfachsten haben es die mittleren Kinder, die der einzige Junge oder das einzige Mädchen in der Familie sind.  Als "Prinz" oder "Prinzessin" haben sie eine recht klare Position.

Am wenigsten Zuwendung

Die Bemühungen der "heutigen" Eltern, Zeit und Geld gerecht aufzuteilen, führt nach einem Modell von Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin paradoxerweise speziell für die "Sandwichkinder" zu Nachteilen. Denn die Ältesten hatten - je nach Altersunterschied - für einige Jahre die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Eltern und müssen sie dann zunächst nur mit einem Geschwisterkind teilen. Die Jüngsten werden in ihrer Jugend ihre Eltern für sich haben, wenn die Geschwister schon ausgezogen sind. Wenn also in den Jahren, in denen alle Kinder bei den Eltern wohnen, alle Ressourcen wie Geld, Zeit, Nahrung immer gleichmäßig unter den Kindern verteilt werden, haben die mittleren Kinder am Ende am wenigsten Zuwendung auf ihrem Konto.

Ansporn in Grenzen

Die "Zwischenkinder" tragen die Kleidung und Sportausrüstung ihrer Geschwister auf, werden weniger gefördert, bekommen weniger Aufmerksamkeit, da der Reiz des Neuen bereits vorbei ist und folgen den ausgetretenen Pfaden ihrer Vorläufer. Ihr Ansporn hält sich oft in Grenzen, da von den Eltern vieles sowieso als selbstverständlich hingenommen wird. Andererseits ist der Erwartungsdruck nicht mehr so groß, was auch ein Entwicklungsvorteil sein kann. Auch sind die Kinder nicht mehr unter ständiger Beobachtung, die Eltern entspannter.

Provokation oder Verschlossenheit

Nicht selten kämpfen sie so durch provokatives Verhalten um die Beachtung der Eltern, sind fordernder und aggressiver als ihre Geschwister. Andere Kinder zeigen ein besonders verschlossenes Verhalten und wenden sich schon früh nach außen, indem sie viele Kontakte außer Haus haben.

So unterstützen Eltern ihr Mittelkind

Zeigen Sie Ihrem Mittleren, das er etwas Besonderes für sie ist. Achten Sie darauf, seine Leistungen hervorzuheben und nicht als selbstverständlich zu betrachten. Damit das mittlere Kind nicht so um seine Aufmerksamkeit kämpfen muss, ist es wichtig, mit ihm alleine Unternehmungen zu machen oder zu spielen. Es sollte auch mal alleine die Großeltern besuchen und ab und zu ein neues Kleidungsstück aussuchen dürfen, zum Beispiel mit seinem Lieblingshelden darauf. Gerade bei Hobbies, die ihrem mittleren Kind besonders wichtig sind, sollten sie diesem, wenn möglich, durch den Kauf eines eigenen neuen Instruments oder neuer Fußballschuhe die nötige Aufmerksamkeit schenken.

Das Nesthäkchen

Mit dem Begriff des Nesthäkchens wird das jüngste, letztgeborene Kind bezeichnet, das als letztes "aus dem Nest fliegt". Die Verwandtschaft ist vom Nachkömmling begeistert, alle finden es süß. Diese Kleinen schaffen es meistens problemlos, ihre Eltern, Omas und Opas, um den Finger zu wickeln. Oft werden sie von den Eltern verwöhnt und es wird auch nicht so viel von ihnen verlangt. Wollen sie zwei- oder dreijährig noch immer viel getragen werden, erreichen sie oft ihr Ziel. Schließlich muss die Mutter weder Kinderwagen schieben noch trägt sie einen dicken Babybauch vor sich her. Das handelt ihnen nicht selten Ärger mit den älteren Geschwistern ein.

Kleine genießen Privilegien

Die Kleinen erleben ihre Eltern oft entspannter als die Geschwister. Sie stehen nicht mehr so stark unter der Beobachtung der Eltern, alleine aus zeitlichen Gründen. Gleichzeitig genießen sie oft schon früh Privilegien, für die ihre älteren Geschwister hart gekämpft haben. Die Geschwister finden das oft ungerecht, schließlich war es für sie nicht selbstverständlich, mit 15 Jahren bis Mitternacht unterwegs sein zu dürfen, oder mit zehn Jahren einen Film für Zwölfjährige anzuschauen.

Ungerecht behandelt?

Auch wenn sie von ihren Eltern mit mehr Nachsicht behandelt werden, so fühlen sich die Nesthäkchen in der Regel ungerecht behandelt. Von ihnen gibt es viel weniger Babyfotos als von ihren älteren Geschwistern, für Babyschwimmen und Kinderturnen bleibt keine Zeit.  Die Kleinsten orientieren sich immer an den Großen, sie sind der Maßstab aller Dinge. Manche reagieren darauf, indem sie sich ein Leben lang in der Rolle des "süßen Kleinen" einrichten. Andere spornt es erst richtig an, allen zu zeigen, was in ihnen steckt. Die großen Geschwister zu übertrumpfen, ist das Höchste. Vor allem, wenn sie das gleiche Geschlecht haben.

So unterstützen Sie Ihr Nesthäkchen

Achten Sie darauf, dass auch ihr Nesthäkchen kleine altersgerechte Aufgaben im Haushalt übernimmt und so lernt Verantwortung zu übernehmen. Vergessen Sie nicht, dass auch das Nesthäkchen die Familienregeln beachten muss. Es ist außerdem wichtig, dass sie auch Ihr Nesthäkchen fordern. Letztgeborene sind meist nur wenig ehrgeizig oder geben den Clown, weswegen sie oft hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Ähnlich wie die mittleren Kinder brauchen die Jüngsten das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Hängen Sie beispielsweise seine Kunstwerke aus Kindergarten oder Schule auf.

Alle Geschwister profitieren

In Wahrheit aber profitieren alle Geschwister voneinander, ganz gleich, ob älter oder jünger, sagt der Geschwister-Experte am Staatsinstitut für Frühpädagogik, Hartmut Kasten. "Sie trainieren Kompromisse zu verhandeln, Bündnisse zu schmieden, konstruktiv zu streiten - das ist soziales Training für das ganze Leben."

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