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Kindeswohl: Wie viel Verwahrlosung kann man dulden? (2)

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Verwahrlosung und Prügel: Wann soll man einschreiten?

26.02.2009, 14:06 Uhr | mmh, t-online.de, dapd

Wie kann Hilfe aussehen?

Meist dauert solch ein Hilfe-Programm ein halbes Jahr, höchstens eineinhalb Jahre und umfasst vier bis sechs Stunden pro Woche. Doch auch in diesem Bereich wird gespart. Die Ziele heißen zum Beispiel: an Regeln halten, regelmäßig zur Schule gehen, Bewerbung schreiben, mit den Eltern reden, für die Elten: mehr aufräumen, regelmäßige Mahlzeiten anbieten. Die Familien müssen sich gemeinsam neu sortieren, es nutzt nichts, wenn nur ein Teil, nur Kinder oder nur Eltern die Therapie beginnen. Kiewning erklärt: "Mein Anliegen heißt immer, das Kind soll möglichst in der Familie bleiben, ein weiterer Kernpunkt heißt, was ich tue, ist von Nutzen, um mit den Situationen der eigenen Lebenslage besser zurechtzukommen." Manchmal bedeutet das konkret: gemeinsam kochen, abspülen, diese Tätigkeiten anleiten, Hausaufgaben durchsprechen und zuvor überhaupt auf dem vermüllten Tisch dafür Platz schaffen. Was einfach klingt, sind für Betroffene oft große Schritte, die schwer zu gehen sind. Vor allem dann, wenn Suchtverhalten der Eltern, Gewalt und Vernachlässigung zusammenkommen. "Es klingt hart, aber manchmal ist es auch besser für ein Kind, wenn es aus der eigenen Familie herausgeholt wird, und in eine Pflegefamilie aufgenommen wird. Manchmal drehst du fast durch, wenn du die Familien überhaupt nicht erreichst."

Was bedeutet Kindeswohl?

Der Begriff "Kindeswohl" ist nicht genau definiert, aber man geht davon aus, dass es dann gegeben ist, wenn ein Kind einen Lebensraum zur Verfügung hat, in dem es die körperlichen, gefühlsmäßigen, geistigen, personalen, sozialen, praktischen und sonstigen Eigenschaften, Fähigkeiten und Beziehungen entwickeln kann, die es immer stärker befähigen, für das eigene Wohlergehen im Einklang mit den Rechtsnormen und der Realität sorgen zu können. Ziel ist also, sich gut entwickeln zu können, mit all seinen Fähigkeiten, um selbständig und selbstbestimmt leben zu können. Das Kindeswohl bezieht sich auf die gesamte Kindheit und Jugendzeit, bis zur Volljährigkeit. In den meisten westlichen Staaten darf der Staat nur in extremen Ausnahmefällen in das Erziehungsrecht der Eltern eingreifen. Nämlich dann, wenn das Kindeswohl bedroht ist, bei einer seelischen oder körperlichen Gefährdung des Kindes.

Ob arm oder reich

Seelische Verwahrlosung ist nicht an ein Einkommen gekoppelt. Demütigungen und Schläge kennen Sozialarbeiter aus wohlsituierten Familien in Villengegenden genauso wie aus Wohnblocks im sozialen Brennpunkt bei Hartz-IV-Empfängern. Doch bei den armen Familien kommt meist noch die Perspektivlosigkeit dazu, hier ist die äußerliche Verwahrlosung häufiger anzutreffen. Sie kümmern sich seltener aus Eigeninitiative um Hilfsangebote, reflektieren ihre Situation nicht so stark. Andererseits lassen sich solche "Familiengeheimnisse" hinter schönen Fassaden länger verbergen, denn Nachbarn bekommen weniger mit, die Wände sind dicker als in den Wohnblocks. Und wer denkt schon, dass Lehrer, Manager, Pfarrer ihre Kinder misshandeln? Würde das Jugendamt solch einem Hinweis überhaupt nachgehen? Es muss dem Verdacht sogar nachgehen. Zu oft wurden in jüngster Zeit Versäumnisse der Jugendämter in Fällen von Kindesmisshandlungen nachgewiesen.

Erzieherinnen erkennen oft die Krise

Erzieherinnen in Kindergärten sind oft in schwierigen Situationen. Was tun, wenn sich die Eltern dem persönlichen Gespräch entziehen? Setzt ein Hinweis an das Jugendamt nicht die Familie noch weiter unter Druck und versperrt erst recht jede Möglichkeit, niederschwellige, also direkte Hilfsangebote annehmen zu können? Sie sollten die Vorfälle und Anzeichen von Gewalt dokumentieren und weiterhin das Gespräch mit den Eltern suchen. Erzieherinnen hören oft aus den Erzählungen der Kinder heraus, ob es gerade familiäre oder soziale Krisen gibt, in diesen Situationen häufen sich Misshandlungen. Erzieherinnen sollten auch den Eltern Hilfestellungen bieten, außerdem sollte die Leitung des Kindergartens und gegebenenfalls der Träger informiert werden. Kindergärten sind eine wichtige Schaltstelle, denn sie begleiten die Kinder über längere Zeit. Sie beobachten, wenn Kinder schlechte Zähne haben, aber nie zum Zahnarzt gehen, wenn Kinder eine Brille bräuchten, aber sich keiner darum kümmert, wenn Kinder dauerhaft blass sind und schlecht ernährt wirken. Denn es geht nicht um kleine Vorkommnisse wie mal ein Loch in der Hose oder mal dreckige Knie. Es geht um anhaltende Auffälligkeiten.

Wichtige Rolle: Jugendamt

Eltern und andere Erziehungsberechtigte können sich in allen Angelegenheiten der Erziehung und Entwicklung von Kindern an das Jugendamt wenden, es wird oft auch als Amt für Familien und Kinder bezeichnet. Die Jugendämter sind kommunale Einrichtungen, sie bieten Beratung und Unterstützung in Not- und Konfliktlagen. Nicht mehr Kontrollinstanz oder Eingriffsbehörde will das Jugendamt sein, sondern eine moderne Dienstleistungsbehörde, mit dem Schwerpunkt auf der Beratung von jungen Menschen und ihren Eltern. Das Jugendamt ist auch im Ernstfall "Ausfallbürge" für die Erziehung eines Kindes, beispielsweise wenn die Eltern ihre Erziehungsverantwortung missbräuchlich ausüben, in Strafhaft genommen wurden oder verstorben sind. Diese Behörde hat den Auftrag, bei bedeutenden Verstößen gegen das Kindeswohl einzugreifen, also insbesondere bei Kindesmisshandlung, sexuellem Missbrauch und Verwahrlosung. Die Jugendämter vernetzen die Jugendhilfeeinrichtungen.

Wie verhalten sich Nachbarn oder Bekannte?

Haben Nachbarn oder Bekannte einen Verdacht, dass in einer Familie dauerhaft etwas nicht stimmt, können sie sich an Beratungsangebote wenden, beispielsweise an Kinderschutzzentren oder den Kinderschutzbund. Das hat auch nichts mit Denunziation zu tun, sondern kann im Ernstfall Schlimmes verhindern. Denn dort sitzen die Profis, die eine Situation einschätzen können. Ändert sich die Situation nicht, sollte tatsächlich das Jugendamt eingeschaltet werden. Manchmal kann es den betroffenen Eltern auch nützen, wenn sie auf ihre Situation angesprochen werden. Vielleicht haben Sie einen Tipp für ein Hilfsangebot bereit? Ein offenes Ohr? Können Verantwortung übernehmen?

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