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Geschwisterstreit: Strapazen für elterliche Nerven

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Geschwisterstreit  

Kleine Streithähne

27.02.2009, 17:06 Uhr | Simone Blaß

Geschwisterstreit: Strapazen für elterliche Nerven. Strapaziert die Nerven der Eltern, ist aber bis zu einem gewissen Grad normal.

Strapaziert die Nerven der Eltern, ist aber bis zu einem gewissen Grad normal. (Bild: Imago)

Es gibt Tage, da kann man sich nichts Harmonischeres vorstellen als Geschwisterkinder. Der Spielkamerad wohnt in der gleichen Wohnung und man hat das Gefühl, bessere Freunde könne es gar nicht geben. Aber es gibt auch andere Tage, an denen die elterlichen Nerven durch zwei oder mehr Kinder extrem strapaziert werden. Von früh bis spät wird gestritten. Und der Anlass ist meist nichtig. Zumindest aus Elternsicht.

Eine gewisse Rivalität ist normal

Das Tröstende vorweg: Geschwister, die sich immer einig sind, die gibt es nicht. Und je näher sie vom Alter her zusammen sind, desto schlimmer ist es meist. Vor allem dann, wenn es sich um gleichgeschlechtliche Kinder handelt. Diese Rivalität ist völlig normal und bis zu einem gewissen Grad sollte sie möglichst von den Eltern ignoriert werden. „Wenn man zusammenlebt, dann gibt es Konflikte. Es ist durchaus in Ordnung, diese auch auszutragen und seine Gefühle sprechen zu lassen“, betont Ulrich Gerth, der Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. „Aber es ist auch eine Aufgabe der Eltern und Erziehenden, den Kindern Alternativen beizubringen und ihnen zu helfen, eigene Lösungen zu entwickeln.“

Das jüngere Kind ist nicht immer der Unschuldsengel

Denn es ist es gut für die Kinder, wenn sie lernen, ihre Streitereien selbst wieder in den Griff zu bekommen. Und dafür sollte man sie auch loben. Und außerdem entstehen viele Reibereien einzig aus einem Grund: die Aufmerksamkeit beziehungsweise die Gunst der Eltern auf sich zu ziehen. Aus der Wettbewerbssituation heraus testen Kinder immer wieder ihre Positionen in der Familie aus. Bevorzugt bei Müdigkeit oder Langeweile. Doch Eltern sollten sich davor hüten, dem ersten Impuls nachzugeben und zum Beispiel den (vermeintlich) Schwächeren in Schutz zu nehmen. Die Jüngeren wissen oft ganz genau, wie sie die Älteren provozieren können und reizen das aus. „Manchmal stellt sich auch heraus, dass ein Kind besonders eifersüchtig ist. Hier sollte man zunächst mal in Ruhe überlegen, ob es tatsächlich einen Grund dafür hat, sich benachteiligt zu fühlen“, rät der Diplom-Psychologe.

Manchmal ist Durchgreifen erlaubt

Das Streiten wird schnell langweilig, wenn sich die Eltern nicht darauf einlassen. Solange also kein Kind in Gefahr ist, sollte man versuchen, die Streitereien möglichst zu ignorieren. Auch, wenn es schwerfällt. Das bedeutet aber nicht, dass man tagelangen Dauerstreit auch aushalten muss. „An Tagen, an denen alles drunter und drüber geht, ist es durchaus legitim, im Sinne der "Selbstverteidigung" einzugreifen. Hierbei ist es Ziel Nummer eins, die Streithähne erst einmal räumlich zu trennen und damit für Ruhe zu sorgen“, so Ulrich Gerth. Dabei sollte man möglichst keinerlei Partei ergreifen. Es wird nicht gelingen, in diesem Moment eine gerechte Lösung zu finden. Denn häufig bekommt man den Streit ja erst mit, wenn er fortgeschritten ist. Was bedeutet, dass die ursprüngliche Situation bereits überlagert ist. „Kinder selbst haben sehr subtile Möglichkeiten, mit Konflikten klarzukommen. Und dann ist es auch gut, wenn man sie ihre Erfahrungen machen lässt. Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen man durchaus eingreifen sollte. Das gilt in erster Linie bei Gefahr, aber zum Beispiel auch dann, wenn der Lieblingsteddy geköpft wurde, wenn einer regelmäßig den Kürzeren zieht oder die Kinder – zum wiederholten Male – verbal zu sehr unter die Gürtellinie gehen, sich also gegenseitig herabsetzen.“

Einseitige Vorträge kann man sich sparen

Was man aber grundsätzlich vermeiden sollte, auch dann, wenn es nötig ist, einzugreifen, sind pädagogische Belehrungen aller Art. Das führt höchstens dazu, dass die Kinder auf Durchzug schalten. Vorträge über Konfliktbewältigung sind an dieser Stelle nicht erwünscht und völlig sinnlos. Die Gemüter sind erhitzt und absolut nicht offen für so etwas. „Ich bin ein großer Freund davon, mit Kindern über Probleme zu reden. Aber mit Maß und Ziel und vor allem zum richtigen Zeitpunkt“, so der Erziehungsberater, „Und zwar dann, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, wenn die Aufmerksamkeit wieder da ist. Dann sollte man die Kinder erzählen lassen, was passiert ist. Jeder aus seiner Sicht. Und dann kann man ihnen auch helfen, Lösungen zu finden.“ Während die Gefühle noch am Kochen sind, bringt eine klare Reaktion ohne viele Worte  hier – wie an vielen anderen Stellen in der Erziehung auch – deutlich mehr. Es bietet sich z.B. an, den Streitherd komplett und diskussionslos für einige Zeit zu entfernen. Auch sollte man sich hüten, persönlich zu werden oder zu verallgemeinern. Mit Aussagen wie „Du bist ein böses Kind“ oder „Wie oft soll ich Dir eigentlich noch sagen, dass Du nicht schlagen sollst?!“ ist niemandem geholfen. Im Gegenteil.

Gerechtigkeit bedeutet nicht, alle gleich zu behandeln

Man wird es nicht schaffen, alle seine Kinder gleich zu behandeln. Das macht auch überhaupt keinen Sinn, denn es sind unterschiedliche Menschen mit sich unterscheidenden Charakteren und Bedürfnissen. „Es fällt schwer, vermeintliche Zurücksetzung abwartend auszuhalten. Aber auch das muss ein Kind lernen“, betont Ulrich Gerth. Letztendlich kommt es darauf an, dass die Zeit und die Intensität der Zuwendung unter dem Strich auf das Gleiche herauslaufen. Kommt es sehr häufig zum Streit, dann hilft es oft, regelmäßig mit den einzelnen Kindern Zeit alleine zu verbringen und diese dann auch nur diesem Kind zu widmen. Das gibt ihm das Gefühl, besonders wichtig zu sein und gibt einem als Elternteil auch die Möglichkeit, mal völlig auf die Bedürfnisse und Wünsche dieses einzelnen Kindes einzugehen, ohne durch die anderen abgelenkt zu werden.

Die Eltern als Vorbild

Von einem Streit, der bis zum Ende ausgeführt wird und dann in einer Versöhnung endet, lernen die Kinder einiges: sich durchzusetzen, die eigenen Gefühle auch dann zu zeigen, wenn sie negativ sind und sich voneinander abzugrenzen. Am besten funktioniert das, wenn sie in der Streitkultur der Eltern ein Vorbild finden und auch hier immer wieder Versöhnungen miterleben. Erstaunlich ist es übrigens, zu beobachten, wie problemlos Geschwisterkinder nach einem Streit in den Alltag zurückfinden. Wo unsereins oft noch stundenlang innerlich schmollt, ist bei Kindern schnell alles wieder vergessen. Und man kann kaum glauben, dass man sich nur eine halbe Stunde vorher auf einem Kriegsschauplatz wähnte.

Eine Freundschaft fürs Leben

Die Beziehungen zwischen Geschwistern sind etwas ganz Besonderes und Wertvolles. „Die Geschwisterbeziehung ist in der Regel die längste und dauerhafteste im Leben. Länger als jede Partnerbeziehung und auch dauerhafter als die Eltern-Kind-Beziehung. Das bedeutet, dass man sorgsam damit umgehen sollte. Dabei können Eltern nicht nur als Vorbild fungieren, sondern eben auch als Erziehende. Also als jemand, der interveniert, der zur Rede stellt, unterstützt und hilft, nach Lösungen zu suchen.“

Beratung: Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. ist der Fachverband für Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung und bietet auch online unter www.bke.de Hilfe an. Für Eltern, für Jugendliche, aber auch unterstützend für Fachkräfte.


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