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Integration  

Plan für muslimischen Kindergarten erhitzt Gemüter

05.03.2009, 11:12 Uhr | rev, dpa

Integration: Plan für muslimischen Kindergarten erhitzt Gemüter.

Der Plan für einen muslimischen Kindergarten führt zu heftiger Debatte. (Bild: Imago)

Isolation oder Integration? Die Yavuz Sultan Selim Moschee in Mannheim gehört längst zum Stadtbild. Ganze Straßenzüge mit türkischen Cafés, Bäckereien, Lebensmittelgeschäften oder Boutiquen, in deren Schaufenstern die Puppen Kopftuch tragen, auch. Der Plan, einen muslimischen Kindergarten in der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs zu eröffnen, erhitzt dennoch die Gemüter. Caritas und Junge Union befürchten, die Kluft zwischen Muslimen und Deutschen könnte vertieft werden. Ablehnung auch bei der CDU im Mannheimer Stadtrat: "Wir sind außerordentlich skeptisch", sagt Fraktionschef Carsten Südmersen. Er kündigt ein "Nein" im Stadtrat an - obwohl die Partei "grundsätzlich gesprächsbereit für derartige Projekt" sei. Befürworter sagen das Projekt fördere die Integration und gleiche Defizite muslimischer Kinder bis zur Einschulung aus.

Plurales Angebot

Das Jugendamt der Stadt zeigt sich ein wenig überrascht, über die Aufmerksamkeit, die das Projekt auf sich zieht. Laut Amtsleiter Heinz Hermann Werner sind die Initiatoren und die Kommune schon länger im Gespräch. "Dahinter steht der Gedanke, dass wir ein plurales Angebot schaffen wollen und - wenn möglich - freie Träger für Kindergärten gefunden werden sollen." Im vorliegenden Fall ist der Dachverband Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion an die Kommune mit der Bitte herangetreten, einen muslimischen Kindergarten zu ermöglichen.

"Natürliche Entwicklung"

Baden-Württembergs Integrationsbeauftragter, Justizminister Ulrich Goll (FDP), sieht dies ähnlich. "Wir leben längst in einer Einwanderungsgesellschaft", meint er. Etwa ein Viertel der Einwohner des Landes hätten einen Migrationshintergrund. Neben den beiden christlichen Konfessionen und dem Judentum gehöre der Islam zu den großen Religionen in Deutschland. "Da ist es eine natürliche Entwicklung, dass Muslime auch Kindergärten und Schulen betreiben", so Goll. Voraussetzung sei allerdings ein hohes Maß an Offenheit und Transparenz, betont er.

Migrantenkinder haben Defizite bei der Einschulung

Das verlangt auch die Stadt Mannheim von den Gesprächspartnern. Zu den weiteren Forderungen gehört: Es muss Deutsch gesprochen werden und eine Gleichbehandlung der Geschlechter geben. "Bei den Gesprächen mit den Initiatoren haben wir eine hohe Übereinstimmung bei der Zielsetzung festgestellt", berichtet Jugendamtsleiter Werner. Neben der Integration gehört vor allen Dingen die Sprachförderung der Kinder dazu. "Untersuchungen zeigen immer wieder, dass Migrantenkinder bei der Einschulung Defizite haben", betont er. Wie sinnvoll der Kindergartenbesuch ist, soll laut Werner durch eine wissenschaftliche Studie begleitet werden. Unterstützung gibt es von der SPD und den Grünen im Stadtrat.

Deutsch sprechen ist Bedingung

Auch mit dem Städtetag Baden-Württemberg kann Mannheim rechnen. "Ein muslimischer Kindergarten bietet durchaus Chancen, die Schulreife zu verbessern und die Integration zu fördern", sagt Sprecher Manfred Stehle. Voraussetzung sei ein pädagogisches Konzept mit dem Ziel, die Integration zu fördern und eine Separierung oder Abschottung zu vermeiden. Zentrale Bedingung: "Es muss Deutsch gesprochen und gelehrt werden."

Sprachniveau verbessern

In Mainz kennt man die Diskussionen und Bedenken. Der Verein Arab Nil-Rhein hat sich davon nicht aufhalten lassen. Im Februar 2009 hat er seinen muslimischen Kindergarten zunächst mit acht Kindern eröffnet. "Unser Hauptziel ist es, die Integrationskinder auf ein gutes Sprachniveau zu bringen", so ein Sprecher.

Diskussion kocht hoch

"Wir wollen im Bereich der Wohlfahrt und Gemeinnützigkeit Verantwortung übernehmen", sagte Faruk Sahin von der Mannheimer Moschee. "Wir sind überzeugte Montessori-Pädagogen und als solche haben wir ein Konzept für den Kindergarten ausgearbeitet", schildert der Sprecher. Seit Jahren seien die Pläne der Mannheimer Moschee bekannt - beispielsweise durch Veröffentlichungen im Internet. Dass die Diskussion nun hoch kocht, führt er auch auf die anstehenden Kommunalwahlen zurück. "Eigentlich ist es doch eine ganz normale Entwicklung", meint Sahin mit Blick auf die Bevölkerung in Mannheim. Rund 23 Prozent der etwa 327.000 Einwohner sind Ausländer - knapp ein Drittel von ihnen sind Türken.

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