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TV-Erziehung  

Fernsehen übernimmt Erzieher-Rolle

19.03.2009, 16:47 Uhr | rev; ots, t-online.de

. Taugen Sendungen wie "Super-Nanny" tatsächlich als Erziehungsratgeber?

Taugen Sendungen wie "Super-Nanny" tatsächlich als Erziehungsratgeber? (Bild: RTL)

"Super-Nanny", "Die strengsten Eltern der Welt", "Schluss mit Hotel Mama!", "Teenager außer Kontrolle" - immer mehr Fernsehsendungen widmen sich dem Thema Erziehung. Der oft große Erfolg der Shows deutet auf den bestehenden Bedarf an Beratung und Hilfe in Sachen Erziehung hin. Offenbar können viele sich vorstellen, dieses Bedürfnis mithilfe der Medien zu stillen. Doch taugen die entsprechenden Doku-Soaps tatsächlich als kompetente Ratgeber?

Nichts für Dauer-Duscher

Die neuesten Beispiele aus dem Erziehungs-Fernsehprogramm: In Oudtshoorn, mitten im südafrikanischen Busch, liegt die Straußenfarm und Gäste-Lodge von Familie Urbanski. Dario Urbanski führt hier ein strenges Regiment: Jeden Tag um 5:00 Uhr wecken, Ställe ausmisten, die Tiere versorgen. Dauer-Duscher haben hier nichts verloren, der Wasserverbrauch wird strengstens kontrolliert. Das harte Leben auf einer Farm - nichts für verwöhnte Großstadt-Kids! Jennifer aus Berlin-Lichtenberg stiehlt, schwänzt die Schule, verprügelt ihre kleinen Geschwister. Ihre Mutter Baffie ist mit ihren Erziehungsmethoden längst am Ende, die ganze Familie leidet unter dem Terror der 14-Jährigen. Total verwöhnt und divenhaft ist der 16-jährige Michael aus der Nähe von Mönchengladbach. Er führt sich auf wie die "Prinzessin auf der Erbse" und würde sich niemals für Hausarbeiten seine manikürten Finger schmutzig machen. Seine übertriebene Eitelkeit und Faulheit sorgen ständig für Zoff in der Familie. Beide Teenager freuen sich nun auf das größte Abenteuer ihres Lebens: den lang ersehnten "Urlaub" ohne ihre nervigen Eltern. Doch stattdessen geht es zu den "strengsten Eltern der Welt"! Hier stoßen Jennifer und Michael schnell an ihre Grenzen, denn die Urbanskis lassen sich von aufmüpfigen Teenies nicht auf der Nase rumtanzen!

"Schluss mit Hotel Mama!"

Sophia (57) aus Bergisch-Gladbach kann die Untätigkeit ihrer 24-jährigen Tochter Steffi nicht mehr mit ansehen. Bereits vor acht Jahren hat Steffi die Schule abgeschlossen und sich seitdem nur mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Den Rest ihrer üppigen Freizeit verbringt sie mit Schlafen, Fernsehen, Freunden und Partys. Dafür reicht auch das verdiente Geld dicke, denn: Steffi wohnt ja zu Hause und genießt freie Kost und Logis. In den Augen ihrer Mutter soll Steffi sich endlich eine berufliche Perspektive aufbauen, sich auf die eigenen Füße stellen und ohne Mutters Unterstützung zurechtkommen: "Acht Jahre Nichtstun sind genug!". Steffi muss mit bald 25 Jahren endlich erwachsen werden. Mutter Sophia ist mit ihrem Latein am Ende und hofft, mit Unterstützung eines Life-Coachs Steffi aus ihrer Lethargie holen zu können.

Kritik an TV-Formaten

Jugendgewalt, Faulheit, fehlende Selbstdisziplin, Tatenlosigkeit sind Probleme, mit denen sich viele Eltern auseinandersetzen müssen. Ob es jedoch der richtige Weg ist, sich deshalb an das Fernsehen zu wenden, ist fragwürdig. Verbände wie der "Deutsche Kinderschutzbund", der "Paritätische Wohlfahrtsverband" oder die "Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie" haben deutliche Kritik an den Formaten geäußert.

Der Intimsphäre beraubt

Ein wesentliches Argument gegen Sendungen wie "Super-Nanny": Die Kinder werden vorgeführt. Sie werden genauso wie die ganze Familie Regieanweisungen und letztlich besonders dem Voyeurismus der Fernsehzuschauer ausgesetzt. Diese Zuschauer sind nicht nur ein anonymes Publikum. Auch die Nachbarn, Arbeitskollegen und die Schulkameraden der Kinder könnten zusehen. So verliert die Familie im Fernsehen ihre Funktion als Rückzugsort. Die Intimsphäre wird aufgegeben. Man sieht Kinder toben, brüllen und heulen. Sie werden als "Monster", "Zoff-Kinder", "Satansbraten" oder "kleine Tyrannen" dargestellt und diskriminiert. Man kann sich vorstellen, wie die Kinder in einigen Jahren reagieren werden, sollten sie mit Ausschnitten aus der damaligen Sendung konfrontiert werden. Laut eigener Aussage will RTL mit der "Super Nanny" betroffenen Familien Hilfestellung bieten und Lösungsansätze aufzeigen. Doch Kinder auf diese Weise ihrer Privatsphäre zu berauben und der Öffentlichkeit auszusetzen, zeugt nicht nur von der Verantwortungslosigkeit der Sender - sondern auch der Eltern.

Einseitiger Blick auf das Thema

Die Kritik an den Erziehungs-Sendungen zielt außerdem auf das oft sehr einseitige Erziehungskonzept ab, das in den Shows dargeboten wird. Eine typische Szene aus "Super-Nanny": Die Mutter zu ihrem Sohn: "Bleib jetzt bitte sitzen." Darauf "Super-Nanny" Katja Saalfrank zur Mutter: "Lass das 'Bitte" weg! Klare, kurze Ansagen!" Das sogenannte "stille Zimmer" wird in "Super-Nanny" beinahe als Allheilmittel präsentiert: Kommt das Kind nicht mehr zur Vernunft, wird es ins Kinderzimmer gesteckt und dort festgehalten, bis Ruhe eingekehrt ist. Was an Erziehung gezeigt wird, ist hauptsächlich Dressur und Gehorsam. Darüber hinaus geschieht eher wenig, was beispielsweise im Falle von "Die strengsten Eltern der Welt" schon der Titel vermuten lässt. Die Sendungen beschränken sich auf leicht darzustellende Aspekte.

Mediale Erziehungsberatung muss nicht schlecht sein

"Erziehung ist ein langer, komplexer und wenn er gelingt, sehr schöner Prozess wechselseitigen Verstehens und voneinander Lernens. Eltern wie Kinder gestalten ihn mit ihren Stärken, Kompetenzen und persönlichen Eigenheiten im Kontext des familiären Systems", erklärt Helga Theunert, wissenschaftliche Direktorin des "JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis". Die populären Shows sind demnach weit davon entfernt, die Erziehungsaufgaben von Eltern in ihrer ganzen Vielfalt einzufangen. Das heißt allerdings nicht, dass Medienberatung grundsätzlich unbrauchbar ist. Mediale Erziehungsberatung, die Erziehung in seiner Komplexität begreift, "wird sich von jeder Art von Rezepten fernhalten und stattdessen sensibel Wege zu Selbsthilfe aufzeigen", so Theunert.


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