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Lernprobleme  

Therapiehunde helfen beim Lernen

23.04.2009, 13:11 Uhr | iri, dapd, AFP

Schüler: Therapiehunde helfen beim Lernen. Kinder entspannen sich beim Streicheln der Hunde.

Kinder entspannen sich beim Streicheln der Hunde. (Foto: Archiv)

"Mit 'Molle' macht das Lernen viel mehr Spaß", sagt die 14-jährige Samira. "Molle" ist allerdings weder ein Lehrer noch ein Schüler, sondern ein so genannter Schulhund. Zusammen mit dem kleinen Mischlingshund "Dolittle" begleitet er regelmäßig den Unterricht in der Schulklasse der Lehrerin Jördis Glimm an der Käthe-Kollwitz-Schule für Lern- und Körperbehinderte im nordhessischen Hofgeismar. Die Tiere sind Teil einer "hundegestützten Pädagogik", die die Schüler zu besserem Lernen und mehr Verantwortungsgefühl animieren soll.

Hundegestützte Pädagogik in vielen Schulen

"Ich war erst skeptisch, da ich selbst Angst vor Hunden hatte", sagt Lehrerin Glimm. Doch Erzieher Markus Schmidt, Herrchen und Hundetrainer der Vierbeiner, hat die Lehrerin vor drei Jahren überzeugt. Nachdem der Schulrektor und die Eltern ihren Segen zum Einsatz der Tiere gegeben hatten, konnten die Hunde schließlich am Unterricht teilnehmen. Bundesweit gibt es bereits zahlreiche Schulen, die die hundegestützte Pädagogik eingeführt haben, wie Lydia Agsten, Lehrerin aus Iserlohn und Betreuerin der Internetseite schulhundweb.de erklärt. "Auf unserer Seite haben sich bislang 125 Schulen registriert, die Schulhunde einsetzen - angefangen von Förderschulen bis hin zu Gymnasien."

Hunde nicht zu sehr belasten

Studien hätten gezeigt, dass die tiergestützte Pädagogik im Unterricht den Blutdruck der Kinder senke, Stresssymptome abbaue und entspannend wirke. Allerdings müssen dahinter auch ein paar Regeln stehen. "Einfach ein paar Hundewelpen in die Schule bringen, geht gar nicht", sagt Agsten. Denn gerade junge Hunde wollen überall mitmischen und merken zu spät, wenn sie überfordert sind. Der Lehrer müsse daher immer darauf achten, dass der Hund nicht zu sehr belastet werde.

Klare Regeln für den Schuleinsatz

Die Einhaltung einer freiwilligen Selbstverpflichtung soll zudem auf Dauer gewährleisten, dass das eingesetzte Lehrer-Hund-Team angemessen ausgebildet ist, Hygienebestimmungen eingehalten werden und klare Regeln für den Schuleinsatz bestehen. Zu den typischen Regeln im Unterricht gehört, dass die Kinder die Hunde nicht ärgern oder gar verletzen. In Hofgeismar haben die Schulhunde im Klassenzimmer unter einem Tisch eine Decke als Rückzugsgebiet, die für die Schüler tabu ist. Es gibt aber eine Schmusedecke, auf der ein Kind mit einem Hund mal kuscheln darf.

Hunde haben ein gutes Gespür für Probleme

Vorschriften gibt es auch für die Hunde: So ist die Küche für "Molle" und Co. verboten. Herrchen Schmidt passt auf, dass die Tiere vom Unterricht nicht zu sehr gestresst werden. Das verstehen auch die Schüler und sind deutlich ruhiger im Klassenraum. "Der Hund hat oft ein feines Gespür, wer von den Schülern Sorgen hat", sagt Agsten. Gerade zu solchen Kindern gehe das Tier dann während des Unterrichts und lege sich zu deren Füßen. "Die Schulhunde durchbrechen das übliche Rollenverhalten zwischen Lehrer und Schüler", sagt die Lehrerin. Die Kinder würden offener und seien mit mehr Begeisterung beim Unterricht.

Vorreiter USA: Rund 2000 zertifizierte Therapiehunde-Teams

Die Hündin "Emma" und der 71-jährige Rentner Joe Turner aus Princeton sind eines von mittlerweile rund 2000 zertifizierten Therapiehunde-Teams, die ihre Dienste in Bibliotheken und Schulen der USA, aber auch in Kanada und einigen anderen Ländern anbieten. Das erste Programm dieser Art rief die Organisation Intermountain Therapy Animals (ITA) 1999 unter der Marke READ (Reading Education Assistance Dogs) im US-Bundesstaat Utah ins Leben. Andere kopierten das erfolgreiche Beispiel.

Hunde sind ideale Zuhörer

"Das Tier wirkt extrem beruhigend", erläutert Jugendbibliothekarin Ann Woodrow. "Die Kinder streicheln 'Emma' beim Lesen und entspannen sich völlig." Zudem seien Hunde ideale Zuhörer: "Sie verbessern nichts, lachen nicht über Fehler." "Emma" habe schon Vielen geholfen, berichtet Woodrow - vom russischen Adoptivkind, das mit der fremden Sprache kämpfte, bis hin zu Stotterern oder Kindern, die unter Legasthenie - also Lese- und Rechtschreibschwäche - litten.

Verbesserung der Lesefähigkeit

ITA zufolge werden bei Kindern, die Hunden statt Eltern oder Mitschülern vorlesen, deutlich weniger Stress-Symptome wie etwa hoher Blutdruck gemessen. Zudem zeigten Pilotstudien, dass Grundschüler nach einem READ-Programm ihre Lesefähigkeit verbessert hatten.

Liebe zu Büchern wecken

"Wir wollen aber auch ganz allgemein die Liebe zu Büchern fördern - oder erst wecken, wenn Kinder das zuhause nicht erfahren", sagt ITA-Geschäftsführerin Kathy Klotz. Damit verfolgt die Organisation dasselbe Ziel wie die UNESCO, die mit ihrem "Welttag des Buches" nicht zuletzt junge Leute zum Lesen animieren will.

Therapiehunde-Teams arbeiten in den USA ehrenamtlich

Der Stadtbücherei Princeton ist die Entscheidung für ein Therapiehunde-Programm leichtgefallen: Es kostet sie keinen Cent. Wie fast alle derartigen Teams in den USA sind "Emma" und Joe Turner nach einer entsprechenden Ausbildung ehrenamtlich im Einsatz. Für Turner sind "Emmas" Erfolge bereits Lohn genug - zum Beispiel bei Hannah, die extrem schüchtern war. "Sie hat so leise vorgelesen, dass niemand sie verstehen konnte", sagt ihr Vater, Mark Scheibner. Selbst mit "Emma" brauchte Hannah gut ein Jahr, um ihre Scheu zu überwinden. Heute liest die Neunjährige flüssig und selbstbewusst. Doch sie kommt weiterhin fast jeden Freitag: "Weil ich 'Emma' so gern habe - und weil ich alle Bücher mag", sagt sie.

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