Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

Schwere Erkrankung: Wie sage ich es meinem Kind?

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Schwere Erkrankung  

"Ich habe Krebs": Ungewissheit schlimmer als Wahrheit

03.07.2012, 11:21 Uhr | rev, t-online.de

Schwere Erkrankung: Wie sage ich es meinem Kind?. Schwere Erkrankungen der Eltern können massive psychische Folgen für die Kinder haben. (Quelle: t-online.de)

Schwere Erkrankungen der Eltern können massive psychische Folgen für die Kinder haben. (Quelle: t-online.de)

Wie sage ich es meiner Familie? Und vor allem: Wie erkläre ich es bloß meinen Kindern? Unzählige Menschen, die schwer, vielleicht sogar lebensbedrohlich oder unheilbar erkrankt sind, erleben diese Situation. Allein in Deutschland gibt es jährlich bis zu 200.000 Kinder, von denen ein Elternteil an Krebs erkrankt. Obwohl die Erkrankten selbst große Angst haben und Unterstützung seitens ihrer Familie bedürfen, stehen sie auch noch vor der schwierigen Aufgabe, dem Kind zu helfen, damit es die Situation annimmt und bewältigen kann.

Kinder wollen die Wahrheit wissen

Eines ist sicher: Schweigen ist der falsche Weg, um mit dem Thema umzugehen. Viele Eltern denken, dass es gut sei, so wenig wie möglich mit dem Kind über die Krankheit und die Folgen zu sprechen. So belaste man das Kind nicht zusätzlich. Tatsächlich ist die Ungewissheit für Kinder in solchen Fällen viel belastender als die Wahrheit, erläutert Georg Romer vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf und Leiter der Beratungsstelle "Kinder körperlich kranker Eltern". Ohnehin spüren Kinder sehr genau, wann etwas nicht stimmt und was wirklich Sache ist. Deshalb sollten Eltern schnell und regelmäßig das Gespräch zu den Kindern suchen. Ansonsten fühlen sich die Kinder im Stich gelassen. Sie wollen schließlich die Wahrheit wissen und eine Bestätigung, für das, was sie bereits innerlich fühlen, womöglich aber noch nicht selbst einordnen können.

Folgen können schwerwiegend sein

"Viele psychische Störungen könnten verhindert werden, wenn die Eltern frühzeitig mit ihren Kindern offen über die Erkrankung sprächen", so Romer. Eine schwere Erkrankung erhöht für alle Familienangehörigen die Gefahr psychischer Probleme. Besonders betroffen sind davon allerdings sehr sensible Menschen und Kinder. Kinder, deren Eltern eine schwerwiegende körperliche Erkrankung haben, würden doppelt so häufig psychische Auffälligkeiten zeigen wie andere Kinder, berichtet Dr. Getrude Bagyi von der Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters am AKH Wien. "Interessant ist, dass das familiäre Beziehungsklima in diesem Zusammenhang von größerer Bedeutung ist als die Schwere der Krankheit." Vieles hängt also in einer solchen Lage vom richtigen Umgang mit dem Kind ab. Davon, wie es informiert wird, wie die Situation dem Kind erklärt wird und wie man in der Familie das Thema behandelt.

Genügend Zeit für das Kind nehmen

Wie aber sollte man die schlimme Nachricht dem Kind nahebringen? Es gilt, je klarer und eindeutiger die Situation erklärt wird, umso leichter kann das Kind die Informationen emotional verarbeiten. Die Eltern sollten das Kind in möglichst einfacher Sprache aufklären und dem Kind immer wieder die Chance für Rückfragen geben. Je mehr verschwiegen wird und je mehr das Kind nicht begreift, desto bedrohlichere Formen nehmen die Vorstellungen in der Fantasie des Kindes an. Um das zu verhindern, sind meistens mehrere Gespräche notwendig. Dafür sollten sich die Eltern auf jeden Fall genügend und immer wieder Zeit nehmen.

Offen über Gefühle sprechen

Die Eltern sollten mit dem Kind auch über die Konsequenzen sprechen. Dabei sollten sie sich an die wirklichen Sachverhalte halten. Besteht die Möglichkeit der Heilung, muss das dem Kind realistisch erklärt werden. Werden den erkrankten Elternteilen womöglich Glieder abgenommen (zum Beispiel Brust) oder bestimmte Organe entnommen (zum Beispiel Leber), sollte dem Kind erklärt werden, was sich dadurch für das spätere Leben ändern wird - und zwar auch in solchen Fällen: auf realistische Weise. Und auch im schlimmsten Fall ist Ehrlichkeit gefragt: Auf eine Nachfrage wie "Mama, musst du sterben?" sollte nicht ausgewichen werden und nach einer verschönerten Darstellung der Wahrheit gesucht werden. Genauso sollte dem Kind klar gemacht werden, dass nun eine emotional sehr anstrengende Zeit ansteht. Eltern können über die eigenen Gefühle wie Wut, Angst, Trauer, Zorn offen mit dem Kind sprechen. Dadurch wird dem Kind "erlaubt", selbst auch offen diese Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Wie das Kind letztendlich mit der Situation umgeht, hängt natürlich auch stark vom jeweiligen Alter ab.

Freunde und Verwandte - nicht nur für den Notfall

Es ist zudem wichtig, dass man sich auch Unterstützung außerhalb der Familie sichert. Freunde und Verwandte sollten informiert und eingebunden werden. Bei ihnen können die Kinder ebenfalls Halt und auch Entlastung finden. Genauso sollte auch der Kindergarten beziehungsweise die Lehrer des Kindes benachrichtigt werden, damit diese das Kind mit entsprechender Rücksicht behandeln. Die Kinder müssen auch wissen, an wen sie sich im Notfall wenden können. Woher sie dann warmes Essen bekommen, wo ein Hausschlüssel ist, wo sie wichtige Telefonnummern finden, wer sie unter Umständen zeitweise betreut.


Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Therapie mit langer Nadel nichts für schwache Nerven

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal