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Schulen: Hat das Gymnasium heute ausgedient?

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Gymnasium-Studie  

Risikoschule Gymnasium?

06.05.2009, 09:22 Uhr | mmh, t-online.de

Schulen: Hat das Gymnasium heute ausgedient?. Gymnasien: Hält die Tradition auch heute noch was sie verspricht?

Gymnasien: Hält die Tradition auch heute noch was sie verspricht? (Bild: Imago)

Gymnasien sollen eigentlich die Besten ausbilden, fordern und fördern. Doch dies gelingt nicht, kritisiert "Mr. Pisa", Jürgen Bäumert, Direktor des Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Bremst das Gymnasium sogar die starken Schüler? Die Schulform Gymnasium bekommt schlechte Noten für die Förderung der Lesekompetenz und Mathematik im Vergleich zu den sechsjährigen Grundschulen. Aber wie verlässlich sind die Empfehlungen der Experten, wenn sie identische Daten völlig unterschiedlich interpretieren? Wie politisch sind die Interpretationen? Der Berliner Streit kann sich auch bundesweit auswirken.

Gymnasien reformbedürftig?

Es geht um Lesefähigkeit und mathematische Kenntnisse. Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut hat in seiner noch unveröffentlichten Studie dargestellt, dass hier die Fortschritte in den Klassen fünf und Sechs identisch seien, egal ob Kinder in diesen Stufen ein Gymnasium oder eine sechsjährige Grundschule besuchten. Vor einem Jahr allerdings kam sein Kollege Rainer Lehmann auf Basis der selben Daten zu ganz anderen Schlüssen. Lehmanns Folgerung hieß: Eltern sollen ihre leistungsfähigen Kinder möglichst früh auf ein Gymnasium schicken. Baumerts Erkenntnis in seiner "Reanalyse" heißt, die Fähigkeiten werden im Gymnasium nur minimal erhöht. Ihre Fähigkeiten nicht wirklich entfaltet. Eltern sind verunsichert. Schulleiter werfen Baumert vor, "politisch" motiviert zu handeln, seine Einschätzungen und positive Darstellung der sechsklassigen Grundschulen seien "bildungspolitisch einseitig". Der Oberstudiendirektor eines Berliner Gymnasiums, Ralf Treptow, fühlt sich sogar an "Grabenkämpfe erinnert, die ich aus der DDR noch kenne".

Sechs Jahre Grundschule: Pro und Contra

Dabei untersuchte die Studie nicht die anderen Kompetenzen, in denen sich Gymnasien abheben, beispielsweise den sprachlichen Bereich. Die Diskussion dreht sich darum, ob die sechsstufige Grundschule leistungsstarke Schüler bremst oder fördert. Lehmann stellt der sechsjährigen Form ein schlechtes Zeugnis aus, an Gymnasien würden leistungsstarke Schüler in der fünften und sechsten Klasse mehr lernen, Baumerts "Reanalyse" dagegen stellt der sechsklassigen Grundschule ein gutes Zeugnis aus. Ebenso unterscheiden sich die Absichten der verschiedenen Parteien in verschiedenen Bundesländern zu diesem Thema. Die neue Studien-Interpretation unterstützt die Befürworter eines längeren gemeinsamen Lernens.

Hitzige Diskussion um die Interpretation

Jürgen Bäumert, Direktor des Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) gilt als Experte für Bildungsforschung, sein Wort hat Gewicht. Seine neue Studie wird bald in der "Zeitschrift für Erziehungswissenschaften" erscheinen. Seine Daten beruhen auf einem Vergleich zwischen 1758 Gymnasiasten und 3167 Grundschülern. Der Datensatz wurde auch von Lehmann und seinen Mitarbeitern verwendet. Baumert schloss daraus, dass sich bei vergleichbaren Schülern die Entwicklung der Lesekompetenz und der mathematischen Fähigkeiten an den Grundschulen und den grundständigen Gymnasien überhaupt nicht unterscheiden. Die Entwicklungskurven von Spitzenschülern würden an beiden Schulformen "parallel verlaufen", so zitiert die Süddeutsche Zeitung die Bildungsexperten. Baumerts Interpretation ist ein "Kompliment an die Grundschule", Lehmanns dagegen eine Stärkung der grundständigen Gymnasien, die sechsjährige Grundschule sei "mit Pauken und Trompeten durchgefallen".

Fördern Gymnasien überhaupt?

Der aktuelle Forschungsbereicht weist dagegen daraufhin, dass die Gymnasien von den Vorleistungen der Elternhäuser profitierten, ohne selbst aktiv zu fördern. "Generell ist fraglich, ob die Gymnasien die Förderung der Lesekompetenz als akademische Aufgabe aller Fächer bislang überhaupt entdeckt haben", so zitiert die Süddeutsche aus dem unveröffentlichten Forschungsbericht. Dieses klare Urteil des wichtigsten deutschen Pisa-Experten Jürgen Baumert ist erstaunlich deutlich. Gymnasien wurden bisher auch meist aus der Pisa-Diskussion herausgehalten. Es ist ein hartes Urteil über genau die Schulform, die bis jetzt sogar von den Pisa-Ergebnissen profitiert hat. Gymnasien nutzen ihr Potential nicht: Sie haben die besten Schüler und gut ausgebildete, gut bezahlte Lehrer, doch der Output ist nicht optimal. Sie halten ihr Versprechen nicht, die besten Schüler noch besser zu fördern. "In keinem Leistungsbereich sind Förderwirkungen des grundständigen Gymnasiums nachweisbar", so schreibt "Mister Pisa". Die taz zitiert die Forscher: "Im Vergleich zur Grundschule ist kein differenzieller Fördereffekt des zweijährigen Besuchs eines grundständigen Gymnasium auf die Lesekompetenz nachweisbar."

Woher kommen die Diskrepanzen?

Wie kann solch ein Kontrast in der Auslegung der selben Daten entstehen? Vielleicht ist es eine Berliner Spezialität. Die Schüler der Berliner Gymnasien gelten als hochausgelesene, spezielle Gruppe, die sich nur sehr annähernd mit den gängigen Methoden mit anderen Kindern vergleichen lässt, die sechs Jahre an Grundschulen bleiben. Fachkreise wunderten sich schon bei der Veröffentlichung der ersten Studie über die Ergebnisse, man hatte dem Forscher Lehmann vorgeworfen, er habe sich von seiner Skepsis gegenüber der sechsjährigen Grundschule leiten lassen, seine Ergebnisse seien gar nicht von den Daten gestützt.

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