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"Erwachsen auf Probe": Kinderschützer und Politiker entsetzt über RTL-Show

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Doku-Soap  

Heftige Kritik: RTL verleiht Babys

14.05.2009, 17:06 Uhr | rev, dpa

Kinder im Alter von neun bis 14 Monaten reagieren mit Angst und Abwehr auf fremde Personen. (Bild: Archiv)Kinder im Alter von neun bis 14 Monaten reagieren mit Angst und Abwehr auf fremde Personen. (Bild: Archiv)Die Forderungen nach einer Absetzung der geplanten RTL-Reihe "Erwachsen auf Probe" werden immer lauter. "Wir fordern RTL dringend auf, die Serie nicht auszustrahlen und keine weiteren, die Entwicklung der Kinder gefährdenden, gleich gearteten Sendungen mehr zu produzieren", erklärte die Kinderkommission des Deutschen Bundestags, die aus fünf weiblichen Abgeordneten verschiedener Parteien besteht. Eine RTL-Sprecherin wies die Forderung nach Absetzung mit den Worten zurück: "Wir werden die Reihe wie geplant ausstrahlen."

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Eltern verleihen ihren Nachwuchs

In der bereits aufgezeichneten siebenteiligen Reihe, die am 3. Juni 2009 startet, geben Eltern in den ersten vier Folgen ihre bis zu ein Jahr alten Babys oder Kleinkinder für bis zu vier Tagen aus der Hand, um sie jüngeren Paaren zu überlassen, die das Elternsein schon einmal proben wollen. Der Sender betonte, dass die Eltern jederzeit über ein Kameraüberwachungssystem ihren Nachwuchs beobachten und auch zurücknehmen konnten. Krankenschwestern, Ärzte und Psychologen hätten außerdem bereitgestanden.

"Neue Form der Prostitution"

Den Kritikern reichen diese Maßnahmen nicht. RTL instrumentalisiere in diesem Sendeformat Kinder in unverantwortlicher Weise, hieß es von der Kinderkommission. "Die Produzenten dieser Sendung setzen insbesondere kleine Kinder bewusst existenziellen Ängsten aus und nehmen die seelische Gefährdung der Kinder billigend in Kauf. Das Kindeswohl ist selbst durch psychologische Betreuung im Umfeld nicht gesichert." Auch der Hebammenverband protestierte gegen die Sendung, verlangte ihr Verbot und sprach von einer "neuen Form der Prostitution", da Säuglinge im grellen Licht der Öffentlichkeit ausgesetzt würden.

Eignungstest für Teenager

"Es ist unbestritten, dass in Deutschland die Zahl der Teenager-Mütter und der Schwangerschaften bei minderjährigen Mädchen kontinuierlich zunimmt und dass viele Jugendliche leider nicht 'reif' für eine Familiengründung sind", sagte RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger zur Kritik. "Auch wegen dieser großen sozialen Relevanz machen wir das Projekt und sehen es als eine soziale Reifeprüfung für Jugendliche." Die Sendung sei ein Eignungstest für Jugendliche mit Kinderwunsch, bei dem sie Familienkompetenz erlernten und Verantwortung für sich, den Partner und Kinder übernähmen.

Pseudo-Experimente für Kinder

Auch die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in Deutschland kritisierte die Reihe: "Wir Kinderpsychotherapeuten halten solche öffentlichen Pseudo-Experimente mit Babys für äußerst bedenklich und fordern, dass RTL die Reihe zurückzieht", sagte der Bundesvorsitzende Peter Lehndorfer. Die unabhängige Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen hat dagegen laut Sänger dem aus England stammenden Format, das dort erfolgreich in der dritten Staffel laufe, eine "positive pädagogische Absicht" attestiert. Der Sender stelle sich einer inhaltlichen, nicht einer populistischen Diskussion.

Proteste von allen Seiten

Bereits am Dienstag, den 12. Mai, hatte die Bundespsychotherapeutenkammer härtere Mediengesetze gefordert. Vergangene Woche hatte schon der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) die Absetzung der Reihe verlangt. Die Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten forderte vor kurzem eine generelle Selbstverpflichtungserklärung der Sender, um ethisch- moralische Regeln bei sogenannten Doku-Soaps und auch Casting-Shows zum Schutz der Menschenwürde einzuhalten. Und auch Schleswig-Holsteins Jugendministerin Gitta Trauernicht (SPD) will die Ausstrahlung der Serie verhindern. "Ich werde alle denkbaren Aktivitäten ergreifen, um dies zu unterbinden", erklärte die Ministerin. Sie habe dazu die Kommission für den Jugendmedienschutz eingeschaltet. Zudem werde ihr Ministerium Gesetzesänderungen anstoßen, um derartige Vorhaben künftig zu verhindern.

"Gewalttätig und missbräuchlich"

Ähnliche Reaktionen unter Experten und Politikern löste zuletzt "Boys and Girls alone", die englische Kindervariante von "Big Brother", aus. In dieser Show wurden zwanzig Kinder zwischen elf und 20 Jahren in ein Haus gesteckt und der Öffentlichkeit ausgesetzt. Schnell kam heftige Kritik auf: Kinder würden hier für kommerzielle Nutzung und zu Unterhaltungszwecken missbraucht. Camila Batmanghelidjh, von der "Charity Kids Company" erklärte damals: "Jede Situation, die eine Gruppe von Kindern ohne die Anwesenheit eines vermittelnden Erwachsenen lassen, ist gewalttätig und missbräuchlich." Eine Aussage, die sich auch leicht auf das neue RTL-Format übertragen ließ.

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