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Generationen-Konflikt  

Kinder haben mehr Konflikte mit Müttern

08.05.2009, 13:49 Uhr | mmh, sca, pressetext, dapd

Kinder haben mehr Konflikte mit Müttern. Konflikte austragen und Selbstständigkeit: So funktioniert die Beziehung zwischen erwachsenen Kindern und Eltern.

Konflikte austragen und Selbstständigkeit: So funktioniert die Beziehung zwischen erwachsenen Kindern und Eltern. (Bild: Imago)

Die Spannungen zwischen Eltern und ihrem erwachsenen Nachwuchs nehmen mit steigendem Alter zu. Besonders konfliktträchtig schätzten Kinder einer Studie zufolge das Verhältnis zu ihren Müttern ein, das Verhältnis zum Vater wurde also besser bewertet als das zur Mutter. Angefacht werden die Probleme durch mangelndes gegenseitiges Verständnis und unterschiedliche Lebensstile.

Spannungen und Ärger

"Das Eltern-Kind-Verhältnis zählt zu den dauerhaftesten sozialen Bindungen, die Menschen eingehen", sagt die Psychologin Kira Birditt von der Universität von Michigan in Ann Arbor. "Die Verbindung ist oft sehr positiv und unterstützend, enthält aber gewöhnlich auch Gefühle von Irritation und Spannung." Mehr als die Hälfte aller Eltern erleben in der Beziehung mit ihren erwachsenen Kindern immer wieder Ärger. Das ergab eine Studie der University of Michigan, die in der Fachzeitschrift Psychology and Aging veröffentlicht wurde. Die Psychologen befragten 500 Eltern und auch ihre erwachsenen Kinder, die maximal 80 Kilometer voneinander entfernt lebten, über Themen wie persönliche Konflikte, Geldstreitigkeiten, Kontakthäufigkeit, Lebensstil und Haushaltsführung.

Eltern leiden mehr unter Konflikten

Die Eltern stuften das Verhältnis meist negativer ein als ihre Nachkommen, wobei Lebensweise und Verhalten der Sprösslinge die Hauptstreitpunkte bildeten. Birditt erklärt dies damit, dass Väter und Mütter mehr in die Beziehung investiert haben und sich stärker um die Entwicklung ihres Nachwuchses sorgen.

Spannungen verstärken sich

Auffällig war zudem, dass Eltern die Beziehung zu den Töchtern im Durchschnitt schlechter einstuften als die zu den Söhnen, was Birditt darauf zurückführt, dass Frauen generell ein engeres Verhältnis zu ihren Eltern haben als Männer. Unabhängig vom Geschlecht stufte der Nachwuchs die Beziehung zur Mutter schlechter ein als die zum Vater. Zur Überraschung der Forscherin verschlimmerten sich die Probleme mit zunehmendem Alter. Möglicherweise erwarten betagte Eltern von ihren Nachkommen mehr Zuwendung, während Söhne und Töchter ihren eigenen Verpflichtungen in Beruf und Familie nachkommen müssen.

Problem: Unterschiedliche Lebenseinstellungen

Die größten Probleme entstanden, wenn entweder die Lebenseinstellungen beider Generationen unvereinbar waren oder wenn die Eltern sich ungefragt in Angelegenheiten des Nachwuchses einmischten. "Die gute Nachricht ist, dass sowohl Eltern als auch Kinder meist mit den Problemen konstruktiv umgingen und versuchten, die Wünsche des anderen zu berücksichtigen und die Sichtweise des anderen zu verstehen", betont Birdell. Aber je größer die Spannungen sind, desto schwerer fällt der konstruktive Umgang damit. Vom Totschweigen von Konflikten rät die Forscherin, deren Studie demnächst im Fachblatt "Psychology and Aging" erscheint, dringend ab: "Vermeiden klappt nicht als Strategie für den Umgang mit Konflikten", so Birditt. "Es scheint die Dinge schlimmer zu machen."

So funktioniert die Beziehung

"Konflikte sind zwischen zwei verschiedenen Generationen oft vorprogrammiert, da Dinge unterschiedlich gesehen werden. Die Beziehung muss daher nicht konfliktfrei, sondern konfliktfähig werden", betont auch die Psychologin Velazquez. Konflikte seien dann konstruktiver Teil der Beziehung, wenn sie deren Fortdauer nicht in Frage stellt und wenn die Beteiligten ihren Selbstwert nicht von der Reaktion des anderen abhängen lassen. "Das Ideal einer Beziehung von Eltern zu ihren erwachsenen Kindern ist eine herzliche Wertschätzung trotz Konflikten", so Velazquez. Gehe das erwachsene Kind Konflikten stets aus dem Weg und entferne sich in Selbstständigkeit, sei dies ebenso belastend wie die Aufrechterhaltung des Kontakts nur aufgrund schlechten Gewissens, Schuld- und Pflichtgefühle oder aufgrund der Aussicht auf Erbe. "Solidarität, Menschlichkeit, Dankbarkeit und natürlich Liebe sind die besten Motive für die Aufrechterhaltung dieser Beziehung", schließt die Wiener Psychologin.

Abhängigkeit verschlechtert Beziehung

"Je abhängiger erwachsene Kinder und Eltern voneinander sind und je weniger sie gelernt haben, mit Konflikten umzugehen, desto weniger befriedigend ist diese Beziehung", betont die Psychologin Sandra Velazquez im pressetext-Interview. Die Vorbereitung für die Unabhängigkeit der Kinder im Erwachsenenalter beginne schon früh. "Mit 16 Jahren ist im Vorfeld schon vieles gelaufen. Damit ein Kind selbstständig sein kann, braucht es von Beginn an die Chance, eigene und unterschiedliche Erfahrungen zu machen", so Velazquez.

Selbstständigkeit bei Kindern fördern

Selbstständigkeit können Eltern ihren Kindern vor allem dann ermöglichen, wenn sie Grenzen setzen und auch negative Erfahrungen zulassen, betont die Wiener Psychologin. "Viele Eltern erlauben ihrem Kind nicht, manchmal Langeweile, Warten oder kleine Frustrationen zu empfinden oder sie ermutigen es nicht, bestimmte Tätigkeiten ohne erwachsene Hilfe durchzuführen. Je älter Kinder werden, desto wichtiger ist es jedoch, dass sie Konsequenzen ihres Handelns selbst tragen und auch mit negativen Erlebnissen selbst fertig werden." Diese Erfahrungen führen nicht zum Verlust der Liebe des Kindes, sondern machen es handlungsfähig und erleichtern ihm die Gestaltung des eigenen Lebensprojektes, so Velazquez. Respekt und Wertschätzung dürften in der Eltern-Kind-Beziehung nicht angetastet werden, doch hätten sich diese Haltungen stets an der Wirklichkeit zu orientieren.

Eltern fühlen sich einsam und ausgebeutet

Das "Stehen auf den eigenen Füßen" betrifft jedoch nicht nur die Kinder. Nach dem Auszug aus dem Elternhaus sehnen sich viele Eltern nach dem Kind, in das sie viel Lebensenergie investiert haben, fühlen sich einsam und oft auch ausgebeutet. "Eltern müssen akzeptieren, dass das Kind eines Tages sein eigenes Leben führt. Dabei kann es hilfreich sein, auf die eigene Selbsterfüllung zu achten und die Partnerbeziehung stärker zu pflegen." Die oft propagierte Sichtweise, die Kinder als Lebenserfüllung und Glück der Eltern zu sehen, sieht Velazquez als äußerst problematisch, da sie nur Enttäuschung und Frustrationen auslöse. Besonders Mütter würden unter dieser Situation leiden. "Angefangen von wirtschaftlichen Nachteilen, haben Frauen in der Regel weniger Handlungsspielraum als Männer und sind auch emotionell bedürftiger. Besonders im reifen Alter sind sie auf Erfüllung im eigenen Leben angewiesen, um nicht von den Kindern emotional abhängig zu sein", so Velazquez.

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