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Großeltern: Erziehung der Enkel ist nicht immer willkommen

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Großeltern  

Wenn Oma und Opa miterziehen

20.05.2009, 11:49 Uhr | mmh; rev: sca, ddp

Großeltern: Erziehung der Enkel ist nicht immer willkommen. Oma mit Enkelin.

Enkelerziehung: Erfahrung mit Konfliktpotenzial. (Bild: Imago)

Viele Senioren erinnern sich noch gut an die Erziehung ihrer eigenen Kinder. Sie haben viel Erfahrung im Umgang mit aufgeschürften Knien, Schulproblemen und mangelnden Tischmanieren. Wenn die Kinder dann eigene Familien gründen, sind pädagogische Tipps von Oma und Opa trotzdem nicht immer gefragt.

Bevormundung oder gute Analyse?

"Junge Eltern fühlen sich schnell bevormundet und in ihre Kindrolle zurückversetzt, wenn sie von ihren eigenen Eltern kritisiert werden", erklärt Professor Matthias Kliegel vom Institut für Entwicklungspsychologie an der Technischen Universität Dresden die Problematik. Da Omas und Opas in der Regel aber an der jungen Familie sehr nah dran seien, könnten sie Konflikte aus ihrer Position durchaus gut beurteilen. "Wenn Großeltern also den Eindruck haben, in der Erziehung ihrer Enkel laufe etwas grundlegend schief, haben sie natürlich das Recht und auch die Verpflichtung, ihre Meinung dazu zu sagen", sagt Kliegel. Es sei allerdings sehr problematisch, wenn Großeltern und Eltern sich vor den Enkeln um Erziehungsmethoden stritten. "Das Kind kann nicht einschätzen, was um es herum geschieht", sagt Kliegel. Besser sei es, ein ernsthaftes Gespräch unter Erwachsenen zu führen. Dabei sollte man darauf achten, nicht in ein Eltern-Kind-Schema zurückzufallen, sondern den Dialog auf gleicher Augenhöhe zu führen. Eltern sollten dabei versuchen, nicht jede gutgemeinte Kritik von vornherein abzuweisen, sondern zunächst offen sein für Vorschläge der Großeltern.

Eltern sind zuständig

Grundsätzlich hätten die Eltern bei der Erziehung ihrer eigenen Kinder das Sagen, stellt Kliegel klar. Eltern stellen die Regeln auf, nicht die Großeltern. Wichtig sei, dass Großeltern die Eltern als die Hauptverantwortlichen in der Erziehung der Enkel anerkennen. "Regeln, die die Eltern aufstellen, dürfen nicht bewusst unterlaufen werden", rät Diplom-Psychologe Ralf Martin, Leiter der Jugend- und Familienberatung der Arbeiterwohlfahrt Berlin. Eltern sollten auch von sich aus den Großeltern ihre Regeln erklären und sich nicht im Stillen ärgern, wenn diese etwas anders machen. Verteilt die Oma ständig Süßigkeiten ist es hilfreicher, deutlich zu erklären, dass die Kinder nur einmal am Tag oder auch gar keine Süßigkeiten essen sollte. Ärgern sich Eltern häufig im Stillen, führt das oft zu dauerhaften Spannungen. Großeltern müssten den Erziehungsstil der Eltern akzeptieren, auch wenn er ihnen manchmal nicht passe. "Solange keine Gefahr für das Wohl der Enkelkinder besteht, sollten Senioren sich mit ihrer Kritik an den jungen Müttern und Vätern besser zurückhalten", rät Kliegel. "Sonst kann es im schlimmsten Fall zu einem Zerwürfnis kommen, und dann sieht man seine Enkelkinder gar nicht mehr." So müsse zwar nicht jede Kleinigkeit abgesprochen werden. Aber auch für die Großeltern kann "es hilfreich sein, sich über die Regeln der Eltern zu informieren, damit in grundsätzlichen Fragen Klarheit herrscht."

Am Ende leiden Kinder unter Regelverstößen

Wer die Regeln kennt und seinem Enkelkind dennoch Ausnahmen gewährt, kann Ärger bekommen. "Zuerst macht man dem Kind zwar eine große Freude, indem man ihm zum Beispiel die eigentlich verbotenen Süßigkeiten gibt", sagt Hans Dusolt, Leiter der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder, Jugendliche und Familien in München. Doch mittel- und langfristig werde das Kind unter diesen Regelverstößen leiden, weil sie zu Konflikten zwischen Eltern und Großeltern führen, in deren Mittelpunkt die Kinder stehen. "Hinzu kommt, dass Kinder Klarheit und Grenzen brauchen, das gibt ihnen eine gewisse Sicherheit", erklärt Dusolt. Wenn die Regeln der Eltern jedoch gebrochen werden, wissen die Kinder nicht mehr, an was oder wem sie sich orientieren sollen. Sie fragen sich: "Woran soll ich mich halten, wenn offenbar selbst Mama und Papa Blödsinn reden?"

Eigenen Stil respektieren

Eltern sollten aber auch nicht zu streng mit den Großeltern sein, und durchaus mal Ausnahmen zulassen, wenn die Kinder zum Beispiel bei den Großeltern zu Besuch ist. Wichtig ist nur, dass diese abgesprochen sind. Und auch Großeltern müssten nicht alles mitmachen. Streitpunkte sind dabei oft die Themen Fernsehen, Süßigkeiten und gesundes Essen. Wenn die Enkel bei ihnen zu Besuch sind, sei es beispielsweise durchaus legitim, wenn sie nicht jede Erziehungspraktik der Eltern umsetzten: "Allerdings sollten Großeltern dabei darauf achten, dass sie die Wertvorstellungen ihrer Kinder nicht gänzlich unterlaufen.", so Kliegel. "So kann man vielleicht Ausnahmeregelungen aushandeln wie 'Bei Euch darf das Kind gar kein Fernsehen schauen, bei uns maximal eine halbe Stunde'", rät Dusolt. Diese Regeln müssten von beiden Seiten akzeptiert werden. "Dann hat das Kind auch kein Problem damit - es muss aber klar sein, dass die unterschiedlichen Regeln an unterschiedlichen Orten gelten."

Großeltern haben ein Recht auf Umgang mit dem Enkel

Schwierig wird es, wenn sich die Eltern trennen oder scheiden lassen. "Dabei sollten die Großeltern nicht Partei ergreifen, sondern beiden Seiten hilfreich zur Seite stehen und vor allem für das Kind da sein", rät Martin. "Wer bei Streitigkeiten der Eltern nur seine Tochter oder seinen Sohn unterstützt, kann bei einer Trennung den Kontakt zu seinem Enkelkind ganz verlieren." Lassen sich familiäre Zerwürfnisse trotzdem nicht abwenden, müssen Großeltern nicht auf ihr Enkelkind verzichten. "Großeltern haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind, so lange es dem Wohl des Kindes nicht schadet", erklärt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht aus Berlin. Dieses Recht könnten sie vor Gericht einfordern. "Die Gerichte entscheiden dann individuell, wie oft und wie lange die Großeltern ihr Enkelkind sehen dürfen."

Oma und Opa sind keine "billigen Babysitter"

Großeltern müssen aufpassen, dass sie in der Fürsorge für ihre Enkelkinder nicht ausgenutzt werden. "Zum einen sollten sie sich nicht als billige Babysitter hergeben, die wie selbstverständlich immer einsetzbar sind", rät Martin. Außerdem bemerkten viele Omas und Opas nicht, dass auch die Enkel sie häufig ausnutzen. "Großeltern überhäufen die Kinder oft mit materiellen Geschenken wie Geld. Sie sehen dabei aber nicht, dass einige Enkel vor allem wegen dieser Geschenke kommen - und nicht wegen ihrer großen Zuneigung zu den Großeltern."

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