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Sicherheitsrisiko für Kleinkinder im Flugzeug

07.07.2009, 13:37 Uhr | rev, mmh, t-online.de, dpa

. Wie gefährlich sind Schlaufengurte im Flugzeug für Kleinkinder? (Bild: Archiv)

Wie gefährlich sind Schlaufengurte im Flugzeug für Kleinkinder? (Bild: Archiv)

Seit 2008 müssen Kleinkinder bis zum Alter von zwei Jahren im Flugzeug auf dem Schoß eines Erwachsenen angeschnallt sein. Dafür gibt es an Bord sogenannte Schlaufengurte, offiziell Loop-Belts genannt. Doch Experten sind sich einig: Bei Notlandungen können die Gurte für das Kind lebensgefährlich sein. Einziger Ausweg sind aus Sicht von Wissenschaftlern Kindersitze. Aktuelle Studien bestätigen das, Prototypen gibt es - aber neue Vorschriften lassen auf sich warten.

Fluggesellschaften müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein

"Aspekte der Sicherheit, die im Auto selbstverständlich erscheinen, lösen sich im Flugzeug offenbar in Luft auf", beklagt Nicola Quade von der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" in Bonn. Sie fordert, dass jedes Kind einen eigenen Sitzplatz mit einem passenden, sicheren Rückhaltesystem erhält. "Die Airlines sollten sich ihrer Verantwortung für den Schutz und die Sicherheit ihrer kleinen Passagiere stellen", mahnt die Arbeitsgemeinschaft. Eltern, die sonst ihre Kinder auf dem Fahrrad mit Helm und im Auto mit speziellen Sitzen sichern, haben im Flugzeug keine Chance, diese LInie auch dort zu verfolgen.

Neue Technik bleibt ungenutzt

Inzwischen hat die Lufthansa-Technik für Kinder bis zu zwei Jahren einen Mechanismus entwickelt, bei dem die Kleinen in einem rückwärts gerichteten Sitz mit einem Fünf-Punkt-System gesichert werden. Der Sitz ist in die Rückenlehne des Flugzeugsitzes integriert. Für Kinder von zwei bis zwölf Jahre können die Erwachsenensitze ergonomisch auf ihre Besonderheiten angepasst werden. "Wird ein solcher Sitz nicht von Kindern benutzt, kann er ganz normal als Erwachsenensitz dienen", erläutert Harald Merensky von der Lufthansa. Die Kinderschützer kritisieren allerdings, dass dieses System bislang in der Praxis nicht genutzt wird. Unterstützt wird diese Position von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA in Köln: "Untersuchungen zeigen, dass ein mit erwachsenen Passagieren vergleichbares Sicherheitsniveau für Kinder nur mit Kindersitzen erreicht werden kann", sagt deren Sprecher Daniel Höltgen.

Prototypen ohne Zulassung

Dabei gibt es verschiedene Prototypen: „Die Welt“ beschreibt einen Sitzplatz, dessen vordere Hälfte der Rücklehne per Knopfdruck nach vorne auf die Sitzfläche klappt. So wird aus einem normalen Sitz für einen erwachsenen Fluggast eine bequeme Liege für Babys, mit Anschnallgurten und Sichtschutz gegen helles Kabinenlicht. Derartige Prototypen stehen allerdings bisher nur im Innovationszentrum der Lufthansa, nicht in den Passagierflugzeugen. Das gleiche trifft auf eine andere Variante zu: Eine Stuhlreihe, bei der sich die Sitzflächen verkleinern und Fußrasten hochstellen lassen, dieser Sitz lässt sich genau auf die jeweiligen Körpermaße von Kindenr bis zu zehn Jahren einstellen. Diese Sitze wären efst eingebaut und müssten nicht jeweils vor und nach dem Flug umgebaut werden, beziehungsweise vond en Eltern extra mitgenommen werden - zusätzlich zum umfangreichen Reisegepäck. Bei der Entwicklung dieser Sicherheitssysteme arbeitet die Lufthansa Technik mit den Sitzherstellern Ricaro und Sicma zusammen. Bisher jedoch haben sie jedoch noch keine luftfahrtrechtliche Zulassung. Dabei könnten die Stückzahlen durchaus interessant sein.

So viele Kinder fliegen mit

Nach Angaben der Redaktion "airline-bewertungen.de" fliegen allein an Bord der Lufthansa-Flotte jährlich rund 1,2 Millionen Babys und Kleinkinder mit. Bei Air Berlin sind es sogar rund 1.3 Millionen Kinder unter zwei Jahren, da von ihr so viele Ferienziele angeflogen werden. TUIfly nennt einen Baby-Anteil von sechs bis acht Prozent, bezogen auf rund zehn Millionen Fluggäste im Jahr 2008. Ähnliche Zahlen verzeichnen auch Air France, KLM und Iberia.

Kinder brauchen einen eigenen Sitzplatz

Kinder sollten im Flugzeug mit einem kindgerechten Rückhaltesystem gesichert werden, rät Martina Abel von der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder in Bonn. Die deutschen Fluggesellschaften verweisen auf die gültigen EU-Vorschriften. Danach bekommen die Kinder entweder Schlaufengurte, oder sie sitzen in einem zugelassenen Kindersitz, den die Eltern mit an Bord bringen müssen. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin zum Beispiel bietet seit 2005 diese Möglichkeit an. "Um den Eltern Hilfestellung für die Verwendung ihrer Kindersitze im Flugzeug zu geben, stehen wir derzeit in Kontakt mit Kindersitzherstellern und erarbeiten eine Positivliste von Kinderrückhaltesystemen, die für die Nutzung im Flugzeug geeignet sind", sagt Sprecherin Nadine Bernhardt. Gängige Praxis ist eine eigentlich nur geduldete Möglichkeit, nämlich die, Kinder mit einem selbst mitgebrachten Kindersitz zu sichern, teilt die Lufthansa mit. Allerdings haben nicht alle Sitze eine Flugzeugzulassung der US-Luftfahrtbehörde FAA, die ist an dem TÜV-Aufkleber "for use in aircraft" zu erkennen. Nicht alle Sitze lassen sich mit den üblichen Zwei-Punkt-Beckengurt-Systemen installieren. Sitze müssen selbst mitgebracht und zwei Tage vorher angemeldet werden, sie zählen nicht zum Reisegepäck. Wird kein Sitz mitgebracht, ist die Fluglinie verpflichtet, die Kinder mit einem Schlaufengurt auf dem Schoß eines Erwachsenen anzuschnallen. Genau dies sollte aber den Experten zufolge vermieden werden. Crashtests ergaben nämlich, dass dieser Gurt Kinder nicht schützt, sondern ihnen im Ernstfall sogar schaden kann. Deshalb wurde der Schlaufengurt 1994 nach umfangreichen TÜV-Tests als untauglich verboten, 2008 aber nach einer Vereinheitlichung der Vorschriften und mangels Alternativen wieder eingeführt.

Auch eine Frage des Geldes

Für viele Eltern ist das Ganze aber auch eine Kostenfrage: Während für Kleinkinder auf dem Schoß von Erwachsenen meist nur eine geringe Gebühr erhoben wird, ist der eigene Platz für sie teurer. So wird bei Air Berlin der Preis für Kinder von zwei bis zwölf Jahren berechnet - zwei Drittel des Erwachsenenpreises. Bei Condor gilt für Kleinkinder mit eigenem Sitzplatz die gleiche Ermäßigung wie für Kinder von zwei bis elf: Sie erhalten in Begleitung eines voll zahlenden Passagiers 25 Prozent Ermäßigung auf den Flugpreis. Wer bei Tuifly einen zugelassenen Kindersitz mit an Bord nimmt, erhält laut Firmensprecher Herbert Euler für den zusätzlichen Sitzplatz 50 Prozent Ermäßigung auf den tagesaktuellen Nettotarif. Alle Gesellschaften empfehlen den Eltern, sich rechtzeitig bei der Buchung nach Details zu erkundigen.

Diskussion um Schlaufengurte

Auch der Bundesverband Deutscher Fluggesellschaften (BDF) sieht Kindersitze als derzeit sicherste Lösung an, hält aber die Bedenken gegenüber den Schlaufengurten für übertrieben: "Die Crashtests, die seinerzeit veröffentlicht wurden, entsprechen nicht der wirklichen Flugsituation", urteilt BDF-Sprecherin Sabine Teller in Berlin. "Auf jeden Fall ist der Gurt bei Turbulenzen sicherer, als wenn eine Mutter das Kind auf dem Schoß nur festhält." Für den TÜV Rheinland, der 2008 mit Dummy-Crashtests für Aufsehen sorgte, hat sich nach den Worten seines Experten Martin Sperber an den Erkenntnissen über die Schlaufengurte nichts geändert: "Das Kind wird genau in der Knautschzone des Erwachsenen angeschnallt - im Notfall kann das tödliche Folgen haben." Bei Turbulenzen kann es sein, dass ein Erwachsener wie ein Taschenmesser zusammenklappt und das Kind auf dem Schoß quetscht. Offen ist, ob die Fluggesellschaften eines Tages fest installierte Kindersitze nach dem System der Lufthansa-Entwicklung verwenden werden. "Die wirtschaftliche Analyse zeigt, dass sich die Kosten für eine Einführung von Kindersitzen insgesamt in Grenzen halten", sagt EASA-Sprecher Höltgen.

Alternative Sitzmöglichkeit

Öko-Test beschreibt eine ganz andere Sitzmöglichkeit, für angesagte Turbulenzen, die sicher zudem noch kostenlos ist: In Sitzreihen vor Trennwänden setzt der Erwachsene das Kind vor sich auf den Boden, drückt dessen Schultern fest an die Trennwand, setzt die Füße rechts und links neben das Kind, damit es nicht wegrutschen kann.


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