Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

Kinderlärm und genervte Nachbarn

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Nachbarschaft  

Sommer, Sonne, Nachbarstreit

02.07.2010, 11:37 Uhr | mmh, t-online.de, dpa

Kinderlärm und genervte Nachbarn. Mädchen spritzt mit Gartenschlauch.

Spielende Kinder im Garten führen schnell zum Nachbarstreit. (Bild: Imago)

Spielende Kinder im Garten führen schnell zum Nachbarstreit. Der Grill qualmt, der alte Herr nebenan raucht auf dem Balkon und die Kinder von gegenüber toben im Planschbecken: Im Sommer steigen die Anlässe für Nachbarschaftsstreit sprunghaft an. Besonders kinderlose Nachbarn und Familien geraten oft aneinander. Was für den einen Lärm ist, ist für den anderen Zukunftsmusik. "Die Rechtslage kennen" und "Auf dem Teppich bleiben" lauten zwei wichtige Tipps für alle, die das nachbarschaftliche Miteinander nicht zum Dauer-Clinch ausarten lassen wollen. Problem: Die Rechtslage ist nicht immer eindeutig, aber im Vordergrund steht der gegenseitige Schutz aller in der Gemeinschaft.

Sommer bringt die Nachbarn zusammen

Vor allem Grillen, Rauchen auf dem Balkon und Lärm sorgen in der warmen Jahreszeit für Unfrieden in der Nachbarschaft, lautet die Erfahrung von Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Das liegt auch daran, dass das Gesetz nicht genau regelt, was denn nun erlaubt ist und was nicht. Grundsätzlich dürfe jeder seinen Garten zwar "zweckentsprechend" nutzen, wie er wolle, sagt der Rechtsanwalt Thomas Hannemann aus Karlsruhe. Das gelte aber nur, so lange dabei niemand allzu sehr beeinträchtigt wird: "Ich darf andere nicht unzumutbar stören", erläutert Hannemann, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht im Deutschen Anwaltverein ist. Wo aber diese Grenze verläuft, ist nirgends geklärt. Zwar wollten Ratgeber diesen Eindruck immer wieder erwecken, indem sie zum Beispiel Gerichtsurteile nennen, denen zufolge Grillen fünfmal pro Jahr erlaubt sei. Dabei handelt es sich aber nur um Kompromisse, mit denen Richter bestimmte einzelne Streitfälle lösen wollten. Verallgemeinerungen verbieten sich allerdings. Das macht die Sache nicht leichter.

Darf der Grill qualmen?

Gehört zu einem Haus ein Garten, dürfen die Bewohner dort grillen und feiern - zumindest, solange Rauch und Qualm nicht in Nachbarwohnungen ziehen. In einem Mehrfamilienhaus mit Miet- oder Eigentumswohnungen kann Grillen pauschal nur durch eine Hausordnung oder einen Beschluss der Wohnungseigentümer-Gemeinschaft untersagt sein, erläutert Ropertz. Finden sich dort keine Hinweise, steht dem Freizeitvergnügen erst einmal nichts im Wege. Das Landgericht München hat etwa entschieden, dass Grillen in den Sommermonaten "üblich" ist (Az.: 15 S 22735/03). Das schließt entsprechende Aktivitäten auf dem Balkon ein. Denn auch dort dürfen Mieter laut Ropertz tun, was sie wollen. Auf Grenzen stoßen Grillfreunde aber immer dann, wenn Nachbarn gestört oder sogar gefährdet werden.

Feiern und Ruhezeiten

Diese hätten ein Recht auf Schutz vor unzumutbaren Belästigungen, betont Alexander Wiech, Sprecher der Eigentümerschutzvereinigung Haus & Grund in Berlin. Das betrifft zunächst den Lärm: Gastgeber sollten allgemeine Ruhezeiten beachten, ergänzt Hannemann. Die ergäben sich meist aus der Hausordnung oder aus der Gemeindesatzung. In den meisten Fällen beginnt die Nachtruhe um 22.00 Uhr: "Feiern sollten dann in der Wohnung bei geschlossenen Fenstern fortgesetzt werden." Das bedeute aber nicht, dass vor 22:00 Uhr nach Belieben gelärmt werden dürfe. "In Mehrfamilienhäusern gilt grundsätzlich das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme", sagt Ropertz. Die Ruhezeitenregel sei allerdings auch kein beliebig einsetzbares Instrument von Nachbarn, die andere am Feiern hindern wollten, betont Wiech. Die Grenze des Zumutbaren richte sich nach Maßstäben von "Durchschnittsnutzern", nicht nach dem subjektiven Empfinden Einzelner. Auch hier gibt es also kein Rezeptbuch für das Zusammenleben im Nachbarschaftskreis.

Kinderlärm ist zu dulden

Ähnlich wie das Grillen ist der Lärm spielender Kinder grundsätzlich zu dulden, sagt Wiech. Der "natürliche Spiel- und Bewegungsdrang" des Nachwuchses samt des dabei eventuell entstehenden Geschreis müsse hingenommen werden, wie deutsche Gerichte immer wieder bestätigt haben. Auch Hausregeln, die den Kleinen das Mitbringen von Freunden auf das Grundstück verbieten, sind unzulässig. "Wenn ein Garten von allen Mietern genutzt wird, dürfen auch Kinder ihre Freunde dorthin mitnehmen", stellt Ropertz klar. Auch das Aufstellen von Sandkästen, Schaukeln oder Planschbecken auf Gemeinschaftsflächen sei erlaubt.

Zu Rücksicht erziehen

Eltern sollten ihre Kinder allerdings anhalten, sich möglichst rücksichtsvoll zu verhalten. "Je älter die Kinder, desto eher kann man verlangen, dass sie sich an Spielregeln halten." Stundenlanges Dreschen von Fußbällen gegen metallene Garagentore oder das Skateboardfahren im Hausflur müssten Nachbarn nicht hinnehmen. Vor allem während der Ruhezeiten am Mittag - zwischen 13:00 und 15:00 Uhr - sowie abends und nachts von 22:00 bis 7:00 Uhr sollten Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder nur wenig Krach machen, ergänzt Wiech: "Kindgemäßer Lärm wie Lachen, Schreien und Weinen sind allerdings auch während der Ruhezeiten zu dulden."

Nacktheit kann stören

Gelegentlich sorgen auch unbekleidete Sonnenanbeter in der Nachbarschaft für Unmut. Prinzipiell sei dagegen nichts einzuwenden, sagt Hannemann. Anhänger der Freikörperkultur im Garten müssten lediglich dafür sorgen, dass das "Anstands- und Sittlichkeitsgefühl" anderer nicht verletzt werde. Problematisch sei es vor allem, wenn Minderjährige einen Blick auf die Szenerie werfen könnten oder der fragliche Bereich völlig ungeschützt einsehbar ist, zum Beispiel von einer Straße aus. Deshalb sorgen Sonnenanbeter am besten dafür, sich in einem abgeschirmten Teil des Gartens hinzulegen - dann gebe es erst gar keine Probleme.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Therapie mit langer Nadel nichts für schwache Nerven

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal