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Geschwister  

Haben Eltern ein Lieblingskind?

12.05.2011, 17:16 Uhr | sca, t-online.de

Geschwister: Haben Eltern Lieblingskinder?. Die meisten Kinder glauben, dass ihre Eltern einen Liebling hatten.

Die meisten Kinder glauben, dass ihre Eltern einen Liebling hatten. (Bild: Archiv)

Eltern lieben ihre Kinder alle gleichermaßen, ist doch klar, oder? Mütter und Väter wehren sich meist vehement dagegen, ein Kind zu bevorzugen. Die Kinder allerdings nehmen das ganz anders wahr. Die meisten glauben, ihre Eltern haben in der Kindheit eines der Geschwister bevorzugt. Wie gerecht sind Eltern wirklich?

Kinder erleben Eltern als parteiisch

Wenn Eltern ein zweites oder drittes Kind bekommen, nehmen sie sich fast immer vor, alle ihre Kinder gleich zu behandeln und mit der gleichen Intensität zu lieben. Fragt man die Kinder, gelingt das häufig aber nicht. Ein Kind kann die Kränkung, weniger als ein Geschwisterkind geliebt zu werden, nur schwer verarbeiten. Sie sind aber für Bevorzugungen noch sensibler als Eltern: 70 Prozent der Kinder berichten in Studien von parteiischen Eltern (Quelle: www.quarks.de). In einer US-Studie machten sogar 84 Prozent der Befragten diese Angabe. Die Familie als Ort gleicher Erfahrung ist also meistens eine Illusion.

Nesthäkchen bevorzugt

In Studien geben fünfzig Prozent der Mütter zu, ein Kind zu bevorzugen. Meistens bevorzugen sie das jüngste Kind. Dies ist besonders dann der Fall, wenn das Nesthäkchen ein Mädchen ist, so der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann. Auch Problemkinder erhalten manchmal besonders viel Aufmerksamkeit, während die unproblematischen Geschwister weniger beachtet werden.

Ähnlichkeit schmeichelt

Auch der Charakter oder das Äußere des Kindes können dabei eine Rolle spielen. In der Regel schmeichelt Ähnlichkeit den Eltern: Mehr als drei Viertel der Eltern (77,8 Prozent) fühlen sich geschmeichelt, wenn ihnen jemand sagt, dass ihre Sprösslinge ihnen sehr ähnlich ist. Auch als Begründung, warum ihnen ein Kind besonders nah sind, geben viele Mütter an, dass ihnen ein ähnlicher Charakter den Umgang mit dem bevorzugten Kind erleichtere.

Meistens wechseln die Lieblingskinder

Temporäre Bevorzugen eines Kindes sind ganz normal. Meistens wechseln die Lieblingskinder der Eltern phasenweise. Stellen Eltern aber fest, dass sie ein Kind dauerhaft bevorzugen, sollten sie überlegen, welche Eigenschaften sie in dem einen Kind sehen und bei dem anderen vielleicht vermissen. Genauso wie sich Eltern über Ähnlichkeiten freuen, können sie nämlich auch zu Ärger fühlen, wenn man bei dem Kind eine negative Eigenschaft feststellt, die ein Elternteil an sich selbst nicht mag. Zum Beispiel mag sich ein unsportlicher Vater darüber ärgern, dass auch ein Sohn im Sport immer mit einer drei oder vier nach Hause kommt.

Jedes Kind auf seine Weise

Generell sollten Eltern auch nicht erwarten, dass sie ihre Kinder auf die gleiche Art lieben. Jede Mutter und jeder Vater liebt jedes Kind auf eine eigene Weise, wobei eine Quantifizierung sicher nicht einfach ist. Laut Bergmann ist die Frage so schon falsch gestellt. Denn die Liebe müsse nicht aufgeteilt werden wie ein Kuchen. Gefühle erschöpften sich nicht und könnten auch nicht abgemessen werden wie Backzutaten zu einem Kuchen. Ein Mehr oder Weniger an Aufmerksamkeit bedeutet nicht zwangsläufig auch ein Mehr oder Weniger an Liebe und Zuneigung. Deshalb ist es wichtig, sich und den Kinder klar zu machen, dass sie alle Kinder lieben, jedes auf seine eigene, besondere Weise. Aber nicht mehr oder weniger.

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