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Kinderschutz  

Jugendämter greifen wieder öfter in Familien ein

25.06.2009, 16:01 Uhr | iri, dapd

Jugendämter holen öfter Kinder aus Familien. Deutsche Jugendämter stecken immer mehr Kinder in Heime.

Deutsche Jugendämter stecken immer mehr Kinder in Heime. (Bild: Imago)

Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen greifen Jugendämter immer häufiger in Familien ein. Dabei nehmen sie zunehmend jüngere Kinder zumindest zeitweise in ihre Obhut, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag, den 25. Juni mitteilte. Nachdem vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2005 die Zahl der sogenannten Inobhut- nahmen von mehr als 31.000 auf 25.700 gesunken war, stieg sie nach Angaben des Statistikamtes bis 2008 wieder auf 32.300. Gegenüber 2007 war das eine Steigerung um 14,4 Prozent, im Vergleich zu 2005 sogar um 26 Prozent. Häufigster Grund war Überforderung der Eltern.

Häufigster Grund: Überforderung der Eltern

Im Jahr 2008 waren bei 7.700 Kindern und Jugendlichen oder 24 Prozent der Fälle, in den diese aus den Familien herausgeholt wurden, Vernachlässigung beziehungsweise Anzeichen für Misshandlung oder für sexuellen Missbrauch festgestellt worden. Als mit Abstand meistgenannter Anlass für die Inobhutnahme wurde mit 44 Prozent eine Überforderung der Eltern angeführt.

Gesetzliche Grundlage geändert

In den vergangenen Jahren hatten immer wieder Fälle von tödlich endender Misshandlung oder extremer Vernachlässigung für Schlagzeilen gesorgt. Seit Anfang 2005 gilt eine Erweiterung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, das Jugendämter seitdem explizit verpflichtet, ihren Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung wahrzunehmen. Sie müssen die Risiken für einzelne Kinder abschätzen und mit anderen Institutionen - etwa Kindergärten - kooperieren, um diese Kinder zu schützen.

Kurzfristige Maßnahme

Eine Inobhutnahme ist eine kurzfristige Maßnahme der Jugendämter zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, die sich in einer akuten, sie gefährdenden Situation befinden. Jugendämter nehmen Minderjährige auf deren eigenen Wunsch oder auf Initiative Anderer, etwa der Polizei oder Erzieher, in Obhut und bringen sie, meist für Stunden oder einige Tage, in einer geeigneten Einrichtung unter, etwa in einem Heim.

Anteil der unter Dreijährigen verdoppelt

Neben den gestiegenen absoluten Zahlen zeigt sich auch eine gestiegene Intensität der Inobhutnahmen, wenn man berücksichtigt, dass der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Bevölkerung sinkt: Im Jahr 2000 wurden 20 von 10.000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in Obhut genommen, im Jahr 2008 waren es 23 von 10.000.

Deutliche Veränderungen bei der Altersstruktur

Der Anteil der unter Dreijährigen an allen in Obhut genommenen Minderjährigen hat sich von fünf Prozent im Jahr 2000 auf zehn Prozent 2008 verdoppelt. Bei den Drei- bis Achtjährigen stieg der Anteil im gleichen Zeitraum von neun auf 14 Prozent. Bezogen auf die Bevölkerung wurden im Jahr 2000 sechs von 10.000 Kindern unter neun Jahren in Obhut genommen, im Jahr 2008 lag die Quote doppelt so hoch. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Jugendämter verstärkt den Schutz jüngerer Kinder im Blick haben.

Gratwanderung für Jugendämter

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen forderte die Jugendämter auf, Kinder nur nach genauer Fehleranalyse aus den Familien zu holen. "Solche Entscheidungen sind für die Jugendämter immer eine Gratwanderung", sagte die CDU-Politikerin. Es sei gut, dass inzwischen die Aufmerksamkeit für Kindesmisshandlung und -vernachlässigung gestiegen sei. "Die Zahlen zeigen, dass das Dunkelfeld kleiner wird und die Behörden ihre Möglichkeiten nutzen." Ein Kind aus der Familie zu holen sei jedoch ein schwerwiegender Eingriff und dürfe deswegen immer nur am Ende einer Kette von Prozessen stehen.

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