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Regenbogenfamilie  

Rechte und Sorgen homosexueller Eltern

29.06.2009, 11:59 Uhr | Robert Scholz

Rechte und Sorgen homosexueller Eltern. Familie unter dem Regenbogen.

Familie unter dem Regenbogen. (Bild: Imago)

Homosexuelle Paare mit Kindern, Kinder mit zwei Papas oder zwei Mamas. Für viele noch immer ein ungewöhnliches Bild. Es sind die klassischen Lebensentwürfe, die dabei aufgebrochen werden. Welche rechtlichen Möglich- keiten haben schwule und lesbische Paare bei Adoption, Kinderwunschbehandlung & Co. ? Wie geht es den Kindern?

Eine ungewöhnliche Konstellation?

Regenbogenfamilien sind gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften mit einem oder mehreren Kindern. So wäre die Definition der Familie unter dem Regenbogen wohl in einem Lexikon unterzubringen. Eine Regenbogenfamilie ist genauso wie ein Regenbogen ein ganz spezielles Ereignis - ebenso romantisch, ebenso bunt und für einige Beobachter ebenso gebrochen. Eine nicht mehr ganz neue, aber für den heterosexuellen Betrachter von Außen immer noch eine ungewöhnliche Konstellation. Für die betroffenen Frauen und Männer ist es ein ganz normaler Anspruch an ein gemeinschaftlich in Liebe und Respekt geführtes Zusammenleben, dass sich in dieses Leben auch ein Kind fügen kann. Eine Familie eben.

Angst vor dem Regenbogen?

Die Vorurteile sind groß und ungleich verteilt. Homosexuelle Männer haben immer noch mit größerer Ablehnung „der Anderen“ zu kämpfen, wenn sie ihren Kinderwunsch formulieren und durchzusetzen versuchen. Lesbischen Frauen wird in diesem Bemühen offener begegnet - wohl, weil man Frauen eben ein Kind fast automatisch zuordnet. Sie bilden eine Einheit, die über die Jahrtausende durch Religion, Kultur und Politik fest in den Köpfen verankert wurde. Sie sind, statistisch, auch die größte Gruppe von Regenbogeneltern. Nun also wird aus der klassischen Familie ein Regenbogen. Der Name geht übrigens auf die Regenbogenflagge, dem Symbol selbstbewusster Lesben, Schwuler und Bisexueller, zurück.

Kinder im Regenbogen sind nichts als Kinder

Es gibt mittlerweile eine Reihe von Untersuchungen, die heterosexuelle Skeptiker zur Beruhigung anregen könnten. Seit den 90er Jahren wird in Sachen Regenbogenfamilie geforscht und befragt - in den USA weit intensiver als in Deutschland. Das Ergebnis ist eindeutig: Das bunte Familienleben ist genauso grau oder farbig wie jedes andere Familienleben auch.

Keine homosexuellen Präferenzen

Kinder aus Regenbogenfamilien sind sexuell orientiert, wie alle anderen Kinder auch. Es gibt keine nachweisbaren homosexuellen Präferenzen, nur weil die Eltern zwei Frauen oder Männer sind. Sie sind nicht verhaltensauffälliger, sie leiden aber unter den immer noch offen ausgetragenen Anfeindungen. Werden sie älter, ist es schwer für sie, sich von der Sexualität ihrer Eltern abzugrenzen und ihre eigenen Präferenzen nach Außen deutlich zu machen. Auch das häufigste Vorurteil, dass Regenbogenkinder einem höheren Missbrauchsrisiko unterliegen würden, wird ganz deutlich durch die Datenlage nicht bestätigt. Es gibt kein erhöhtes Risiko. Missbrauch findet (statistisch) dreimal mehr an Mädchen statt, zu weit über 90 Prozent verübt durch Männer, die zu einem hohen Prozentsatz aus dem direkten sozialen Umfeld stammen. Regenbogenfamilien unterliegen zu dem noch einer weitgehend starken sozialen Kontrolle, wie das im Fachjargon genannt wird. Will sagen, der Regenbogen wird eben beobachtet und es wird genauer hingesehen, als bei Mama und Papa unterschiedlichen Geschlechts.  

Kinder entwickeln sich gleich

Sie entwickeln sich wie in jeder anderen Familie auch. Regenbogenkinder haben keinerlei Entwicklungsbeschränkungen, nur weil die Eltern homosexuell sind. Eine in Auftrag gegebene Studie des Bundesjustizministeriums bestätigt diese Untersuchungsergebnisse, was den Grünen-Politiker Volker Beck vor einem Jahr zu der Forderung veranlasste, nun auch das volle Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften einzufordern. Anfang des Monats legte seine Parteifreundin, Katrin Göring-Eckhard, Bundestagsvizepräsidentin und zur Zeit Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirchen Deutschlands, nach: volles Adoptionsrecht und damit Rechtssicherheit bei Unterhalts- und Erbrecht.

Adoptionen, Leihmütter und Kinderwunschbehandlung    

Es ist eine Sache, den Willen zur Gründung einer Familie zu bekunden. Es ist eine andere Sache diesen Willen auch zu realisieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass die klassische Fortpflanzung in homosexuellen Beziehungen flach fällt. Bleiben der Weg über eine Adoption oder einer künstlichen Befruchtung.

Leihmütter

Um es gleich zu sagen, die Familiengründung gemeinsam mit einer Leihmutter ist in Deutschland im Rahmen des Embryonenschutzgesetzes verboten - für Homo- und Heterosexuelle gleichermaßen. Auch die Vermittlung einer Leihmutter steht unter einer Strafandrohung bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. Belgien, die Niederlande, Griechenland, England, die USA und sogar das katholische Spanien erlauben hingegen Leihmutterschaften - auch für homosexuelle Paare. Amerikanische Schauspielerinnen und von Frauenblicken verzehrte Latino-Stars haben diesen „Dienst“ in Anspruch genommen, um sich den Regenbogentraum zu erfüllen.

Adoptionen

Leider wird es jetzt kompliziert. Denn Adoption ist nicht gleich Adoption. Das Kindeswohl steht dabei natürlich im Vordergrund und wird deswegen auch angeführt, um die uneingeschränkte Adoption eines Kindes durch ein homosexuelles Paar weitgehend abzulehnen. Erst ein schwules Paar in Dresden bekam vor drei Jahren die Gelegenheit, ein Kind zu adoptieren. Sie sind nach Auskunft des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD) die bisher Einzigen. Sie gelten seitdem als die „große Ausnahme“, selten wie ein Regenbogen. Denn der Wunsch nach Familiengründung ist bei den homosexuellen Paaren in Deutschland größer als im Rest der Bevölkerung. 40 Prozent aller Beratungsgespräche des LSVD drehen sich um das Thema Familie. Jede zweite lesbische Frau und jeder dritte schwule Mann hat den Wunsch nach einer Familie, so der LSVD weiter. Homosexuelle Paare haben bisher nur die rechtliche Möglichkeit der Einzel- oder der Stiefkindadoption. Aus letzterer Möglichkeit entstehen die meisten.

Heterosexuellen Ehen mit spätem Coming-Out

Trotz Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft, 2001, bleibt die Adoption für Homosexuelle ein schwieriger Weg. Es gibt eine deutlich formulierte Ablehnung dieser Lebensform im politischen Umfeld. Deswegen bleibt im Prinzip nur die Adoption im Ausland. Ist das Kind in einem Land geboren, das das Haager Adoptionsabkommen unterzeichnet hat, so ist diese ausschließlich über eine autorisierte Vermittlungsagentur möglich. Aber auch hier begeben sich die Paare eher in den Zufall, als in die Sicherheit einer Verwaltungsvorschrift. Auch in diesen Ländern kann es gesellschaftliche Abwehr gegen die „bunte Familie“ geben. In Ländern, die nicht diesem Abkommen beigetreten sind, ist eine Adoption generell möglich, wird aber den Amtsschimmel nun erst recht nicht Pirouetten drehen lassen.  

Stiefkindadoptionen

Seit 2005 darf bei Paaren in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft ein Partner das leibliche Kind des anderen adoptieren. Wenn das Kind aus einer vorhergehenden heterosexuellen Beziehung stammt, dann geht das in der Regel nur nach Einwilligung des jeweils anderen leiblichen Elternteils. Wird diese verweigert, muss sie beim Vormundschaftsgericht beantragt werden. Ab 14 Jahren darf das Kind selbst entscheiden. Sollte es nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, gilt die Adoption als "Auslandsadoption". Auch Namensregelungen und andere rechtliche Belange müssen mit dem früheren Partner in Übereinstimmung geregelt werden. Das Familienleben unter´m Regenbogen ist eine andauernde Suche nach dem juristisch Möglichen. Gänzlich kompliziert wird es, wenn ein durch künstliche Befruchtung (IVF oder Insemination; Abschnitt Kinderwunschbehandlung) gezeugtes Kind adoptiert werden soll. Jetzt müssen biologischer Vater und Mutter zustimmen. Letztere auch im Namen ihres Kindes, soweit dieses über acht Wochen alt ist. Ein Vormundschaftsgericht muss dann entscheiden, nach vorherigem Antrag.

Anonyme Samenspende

Und ganz schillernd wird der Regenbogen, wenn die Samenspende anonym abgegeben wurde, wie dies bei entsprechenden Banken üblich ist: Dann kann die Mutter zwar eine Erklärung diesbezüglich abgeben, aber nicht alle Gerichte werden das akzeptieren, so der Lesben- und Schwulenverband (LSVD). Was bleibt?

Kinderwunschbehandlung

Es ist in Deutschland nicht verboten, sich eine bereits befruchtete Eizelle einsetzen zu lassen, um dann einer Schwangerschaft in Hoffnung entgegen zu sehen. Diese Methode, die In-Vitro-Fertilisation (IVF), ist prinzipiell zulässig, wird aber von vielen Ärzten aus ethischen Gründen abgelehnt. Manche Ärztekammern haben sich in ihren Standesregeln ausdrücklich gegen diese künstliche Form der Schwangerschaft bei lesbischen Frauen gewandt. Auch die Samenspende, die Insemination, fällt unter diese Vorbehalte. Hier können Sie sich nur eingehend informieren und sich Beratung über den LVSD einholen.

Pflege

Übrigens, homosexuelle Paare bilden eine der größten Gruppen unter den Pflegeeltern. Manche aus der Regenbogenbewegung sprechen sogar mit einer Mischung aus Wut und Enttäuschung davon, dass zu Zeiten, in denen das HI-Virus noch Angst und Schrecken verbreitete, den Schwulen und Lesben infizierte Pflegekinder geradezu angedient wurden. Der Regenbogen ist bunt, aber flüchtig ist er nur in der Natur. In den entsprechenden Familien ist er zuverlässig und verantwortungsvoll - alle bekannten Fakten sprechen jedenfalls dafür.

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