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Erziehung: ZDF-Doku über kleine Haustyrannen

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ZDF-Doku  

"37 Grad": Kleine Haustyrannen

01.07.2009, 11:19 Uhr | sca, ZDF

Erziehung: ZDF-Doku über kleine Haustyrannen. Der kleine Tyrann kennt keine Grenzen und Regeln. Bockige Kinder machen das Familienleben zur Hölle

Der kleine Tyrann kennt keine Grenzen und Regeln. Bockige Kinder machen das Familienleben zur Hölle (Bild: ZDF/Nicolai Klawa-Wegner).

Sie haben Wutanfälle, reden immer dazwischen, zeigen sich rücksichtslos und wollen immer im Mittelpunkt stehen und ihren Willen durchsetzen. Erzieher und Lehrer sind überfordert, weil Kinder mit diesen Verhaltensweisen in der Überzahl sind. Die "37 Grad"-Dokumentation "Kleine Haustyrannen" beobachtete am Dienstag, 30. Juni 2009, 22.15 Uhr im ZDF den Alltag zweier Familien mit "grenzenlosen Kindern". Der Film von Katrin Wegner ging der Frage nach, warum immer mehr Eltern ihre Kinder verwöhnen und aus ihnen kleine Tyrannen machen. Wo ist der richtige Weg für eine Erziehung im Gleichgewicht? "37 Grad" begleitete zwei Familien und schilderte ihre Erfahrungen.

"Wenn wir etwas wollen..."

"Ich mache nur, was mir Spaß macht. Mir kann keiner was befehlen!" Die 15-jährige Linda lächelt charmant. Fast könnte man glauben, sie mache Spaß, doch ihre Worte sind ernst gemeint. "Mein Vater erfüllt mir jeden Wunsch!" So ähnlich klangen auch Tessa (12) und Annik (9):"Wenn wir etwas wollen, dann wollen wir es auch", sagen sie. Oder: "Ist mir ja egal, weil es auch nicht meine Aufgabe ist", antworten sie auf die Frage, warum sie nicht im Haushalt helfen würden.

Zu viel des Guten

Die Eltern der 15-jährigen Linda leben getrennt. Die Mutter ist Apothekerin, der Vater Psychiater. Beide kümmern sich engagiert um Linda, wollten stets das Beste für ihr Kind, aber geben zu viel des Guten. Grenzenlosigkeit und Verwöhnung bestimmen den Alltag beim Vater, die Mutter sieht in ihrer Tochter eine gleichberechtigte Partnerin und behandelt sie von Anfang an wie eine Freundin.

Ihre Eltern haben die Kontrolle verloren

Linda wird verhaltensauffällig. Sie ist respektlos, lässt sich von ihren Eltern nichts sagen. Bereits mit zwölf schwänzt sie die Schule, bleibt nachts fort und lebt zeitweise sogar auf der Straße. Ihre Eltern haben längst die Kontrolle verloren: das Mädchen rastet plötzlich aus und wird immer aggressiver. Die Situation eskaliert, als Linda ihre Mutter angreift, sie schlägt und tritt, bis ihre Mutter blutend am Boden liegt. Seitdem lebt Linda in einer therapeutischen Wohngemeinschaft in Wernigerode. Hier herrscht ein stark strukturierter Alltag. Therapeuten und Lehrer kümmern sich um Linda und andere Jugendlichen aus Familien der Mittel- und Oberschicht.

Vater muss Notwendigkeit von Grenzen akzeptieren

Die Einrichtung arbeitet eng mit den Eltern zusammen, versucht ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was zu Hause verändert werden muss. Alle zwei Wochen fährt Linda nach Hause, um dort einen Alltag mit Grenzen und Selbstständigkeit zu erproben. Ein in der Wohngemeinschaft erarbeiteter Verhaltensvertrag soll der Familie helfen, Abmachungen einzuhalten, Grenzen zu setzen und zu akzeptieren. Nicht nur für Linda ist das schwer. Auch ihr Vater, der Regeln und Grenzen bisher ablehnte, weil sich Linda frei entfalten sollte, muss einsehen, dass dies die einzige Chance ist, Lindas Zukunft zu retten. Es gebe Dinge, die müsse man mit einer 13-Jährige nicht diskutieren, sagt der Leiter der Einrichtung. Wenn es hieße, um 22 Uhr sei Schluss, dann sei das einfach so. Linda muss nachreifen. Dazu muss sie zunächst auf die Person reduziert werden, die sie ist: Ein dreizehnjähriges Mädchen oder Teenager in der Pubertät. Sie habe die Pubertät nicht ausgelebt, habe keine Reibungsflächen gehabt. Sie verhielt sich von heute auf Morgen als sei sie erwachsen.

Töchter bestimmen den Tagesablauf

Auch bei Gundula van de G. ist der Familienalltag außer Kontrolle geraten. Ihre zehn- und zwölfjährigen Töchter Annik und Tessa bestimmen den Tagesablauf komplett. Gundula van de G. wurde sehr streng erzogen, musste als Kind auf vieles verzichten. Ihren Kindern dagegen sollte es an nichts fehlen. Erlaubt ist, was Spaß macht, Grenzen oder Regeln gibt es nicht. "Meine Kinder werden als gleichberechtigte Partner behandelt. Wir diskutieren über alles. Mit guten Argumenten dürfen sie alles bestimmen." Annik und Tessa aber werden immer aggressiver, verweigern sich in der Schule.

Eine symbiotische Verstrickung

Die Situation eskaliert. Gundula van de G. wendet sich verzweifelt an den Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff. Schon im ersten Beratungsgespräch wird der Mutter klar, dass sie mit ihren Kindern symbiotisch verstrickt ist. Sie erkennt: "Ich will meine Kinder in Diskussionen überzeugen und begreife nicht, dass sie dafür noch gar nicht die geistige Reife haben. Mein Kind ist nicht mein Partner, sondern muss auch wie ein Kind behandelt werden." Bei einer solchen Behandlung verstricken sich Eltern immer wieder in Machtproben, die sie nicht gewinnen können. Und die Kinder bleiben in einer narzißtischen Entwicklungsphase stecken, ohne sich altersgerecht weiterzuentwickeln. In der Therapie lernt Frau van de G. Schritt für Schritt, Regeln einzuführen, Grenzen zu setzen. Seither hat sich der Alltag entspannt. Während sich vorher alles nur um die Kinder drehte, die sich wie kleine Narzissten gebärdeten, übernehmen sie jetzt Aufgaben im Haushalt. Sie entwickeln sich weiter.

Normale Kinder - normale Tätigkeiten

Die Mutter hat es geschafft, sich von den Kindern abzugrenzen. Die Kinder wissen, dass sie ihre Freiheiten haben, aber dass es auch Grenzen gibt. Sie fühlten sich wieder als normale Kinder, sagt die Mutter, nicht als etwas Besonders. Und als normale Kinder könnten sie auch normale Tätigkeiten machen.

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