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Junge Nachtschwärmer – mein Kind will Party

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Junge Nachtschwärmer – mein Kind will Party

16.07.2009, 11:31 Uhr | Robert Scholz

Auch Jugendliche brauchen Partys um einmal den alltäglichen Stress hinter sich zu lassen. (Foto: Imago)

Komasaufen, Partyexzesse, Alkoholmissbrauch im frühen Kindesalter - die Liste der Ausschweifungen von Kindern und Jugendlichen im Nachtleben ist lang. Jeden Tag eine neue Meldung über nächtliche Abstürze. Was soll man machen, wenn das Kind zur Party geht oder selber ruft? Was sind geeignete Vorsichtsmaßnahmen?

Warum Party auch wichtig ist?

Jenseits der Horrormeldungen von Kindern und Jugendlichen über dem Promillelimit, haben diese das ganz selbstverständliche Bedürfnis, mit ihren Freunden zu feiern. Genauso wie für Erwachsene ist der Wunsch einmal loszulassen und über die alltägliche Strenge zu schlagen, groß. Party ist aber nicht nur ein Feierritual, sondern auch ein Vorgang in dem soziale Verhaltensweisen und Gruppendynamiken gelernt und ausprobiert werden. Die Liebe wird gefunden oder entdeckt, Freundschaften werden geschlossen oder gefestigt, Probleme ausgeräumt oder erst geschaffen. Es wird diskutiert, Seelenleid geklagt, Kummer bewältigt, Spaß und Freude gelebt - ohne, dass man sich an den Grenzen des Alltags festklammern muss.

Papa, kann ich Party?

Familie Schuster sieht sich an einem Sonntagmorgen mit einer überraschenden Frage von ihrem Sohn Peter konfrontiert. Er ist 14 und hat die ersten langen Abende in der Stadt bereits hinter sich. Jetzt will er selber einladen zu einem Partyabend und dies ausgerechnet an einem Wochenende, an dem die Eltern nicht zu Hause sind. Was aus Peters Sicht durchaus Sinn macht, treibt die Eltern in die Sorgenfalte. Was wenn etwas passiert? Alkohol, Drogen, Sex, Gewalt - wenn Jugendliche feiern, laden sich bei Eltern meistens die Bilder von Extremsituationen ins Gedächtnis. Torkelnde Kinder oder schwankende junge Erwachsene bei Abi- und Stadtteilfesten, ins Koma fallende Extremtrinker ganz außerhalb des Jugendschutzgesetzes. Wie reagiert man? Wann sollte die Erlaubnis erteilt werden, in das Nachtleben einzutauchen und sich selbst zu suchen?

Regeln, regeln

Dirk Tschentscher ist Sozialpädagoge und in dieser Funktion so etwas wie ein Veranstaltungsprofi für Kinder- und Jugendpartys. Er organisiert und verantwortet ein geregeltes Nachtleben für junge Schwärmer im Auftrag von „Die Villa“ in Leipzig, einem Zentrum für Kinder, Jugendliche und Senioren. Und Regeln sind dann auch das entscheidende Zauberwort, das er im Zusammenhang mit Kindern, Jugendlichen und Partyfieber benutzt. Im Spannungsfeld zwischen Regeln für Kinder und Handlungsspielräumen von Kindern bewegt sich das ganze Elternleben. Diesen Spagat müssen sie irgendwie bewältigen und manchmal legt man auf der einen oder der anderen Seite etwas zu viel in die Waagschale.

Von Regeln und Freiräumen

„Kinder brauchen Handlungsspielräume, nur dadurch können sie Begriffe wie Verantwortung für sich und andere, Konsequenz und Selbständigkeit erlernen. Nur so werden sie eine Persönlichkeit, die ihr Leben eigenständig meistern kann.“ Klingt alles sehr ernst und weit weg von den Freuden einer ausgelassenen Party, aber gerade in diesem enthemmten Bereich sollten Kinder mit Regeln ausgestattet werden. Entscheidend aber ist, so Dirk Tschentscher weiter, „.. .dass die Regeln mit den Kindern gemeinsam besprochen und festgelegt werden. Nichts reizt mehr diese zu brechen, als die Tatsache, dass sie von den Eltern allein bestimmt werden. Das ist quasi eine Einladung zum Verbotsübertritt.“

Familie Schuster in der Regeldiskussion

Familie Schuster legt klar fest was an diesem Abend zu beachten ist - gemeinsam mit Peter. Alkohol für wen, was und wie viel. Regelungen über das Rauchen und den Umgang mit Drogen. Beides hat im Hause Schuster nichts zu suchen und diese Regel der Familie Schuster sollte in der einen oder anderen Form in jedem Hause gültig sein. Richtlinie für den Umgang mit Genussmitteln in der Öffentlichkeit ist das Jugendschutzgesetz. Seine Bestimmungen sollten auch als Leitlinie innerhalb der Familie akzeptiert sein. Festgelegt werden sollten ebenfalls genaue Zeiten. Der Veranstaltungsmacher aus Leipzig rät, die Partynacht bei unter 16-jährigen um 22:00 Uhr enden zu lassen. In Ausnahmefällen ist spätestens Mitternacht die Heimkehr angesagt. Eine Notfallnummer sollte zwischen Eltern und Kind ausgemacht werden, falls die Stimmung ins Gegenteil kippt. Und, es sollte auch verhandelt werden wer kommt beziehungsweise mit wem man geht. Dabei ist es durchaus sinnvoll auch Kontakt zu den anderen Eltern aufzunehmen, um im Vier-Augen-Gespräch deren Regelvorstellungen in den Abend einfließen zu lassen. Davon müssen die Kinder nichts wissen, denn das würde das ihnen entgegengebrachte Vertrauen von vorn herein unterspülen. Aber es gibt ja Telefone und Elternabende. „Wenn diese Eckpunkte gemeinsam besprochen wurden, dann sind die größten Gefahrenherde zumindest mal durchdacht worden. Der Rest ist Vertrauen und klare Konsequenzen bei Verstößen gegen diese Regeln.“, fasst Dirk Tschentscher zusammen.

Das gezähmte Wilde

Auch wenn Grenzen und Feierlaune auf den ersten Blick nicht zusammen passen, so sind sie doch Voraussetzung für eine Party ohne darauf folgenden Kater - für jugendliche Ausgelassenheit ohne schwere Folgen. Wichtig ist, dass das Regelwerk neben der gemeinsamen Diskussion darüber auch erklärt wird. Die Folgen eines Handelns müssen dargestellt werden. Es muss klar werden, welchen Sinn Eltern hinter bestimmten Verboten sehen. Generell sind diese Rahmenbedingungen nicht nur für den Partykeller zu Hause sinnvoll. Sie gelten auch, wenn die junge Frau oder der junge Mann auf die Partymeilen der deutschen Innenstädte entschwinden möchte oder unter die Discokugeln der Vorstädte. Der Rest ist Vertrauen. Denn der größte Fehler im Umgang mit den jungen Nachtschwärmer ist Bevormundung, gibt der Sozialarbeiter Tschentscher mit auf den Weg in die Glitzerwelten.

Quelle: Robert Scholz

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