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Darf Eltern die Hand ausrutschen?

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Gewalt als Erziehungsmethode. Ein Klaps hat noch niemandem geschadet: Ist das wirklich so?

Ein Klaps hat noch niemandem geschadet: Ist das wirklich so? (Bild: Imago)

Kürzlich erklärte Familien-Ministerin Ursula von der Leyen im Interview mit der "Bild", wie auch sie einmal die Kontrolle verlor: "Ich erinnere mich an eine Situation als ganz junge Mutter. Mein Sohn stand vor mir, schrie und zerrte an meinem Hosenbein, während ich mit meiner Mutter sprach. Ich war erschöpft, genervt und schlug seine Hand weg." Ein Ausrutscher im Falle der Familienministerin. Aber heißt es nicht auch immer "ein Klaps auf den Po hat noch niemandem geschadet"? Ist das tatsächlich so? Darf Eltern auch einmal die Hand ausrutschen? Was sagen die User von t-online.de?

Halten Sie einen Klaps auf den Po als Erziehungsmittel für richtig? Nutzen Sie die Kommentarfunktion am Ende des Artikels oder diskutieren Sie mit unseren Usern im Elternforum!

Gewalt in der Erziehung wirklich out?

Ursula von der Leyen ist sich sicher und macht unmissverständlich klar, dass körperliche Züchtigung in der Kindererziehung nichts zu suchen hat. Doch sieht das auch der Großteil der deutschen Eltern so? Im April 2009 hatte die Bundesfamilienministerin im Rahmen des "Generationen-Barometer 2009" erklärt: "Die Ohrfeige ist out." Jedoch wurde beim "Generationen-Barometer" nur untersucht, wie oft es zur "Ohrfeige" oder zu einer "Tracht Prügel" in der Erziehung von Kindern kommt. Nicht berücksichtigt wurde in der Untersuchung zum Beispiel der berühmte Klaps auf den Po. In einer anderen Studie, die Anfang des Jahrzehnts (2002) von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde, zeigte sich, dass fast drei von vier Eltern zu dieser Zeit noch Gewalt in der Erziehung anwendeten: 54 Prozent setzten noch ab und an leichte körperliche Strafen wie einen leichten Klaps auf den Po ein, jedoch keine Strafen wie eine Tracht Prügel - auf dieses Mittel griffen damals aber immerhin noch 17 Prozent zurück.

Klaps ja - Ohrfeige nein?

Eine Umfrage von t-online.de/eltern gab ebenfalls diese Tendenz wieder: Das Elternportal fragte seine User "Sind Sie der Meinung, dass ein Klaps in Ordnung ist?" Von den 4437 Besuchern, die abstimmten, halten knapp drei Viertel (74,8 Prozent) den berühmt-berüchtigten Klaps für ein legitimes Erziehungsmittel. Nur 21,8 Prozent lehnen ihn ab. In eine ähnliche Richtung gehen auch viele der zahlreichen Kommentare, die zu dem Thema eingegangen sind. Zwar spricht sich der größere Teil der User gegen eine richtige Prügelstrafe aus - ein Klaps ist für viele allerdings in Ordnung. Stellvertretend für diese Einstellung kann zum Beispiel die Meinung von t-online-Leser "Opa" gesehen werden: "Wie alles im Leben ist auch der sogenannte 'Klaps' relativ. Einen leichten Klaps auf den Po kann man schon mal akzeptieren, aber bitte, nur auf den Po und natürlich nicht bei einem Baby. Eine leichte Ohrfeige ist absolut kein Klaps mehr, sondern im hohen Maße entwürdigend und ist für mich ein Fall für das Jugendamt."

Auch ein Klaps ist Gewalt

Dabei vergessen viele, dass eben auch ein Klaps auf den Po für Kinder eine schwere Demütigung sein kann. Kinder brauchen eindeutige Grenzen und klare Regeln, aber keine Schläge. Wenn ein Klaps oder das Wegschlagen von einer Hand auch körperlich keine Schäden hinterlassen mag, so kann dies doch das Kind auf andere Weise verletzen: Machtlosigkeit, Ohnmacht und auch Scham ist es, was ein Kind in solchen Momenten oft erlebt. "Super Nanny" Katharina Saalfrank macht vor kurzem in einem Interview mit www.bild.de deutlich: "Fest steht: Es gibt keinen Unterschied zwischen Klapsen und Prügeln. Beides ist Gewalt!"

"Nur die Rute kann Grenzen aufzeigen!"

Auch erschreckend viele Befürworter härterer körperlicher Züchtigung meldeten sich zu Wort: "Ein Klaps auf den Po reicht noch lange nicht aus. Nur die Rute kann Grenzen aufzeigen!" Mit diesem Kommentar steht der User "hermes" nicht alleine da. Auffällig ist dabei, dass viele dieser Ansichten damit begründet werden, dass die sogenannte anti-autoritäre Erziehung wirkungslos sei. So argumentiert beispielsweise "Walter": "Mann kann ja fast täglich lesen, was bedingt durch die 'Antiautoritäre Erziehung' aus unserer Jugend geworden ist. Heute nach 52 Jahren, kann ich sagen, mir hat es nicht geschadet." Der Kommentar von "Bernd" schlägt in die selbe Kerbe: "Schauen wir mal, was 'Flower Power-Erziehung' bringt: Es gab noch nie so eine hohe Jugendkriminalität. Kein Respekt vor niemandem. Die Eltern machen gar nichts. Auch ist der Staat schuld, der sowohl die Eltern als auch die Kinder züchtigen sollte. Früher ging das und die Gesellschaft war so sicherer. So braucht man sich über Kinderschänder, Amokläufer, U-Bahn-Schläger, Drogendealer und Gegenden, in denen man nach 20 Uhr nicht mehr raus geht, kaum wundern." Diese Kommentare setzen eine gewaltfreie Erziehung mit einer autoritätslosen Erziehung gleich. Es wird vergessen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, Kindern Grenzen aufzuzeigen.

Gewalt als gelernter Reflex

Experten warnen hingegen ausdrücklich vor Gewalt als Erziehungsmaßnahme. Ein Grund dafür ist, dass Kinder, die Gewalt erfahren, auch selbst später eher zur Gewalttätigkeit neigen. Das widerspricht deutlich der Annahme, dass Erziehung, die durch körperliche Züchtigung geprägt ist, die Gesellschaft insgesamt weniger gewalttätig werden lasse und "sicherer" mache. Das bestätigt auch ein weiterer User-Kommentar: "Wurde von meiner Mutter immer geschlagen. Ich merke, dass es mir zeitweise schwer fällt mich 'zusammenzureißen', damit ich meinen Sohn nicht auch schlage." Keine untypische Reaktion, wie auch Pädagogin Katharina Saalfrank im Bild-Interview erklärte: "Es gibt diesen Reflex, dass Eltern zuschlagen, wenn sie sich ohnmächtig fühlen. Dieser Reflex hängt meist damit zusammen, dass sie diese Erfahrung selbst in ihrer Jugend gemacht haben. Dies ist ein gelernter Reflex." Eltern, die als Kinder oder Jugendliche selbst von ihren Eltern geschlagen wurden, müssten sich diesem Sachverhalt bewusst werden. Dann könnten sie die "Kette durchbrechen".

Schlagen: "Ein Zeichen von Schwäche"

Neben diesen sehr drastischen Meinungen gibt es natürlich auch zahlreiche User, die Gewalt in der Erziehung strikt ablehnen. Dazu gehört "Tommy", der sagt: "Ich bin selbst Vater einer vierjährigen Tochter und ich habe sie und werde sie niemals schlagen. Es gibt andere Methoden sein Kind zu erziehen. Sein Kind zu schlagen, ist ein Zeichen von Schwäche." Die gleiche Ansicht vertritt offenbar "Eva", die dann allerdings doch gleich mehrere Male zuschlug: "Ich werde mein Kind nie schlagen - das hatte ich mir ganz fest vorgenommen und doch ist mir im Laufe der Zeit die Hand mehrmals ausgerutscht! Ich habe mich Jahre später nochmals bei meinem inzwischen erwachsenen Sohn entschuldigt. Das war gut und ist auch angekommen, denn er hatte es nicht vergessen!"

Wenn die Hand einmal ausrutscht

Sollte es Eltern wie "Eva" in der "Hitze des Gefechts" passieren, dass einmal die Hand ausrutscht, ist meistens auf beiden Seiten der Schock groß. "Wenn man sein Kind geschlagen hat, ist es wichtig, dass man sich dafür bei ihm entschuldigt - am besten unmittelbar, nachdem es passiert ist", sagt Annette Kast-Zahn, Diplompsychologin aus dem nordrhein-westfälischen Ratingen. Könne man die Situation nicht sofort auflösen, sollte die Entschuldigung auf jeden Fall noch am selben Tag erfolgen. Dabei sollte man seinem Kind ehrlich sein Bedauern über den Vorfall ausdrücken: "Es war falsch von mir, dich zu schlagen. Ich habe dir weh getan, und das tut mir leid!" Eltern sollten ihrem Kind auch verdeutlichen, dass sie Gewalt grundsätzlich ablehnen und sich bemühen werden, in Zukunft nicht mehr zuzuschlagen. "Man sollte auf keinen Fall versuchen, sich im selben Moment doch noch für die Schläge zu rechtfertigen", sagt Kast-Zahn, Autorin von Jedes Kind kann Regeln lernen.

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