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Partnerschaft nach der Geburt: Stolperfallen für frisch gebackene Väter

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Väter  

Stolperfallen für frisch gebackene Väter

25.08.2009, 11:17 Uhr | Simone Blaß

Man stellt sich das immer alles so schön vor: Ein Paar erwartet sein erstes Kind, die Schwangerschaft verläuft problemlos und die werdende Mutter sieht aus wie aus dem Umstandsmodekatalog - frisch, rosig und lediglich mit einem kleinen, feinen Bäuchlein versehen. Und wenn das Kind da ist, wird es ausgeglichen und ruhig sein, durchschlafen und der Frau genügend Zeit und Muße lassen, sich um sich selbst und um ihren Mann zu kümmern. Doch das klappt nicht einmal bei Angelina Jolie und Brad Pitt. Selbst der Superstar gab kürzlich in einem Interview zu, dass es bei jeder Vergrößerung der Familie zu einigen Reibereien komme.

Wenn sich die Vorzeichen ändern

Es gibt unüberlegt ausgesprochene Sätze, die tief in der Seele verletzen und einer Partnerschaft schwere Schäden zukommen lassen können. Gerade dann, wenn ein Kind aus einem Paar eine Familie macht und einer von beiden, meist die Frau, sich voll und ganz um den Nachwuchs kümmert, verändern sich die Vorzeichen und die Basis für solche Worte ist eine ganz neue. Denn die frischgebackenen Väter verstehen oft die Welt nicht mehr. Sie arbeiten den ganzen Tag, kaufen vielleicht danach noch ein und ihre Frau ist am Abend immer noch in der alten Jogginghose, die Wäsche türmt sich zu Bergen und das Abendessen besteht aus Brot von gestern und dem, was der Kühlschrank gerade noch so hergibt. Das Baby schreit, die Frau ist nervös und was der Mann von seiner Arbeit zu berichten hat, interessiert sie im Moment kaum. Und wenn dann endlich Ruhe eingekehrt ist, dann schläft meist nicht nur das Kind, dann ist auch die Mutter vor Erschöpfung eingeschlafen. Ohne auch nur einen Gedanken an Sex zu verschwenden.

Ob Du wohl je wieder in deine alte Jeans passt?

Bereits in der Schwangerschaft läuft oft nicht alles wie im Bilderbuch. Statt dem kleinen Bäuchlein geht man vielleicht in alle Richtungen auseinander, die Haut leidet unter der Hormonumstellung, die Beine sind geschwollen, die aufreizende Unterwäsche ist riesigen Baumwollteilen gewichen und zum Lackieren der Fußnägel müsste man solche Verrenkungen machen, dass man es gleich bleiben lässt. Andere Dinge bekommen Priorität. Stundenlang können Frauen jetzt damit verbringen, durch Geschäfte zu tigern und Strampler, Mützchen und Kinderwagenzubehör zu kaufen. Und die wenigsten Väter quittieren das mit Begeisterung. Die Frau ist immer müde, ihr ist schlecht und bei der Merci-Werbung muss sie jedes Mal heulen. Ein Kinobesuch ist aufgrund mehrmaliger Toilettenbesuche alles andere als romantisch und beim Sex haben viele Männer Hemmungen vor dem ungeborenen Wesen. Da ist die Hoffnung auf die Zeit nach der Geburt groß.  

Wieso sieht es hier denn so aus?

Doch Schwangerschaft und Geburt bedeuten eine ziemliche Umstellung für die Frau. Nicht nur hormonell, sondern auch in der Lebensweise. Plötzlich ist man rund um die Uhr für einen kleinen hilflosen Menschen verantwortlich. Und selbst die Paare, die anfangs davon ausgehen, an ihrem Leben werde sich nichts ändern, lassen sich bald von rund 50 Zentimeter Mensch eines Besseren belehren. Hier ist gerade von Seiten des Vaters viel Verständnis gefragt, denn auch, wenn für ihn die Veränderungen im Leben schwerwiegend sind, für die Frau sind sie gravierend!

Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Sie geht neuerdings einem 24-Stunden-Job ohne Nachtzuschlag und Bereitschaftsdienstvergütung nach. Viele Frauen sind nicht in großen Familien aufgewachsen, haben nicht von klein auf gelernt, wie man mit einem Säugling umgeht und stehen jetzt vor einer der größten Herausforderungen im Leben. Füttern, wickeln, aufstoßen lassen und herumtragen, trösten, Bauchweh wegmassieren und auch einfach mal undefinierbares Gejammer aushalten - ein Baby fordert ganz schön. Die Frau ist gezwungen, Prioritäten zu setzen. Dabei bleibt der Haushalt verständlicherweise oft auf der Strecke.

Du wolltest doch das Kind, warum heulst du denn jetzt?

Hinzu kommt der Tanz der Hormone, der das weibliche Wesen schnell in für die Außenwelt unverständliche Depressionen stürzen kann. Männer reagieren dann oftmals verstört. Sie verstehen nicht, warum die Frau weint und nicht in der Lage ist, das Baby zu versorgen. Hier ist mangelnde Information im Vorfeld schuld. Und schnell fällt ein unüberlegter Satz.

Alle können stillen, nur du nicht!

Das Stillen eines Kindes scheint die einfachste Sache der Welt. Das Baby hat Hunger, die Mutter legt es an, der Körper produziert, was gebraucht wird und die Sache ist diskret in wenigen Minuten erledigt. So allerdings läuft es am seltensten. Stillen ist eine Kunst, die von Mutter und Kind erst erlernt werden muss. Die beiden müssen sich aufeinander einstellen, wobei es massive Schwierigkeiten geben kann. Gerade in einer solch hochsensiblen Phase, in der viele Frauen daran zweifeln, ihr Kind selbst ernähren zu können, ist die Unterstützung des Partners gefragt. Er ist derjenige, der ihr Selbstvertrauen stärken kann und der dafür sorgen kann, dass die Frau die notwendige Ruhe bekommt. Herabsetzende Worte, die von absolutem Unverständnis zeugen, sind hier fehl am Platz und können nicht nur dafür sorgen, dass das Selbstbewusstsein der Frau massiv leidet, sondern erzeugen auch einen enormen Stress, der sich dann wiederum negativ auf die Milchbildung auswirkt. Ein Teufelskreis, dem die Frau dann kaum mehr entkommen kann.

Warum schreit eigentlich immer nur unser Baby?

Viele Babys schreien am Abend. Die Erlebnisse des Tages müssen verarbeitet werden. Bei Vätern, die genau dann nach Hause kommen, wenn das Kind müde ist, kann da schnell der Eindruck entstehen, das eigene Kind weine nur. Beziehungsweise weine immer dann, wenn sie selbst in der Nähe sind. Und dass sich ein Baby in einer solchen Situation meist nur von der Mutter beruhigen lässt, macht die Sache nicht besser und verleidet vielen Männern die Freude am Heimkommen. Die oft total erschöpfte Frau erhofft sich ein paar freie Minuten, der Vater fühlt sich mit dem schreienden Bündel überfordert. Streit ist da vorprogrammiert. Ein Urlaub zuhause oder auch Elternzeit können hier Abhilfe schaffen. Der Vater erlebt das Baby so über einen längeren Zeitraum in der gewohnten Umgebung und die beiden haben dadurch eine bessere Möglichkeit, sich gegenseitig intensiver kennenzulernen.

Wann bin ich denn mal wieder dran?

Stillen nach Bedarf kann bedeuten, dass man an manchen Tagen nichts anderes zu tun scheint, als das Baby an die Brust zu legen. Diese Nähe zwischen Mutter und Kind gibt gerade frisch gebackenen Vätern oft das Gefühl, außen vor zu stehen. Eifersucht kommt auf. Verständlich auf der einen Seite, wenig hilfreich auf der anderen. Denn Schwangerschaft und durchwachte Nächte kosten viel Kraft, Hormone verstärken den Mutterinstinkt und der weibliche Körper ist mit seiner Umstellung beschäftigt. Die Lust auf Geschlechtsverkehr tendiert da meist gen Null. Doch gerade diese Phase können Paare nutzen, sich auf anderen Ebenen neu kennen- und liebenzulernen. Und nach ein paar Wochen, manchmal auch Monaten kommt die Lust zurück. Oftmals intensiver und aufregender als zuvor.

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