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Benehmen  

Auch kleine Gäste sollten sich benehmen

25.09.2009, 17:08 Uhr | Simone Blaß

Erziehung: Auch Gastkinder sollten sich gut benehmen. Kinder machen eine Kissenschlacht.

Auch kleine Gäste sollten sich benehmen können. (Bild: Archiv)

Wenn die eigenen Kinder Gäste haben, dann ist man gewillt, auch mal hier und da ein Auge zuzudrücken. Doch trotz aller Toleranz: In jeder Familie gibt es Regeln und die sollten eingehalten werden - auch von den Besuchskindern. Eltern sind da oft verunsichert: Hat man das Recht, seine Wünsche durchzusetzen? Und wenn ja, wie geht man am besten vor? Der Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, Ulrich Gerth, rät zu Fingerspitzengefühl.

Familienregeln sehr unterschiedlich

"Zuhause muss ich das aber auch nicht!“ Damit ist für den sechsjährigen Jakob die Sache erledigt. Für die Mutter seines Freundes André allerdings nicht. Denn sie kann und will es nicht akzeptieren, dass Kinder mit dreckigen Schuhen durch ihr Haus laufen und besteht mit den Worten „Du bist hier aber nicht zuhause und bei uns werden die Schuhe ausgezogen!“ darauf, dass Jakob sich seiner sandigen Sneakers im Flur entledigt. Auch Louisas Mutter ist nicht begeistert, als deren Schulfreundin Lea zum ersten Mal zu Besuch ist und ohne ein Wort des Grußes einfach an ihr einfach vorbeirennt, so als gehöre sie zur Einrichtung. Ob es sich um Tischmanieren, "Bitte" und "Danke" oder Schimpfwörter handelt - in jeder Familie gibt es Regeln und Grenzen, die eingehalten werden sollten. Auch von Besuchskindern.

Eltern müssen berechenbar sein

„Dabei muss man aber bedenken, dass es in jeder Familie wichtigere und unwichtigere Regeln gibt und man auch durchaus mal Ausnahmen machen kann“, erklärt Ulrich Gerth. „Wichtig dabei ist, die Regelabweichung auch als solche zu markieren.“ So vermeidet man, dass die eigenen Kinder aufgrund des elterlichen Verhaltens verwirrt und verunsichert sind. „Bei den Regeln aber, die immer wieder innerhalb der Familie ein Thema sind, da sollte man möglichst keine Ausnahmen machen und wenn, dann sollte man sie sehr gut begründen.“

Ausnahmen bestätigen die Regel

Man kann also durchaus auch mal fünf gerade sein lassen und den Kindern zum Beispiel erlauben, gemeinsam mit ihren Gästen vorzeitig den Essenstisch zu verlassen, um spielen zu gehen. Von der Großtante verlangt man ja auch nicht, dass sie ihre Schuhe auszieht, wenn sie zu Besuch kommt. Aber dann sollte man den Kindern oder Jugendlichen deutlich machen, wie es normalerweise läuft und dass es sich hier um eine Ausnahme handelt. Vorausgesetzt, man selbst kann mit dieser Ausnahme gut leben. „Hier gilt es immer auch, im Auge zu behalten, dass Ausnahmen keinen ‚Rechtsanspruch‘ begründen“, warnt der Diplom-Psychologe. Denn sonst folgt in Zukunft jedes Mal eine Debatte.

Mit Fingerspitzengefühl kommt man weiter

Normalerweise verhalten sich Kinder, die zum ersten Mal irgendwo zu Besuch sind, sehr vorsichtig und erkunden erst einmal das Terrain. Es reicht also meist, sie zu diesem Zeitpunkt freundlich auf die wichtigsten Familienregeln hinzuweisen. Das macht es auch den Kindern leichter, sich zurechtzufinden und für die meisten ist es eine Selbstverständlichkeit, sich dann auch an diese Regeln zu halten. Ist ein Kind sehr häufig zu Besuch, so kann es allerdings schon vorkommen, dass es sich "wie zuhause" fühlt und versucht, sich das eine oder andere Mal über die Regeln hinwegzusetzen. Möglicherweise auch mit einer frechen Antwort. „Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt“, meint der Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. „Man sollte dem Kind erneut erklären, dass es in Familien Unterschiede gibt und wie es in dieser Familie gehandhabt wird. Wenn man mit Besuchskindern als Erwachsener ernsthaft redet, hat man gute Chancen auf Erfolg.“

Auf keinen Kampf einlassen

Auch die eigenen Kinder versuchen häufig, sich über Regeln hinwegzusetzen, wenn Besuch da ist. Eltern sind da oft in der Zwickmühle. Einerseits möchte man nicht, dass Familienregeln ungefragt außer Kraft gesetzt werden, andererseits möchte man auch das Kind nicht vor seinen Freunden bloßstellen. Und die Kinder wissen, dass es den Eltern schwerer fällt, durchzugreifen, wenn andere dabei sind und versuchen manchmal, den anderen Kindern mit ein wenig Frechheit zu imponieren. „Auch in dieser Situation sollte man feinfühlig vorgehen. Es macht wenig Sinn, in einem solchen Moment in den Ring zu steigen. Besser ist, man wartet, bis wieder Ruhe eingekehrt ist und erklärt den Kindern dann, dass man sich über ihr Verhalten geärgert hat.“ Ulrich Gerth warnt in diesem Zusammenhang vor Konsequenz-Androhungen. „Man legt sich da als Erziehender nur unnötig fest, droht vielleicht mit einer Konsequenz, die man weder einhalten kann noch will. Besser ist es, sich mit einer Formulierung wie ‚Wenn so etwas wieder vorkommt, dann muss ich mir überlegen, ob...‘ zu arbeiten und sich so mehr Handlungsfreiheiten zu bewahren.“

Kritisch: Das Gespräch mit anderen Eltern

Wenn es um Höflichkeit und Respekt geht, wird es noch wichtiger, dass sich alle an die gleichen Regeln halten. Dazu muss dem Kind aber auch vermittelt werden, an welche Regeln es sich zu halten hat. Denn gerade auf diesem Gebiet sind die Prioritäten in verschiedenen Familien ganz anders gesteckt. Hält sich ein Besuchskind wiederholt nicht daran und geht auf kein Gespräch ein, so kann man sich durchaus an dessen Eltern wenden. Muss allerdings damit rechnen, dass man auf wenig Verständnis und Gegenliebe stößt. Niemand mag es, wenn das eigene Kind kritisiert wird. Und darauf hingewiesen zu werden, dass sich der Nachwuchs nicht benommen hat, ist nicht einfach. Noch schwerer ist es, wenn man selbst die Regeln des anderen Haushalts nicht nachvollziehen kann. Trotzdem sollte man seinem Kind klarmachen, dass man die Grenzen eines anderen zu respektieren hat. Frei nach dem Prinzip "Andere Länder, andere Sitten".

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