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ZDF: Wenn das Jugendamt eingreift

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"37°"  

"Wenn das Amt die Kinder entzieht"

30.09.2009, 11:16 Uhr | ZDF, sca

ZDF: Wenn das Jugendamt eingreift. Baby in Gefahr: Das Baby Jacqueline wurde direkt aus dem Krankenhaus in ein Kinderkrisenhaus gebracht, hier mit einer Betreuerin.

Baby in Gefahr: Das Baby Jacqueline wurde direkt aus dem Krankenhaus in ein Kinderkrisenhaus gebracht, hier mit einer Betreuerin. (Bild: ZDF)

Die schwierige Arbeit von Jugendämtern im Spannungsfeld zwischen Kindeswohl und Elternrecht war Thema der Dokumentation "Baby in Gefahr - Wenn das Amt die Kinder entzieht", die das ZDF am Dienstag, 29. September 2009, in seiner Reihe "37°" ausstrahlte. Wann muss das Jugendamt eingreifen? Wann ist die Grenze zur Kindeswohlgefährdung überschritten? Autor Manfred Karremann hat zwei Fälle dokumentiert. Sein Film macht nicht nur das Dilemma der Jugendämter und die Situation der Eltern deutlich, sondern zeigt vor allem, dass immer wieder das Schicksal und die Zukunft der Kinder auf dem Spiel stehen

Ursache: Kindesmisshandlung?

Fast acht Monate lang hat das ZDF-Team den Weg der kleinen Jacqueline und ihrer Familie begleitet, die im Januar 2009 - mit vier Monaten - auf die Intensivstation eines Berliner Krankenhauses eingeliefert wird. Diagnose: Schädelbrüche und Blutungen im Gehirn. Für die Ärzte ein Alarmsignal: Hier könnte Kindesmisshandlung die Ursache sein.

Tatsächlich ein Unfall?

Die siebenjähriger Schwester Josie soll nachstellen, was mit ihrer kleinen Schwester passiert ist. Es soll nur ein Unfall gewesen sein, die Kleine soll nur bei einem Wochenendbesuch bei ihrem leiblichen Vater aus dem Bett gefallen sein. Der leibliche Vater dementiert die Version der siebenjährigen Josie, bei ihm habe es keinen Unfall gegeben. Zur errechneten Zeit des Unfalls, sei die kleine bei der Mutter gewesen. Gegenseitige Schuldzuweisungen.

Anzeichen für eine Misshandlung

Den Ärzten zufolge sind so schwere Verletzungen infolge eines Sturzes aus dieser Höhe kaum möglich. Sie glauben nicht an einen Unfall. Bei einem Fall aus einer Höhe von unter 1,50 Meter erleidet nur ein Prozent der Kinder überhaupt Schädelverletzungen. Außerdem waren die Schädelverletzungen so stark, dass sie großer Gewalt bedürfen. Zudem hatte die kleine Jacqueline sogenannte mehrzeitige Verletzungen, das heißt Verletzungen, die zu verschiedenen Zeitpunkten entstanden sind. Blaue Flecken und Prellungen, für die es immer wieder verschiedene Erklärungen gab. Deshalb schalteten die Ärzte das Jugendamt und die Polizei ein.

Ungeklärte Fälle

Gibt eine Familie zu, dass sie überlastet war und das Verhalten eine akute Überlastungsreaktion gewesen ist, dann wird der Familie Hilfe angeboten. Ist der Hergang aber völlig unklar, und nicht sicher, wer das Kind misshandelt hat, darf das Kind nicht zurück in die Familie. Deshalb durfte die kleine Jacqueline nicht zurück zu ihren Eltern, das Jugendamt sorgte für eine vorläufige Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung, ein sogenanntes "Krisenhaus". Die Eltern dürfen das Kind abwechselnd einmal in der Woche besuchen. Allein sein dürfen Papa oder Mama nicht mehr mit ihr. Eine Sozialarbeiterin beobachtet ständig, wie die Eltern sich verhalten und wie die Tochter reagiert. Letztlich wird den Eltern das Sorgerecht entzogen, auch weil es bei den beiden Geschwistern Anzeichen für Misshandlungen gab.

Dilemma der Jugendämter

Viele Jugendämter gehen kein Risiko mehr ein. Zu oft kam es zu Fällen, in denen die Kinder in ihre Familie zurückgebracht wurden und erneut misshandelt wurden. Im vergangenen Jahr wurde mehr Eltern das Sorgerecht entzogen als früher. Zu oft habe man schon Kinder in eine Familie zurückgegeben, die dann zu Schaden oder gar zu Tode gekommen seien, berichtet ein Kommissar der Mordkommission Duisburg. Viele Jugendämter, ohnehin chronisch überlastet und für viel zu viele Problemfamilien zuständig, wollen inzwischen kein Risiko mehr eingehen. Für die Behörden oft ein Problem, denn die Grenze zur sogenannten Kindeswohlgefährdung ist fließend. Trotzdem befinden sie sich permanent in einem Dilemma. Entweder sie greifen zu hart durch oder sie bekommen im schlimmsten Fall am Ende die Mitschuld an gravierenden Misshandlungen oder dem Tod eines Kindes, weil sie nichts oder nur zu wenig getan haben

Wenn Kinder verwahrlosen

Im zweiten Fall geht es um die Entwicklung des zweijährigen Florian und seiner Familie, die über ein halbes Jahr hinweg dokumentiert wird. Florian wird nicht misshandelt, er lebt in einem so genannten sozialen Brennpunkt in einer Stadt am Bodensee und droht zu verwahrlosen. Die Familie lebt von Hartz IV, keiner hat Arbeit. Das Kinderzimmer ist völlig zugemüllt, die Wohnung unsauber. Florian wird nicht misshandelt, aber er droht zu verwahrlosen. Gewalt und Alkohol spielen in dieser Familie keine Rolle, dafür aber das Computerspiel "World of Warcraft", das stundenlang in der Familie gespielt wird. Florian weiß, dass er die Spieler in dieser Zeit nicht stören darf. Das Spiel sei schwer und brauche Zeit, erklärt der Vater.

Die Mutter hat ein enges Verhältnis zu Florian

Auch hier greift das Jugendamt ein. Die Familie brauche Hilfe, sagt es. Sie solle motiviert werden, ambulante Hilfen in Anspruch zu nehmen. Die dreckige Wohnung alleine sei kein Grund, in die elterliche Sorge einzugreifen, erklärt der Verantwortliche des Jugendamtes. Im Vordergrund stünden dagegen die Beziehungen, die Eltern und Kinder zueinander haben und ob die Eltern den Tagesablauf des Kindes entsprechend gestalten können. Die Mutter hat ein sehr enges Verhältnis zu Florian, er hängt an seiner Mutter. Ein wichtiger Grund für das Jugendamt, alle Möglichkeiten der Unterstützung auszuschöpfen.

Weitere Filme zum Thema

"Baby in Gefahr" ist bereits der fünfte Film des Autors Manfred Karremann zum Thema sexueller Missbrauch und Gewalt gegen Kinder in der Reihe "37°".  Zuletzt ging es 2008 in "Was geschah mit Karolina?" um den Fall eines dreijährigen Mädchens, das auf der Toilette eines Krankenhauses im schwäbischen Weißenhorn schwer verletzt aufgefunden wird und an den Folgen der Misshandlung durch seine Eltern stirbt. In "Außer Kontrolle - Kindesmissbrauch und Prävention" (2007) standen ehemalige Straftäter und ein inzwischen erwachsenes Opfer im Mittelpunkt und die Frage, wie Kinder effektiv geschützt werden können. Weitere "37°"-Filme zum Thema waren 2003 "Das Mädchen und die Kinderschänder" und 2004 "Mitten unter uns - Es geschah am helllichten Tag". Der engagierte Filmemacher ist seit 2004 regelmäßig als Referent bei der kriminalpolizeilichen Spezialausbildung des Bundeskriminalamtes tätig. Ein weiteres Thema von Karremann, zu dem er bereits mehrere Filme für das ZDF gedreht hat, ist der Tierschutz.

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