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Kindesmissbrauch: Was tun bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch?

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Sexueller Missbrauch  

Ein schlechtes Geheimnis

02.02.2010, 09:46 Uhr | Simone Blaß

Kindesmissbrauch: Was tun bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch?. Die Anzeichen für sexuellen Missbrauch sind vielfältig. (Quelle: t-online.de)

Die Anzeichen für sexuellen Missbrauch sind vielfältig. (Quelle: t-online.de)

Fast täglich gibt es Schlagzeilen, die den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen zum Thema haben. Täter sind Sporttrainers oder Erzieher im Internat, Personen, denen man traut, denen Eltern die eigenen Kinder anvertraut haben.  Der Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge werden pro Jahr mehr als 12.000 Kinder unter 14 Jahren sexuell missbraucht. Bei dieser Zahl handelt es sich aber lediglich um die Fälle, die auch tatsächlich zur Anzeige gekommen sind. Und damit nur um die Spitze des Eisberges.

Die Dunkelziffer ist enorm

„Es gibt eine hohe Zahl von Fällen, die nie zur Anzeige kommen, was unter anderem daran liegt, dass der sexuelle Missbrauch ein sehr schambesetztes Thema ist“, erklärt Bärbl Meier von "Wildwasser" Nürnberg. „Hochgerechnet geht man davon aus, dass jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder achte bis zehnte Junge betroffen sein könnte.“ Wobei es sich bei den meisten Fällen um einen Täter aus der Familie oder dem direkten Umkreis handelt. Es ist also nur selten der unbekannte Täter, nach dem in einer großangelegten Fahndung gesucht wird, der ein Kind verschleppt und missbraucht. Häufiger kommen die Täter aus dem Umfeld der Kinder, meist sind es sogar Familienmitglieder. Etwa 70 bis 90 Prozent der Täter und Opfer sind einander bekannt. Es sind Mutter, Vater, Stiefvater, Bruder, Stiefbruder, Lebensgefährte der Mutter, Verwandte oder Hausbewohner, Nachbarn, Bekannte, Freunde der Familie, Sporttrainer, Babysitter, Erziehungs- oder auch Autoritätspersonen wie Geistliche. Darunter Männer und Frauen. Oft dauert der Missbrauch über Jahre an. Beratungsstellen wie "Wildwasser" oder "Zartbitter" haben sich auf das Thema spezialisiert, aber auch beim Kinderschutzbund und den regionalen Erziehungs- beziehungsweise Familienberatungsstellen findet man Hilfe. Doch wie kann man erkennen, dass das eigene Kind missbraucht wird? Denn von selbst darüber reden wird es in den seltensten Fällen. Es fühlt sich schuldig und wird oft mit Drohungen zur Geheimhaltung gezwungen. Es gilt also, die stillen Hilferufe wahrzunehmen und darauf richtig zu reagieren.

Hellhörig sein

„Klare Signale gibt es nicht“, erklärt die Sozialpädagogin. „Kinder, die missbraucht werden, sind nämlich Künstler im Anpassen. Diese Kinder sind symbolisch gesehen in etwas ganz Hässliches, Klebriges eingesponnen, in dem jede Bewegung schrecklich ist und sie dazu veranlasst, still zu verharren.“ Eindeutige Anzeichen wie Verletzungen am Unterleib oder an der Brust, Spermaspuren, Ausfluss oder gar Geschlechtskrankheiten sind eher selten. Doch der psychische Konflikt, in dem sich das Opfer befindet, sucht sich, auch wenn die Kinder schweigen, ein Ventil. „Die Signale sind so vielfältig, dass man nicht sagen kann, immer wenn dieses und jenes Verhalten gemeinsam auftreten, dann ist sexueller Missbrauch im Spiel. Aber man sollte auf Hinweise achten und bei Auffälligkeiten im Verhalten auch mit daran denken - es in Erwägung ziehen -, dass so etwas dahinterstecken könnte.“ Zu den Auffälligkeiten gehören Störungen im Hygieneverhalten, Angstzustände, Alpträume und Schlafstörungen genauso wie sexualisiertes Verhalten und das Nachahmen etwa von Oralverkehr. Aber auch Nägelkauen, Bettnässen, Schulschwierigkeiten, Erstickungsängste, Essstörungen und Bauchschmerzen können, müssen aber natürlich nicht, ein Hinweis sein. Manche Kinder ziehen mehrere Hosen übereinander an, andere bauen Fallen vor die Kinderzimmertür und wieder andere gehen nur noch komplett bekleidet ins Bett oder zeigen selbstschädigendes Verhalten und Selbstbestrafung, um die eigenen Schuldgefühle abzubauen.

Sich dem Problem stellen ist nicht einfach, aber notwendig

„Das Erkennen von sexuellem Missbrauch setzt ‚Erkennen-Wollen‘ voraus, das heißt die Bereitschaft, ihn nicht zu verdrängen, sondern als gesellschaftliche Realität zu sehen.“ Holger Schumacher, der Autor des Buches „Starke Kinder wehren sich“ weist zusätzlich darauf hin, dass Eltern das Unfassbare oft nicht wahrhaben wollen und er betont: „Zum ‚Erkennen-Wollen‘ gehört auch die Bereitschaft, die Vorstellung zuzulassen, dass das eigene Kind missbraucht worden ist oder wird, ohne dass man es bisher bemerkt hat.“ In einem Verdachtsfall ruhig zu bleiben, ist nicht einfach. „Überhastetes Eingreifen liegt in der Natur der Sache, hat aber häufig Fehler zur Folge“, so Bärbl Meier. Bei einem Verdacht sollte man versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Holger Schumacher, der früher Teil des Mobilen Einsatzkommandos der Hamburger Polizei war und heute bundesweit Sicherheitsschulungen für Kinder und Jugendliche durchführt, ergänzt: „Die Aufdeckung und Anzeige der Tat sollte aus Gründen der Beweissicherung gut vorbereitet werden. Übereiltes Handeln gibt dem potenziellen pädokrimininellen Täter nämlich womöglich die Chance, Beweise wie Kinderpornographie fortzuschaffen.“ Und er betont, dass der Täter nie alleine zur Rede gestellt werden sollte.

Der Verdacht - schwierig auch für die Erzieher

Erzieher in Kindergärten, Kitas oder Horten verbringen viel Zeit mit den Kindern. Und sind daher manchmal die ersten, bei denen ein Verdacht aufkeimt. Doch eine Diagnose ist schwierig. Da das unüberlegte Aussprechen eines solchen Verdachts weit reichende Konsequenzen haben kann, müssen Erzieher sich an jemanden wenden, der fachgerecht handelt. Im Jugendhilfegesetz Paragraf 8a heißt es, dass erfahrene Fachkräfte hinzugezogen werden müssen. Bärbl Meier ergänzt: „Und zwar bevor die Eltern ins Spiel kommen, denn man weiß ja nicht, wer der Täter ist. Um einen Verdacht zu klären, braucht es sehr viele Informationen, Beweise aber gibt es nur selten. Ein solcher Prozess ist langwierig und man sollte immer Profis zu Rate ziehen, bevor man etwas unternimmt.“

Sexueller Missbrauch ist Machtausübung

 „Wenn ein Erwachsener es darauf anlegt, ein Kind zu missbrauchen, dann hat das Kind kaum eine Chance!“ Bärbl Meier erklärt auch, warum: „Der sexuelle Missbrauch geht anfangs nur selten mit Gewalt einher. Im Gegenteil, der Täter hofiert das Kind in irgendeiner Form und verwirrt es komplett.“  Aber auch wenn man das Kind nicht vor allem schützen kann, man kann es stärken, indem man es zu einer selbstbewussten Persönlichkeit erzieht und ihm lehrt, auf sein Bauchgefühl zu vertrauen und bestimmte Zeichen zu erkennen. Es sollte zwischen guten und schlechten Geheimnissen unterscheiden können, "Nein" sagen lernen vor allem zu jeder ungewollten Berührung und wissen, dass es bei den Eltern immer ein offenes Ohr findet. „Dem Kind muss klar sein, dass es, auch wenn es mal einen Fehler gemacht hat, geliebt wird.“ Für Bärbl Meier ist das ein sehr wichtiger Punkt, denn das Kind geht im Falle eines sexuellen Missbrauchs davon aus, etwas falsch gemacht zu haben. Dazu kommt, dass es den Eltern keinen Kummer zufügen möchte. In Holger Schumachers Buch heißt es: „In die Sexualerziehung älterer Kinder kann das Thema ‚Sexueller Missbrauch‘ miteinbezogen werden. Hierfür sollten sich Erwachsene jedoch selbst eingehend mit dem Problem auseinandergesetzt haben, um die Fragen des Kindes auch tatsächlich so beantworten zu können, dass es informiert, aber nicht geängstigt oder beschämt wird.“

Vertrauen nicht missbrauchen

Öffnet sich ein Kind einer Person seines Vertrauens, so ist das Wichtigste, ihm zu glauben und nichts herunterzuspielen. Erlittene sexuelle Gewalt wird von keinem Kind erfunden. Aufmerksam und vor allem ruhig zuhören und das Kind loben für seinen Mut zu sprechen, bilden eine gute Basis für weitere Schritte. Die dann allerdings nicht hinter dem Rücken des Opfers durchgeführt werden sollten. Das betroffene Kind braucht in einer solchen Situation jemanden, der die Dinge beim Namen nennen kann, Drohungen entkräftet, mit ihm ehrlich über mögliche Konsequenzen spricht und vor allem vertrauenswürdig ist.

Formen des Missbrauchs

Die Formen des sexuellen Missbrauchs sind verschieden, nicht immer ist es eine körperliche Vergewaltigung. So ist auch das Ansehen von Pornofilmen oder Nacktfotos im Beisein der Kinder eine Variante des Missbrauchs, eine andere kann gegenseitiges Berühren sein, gegen den Willen des Kindes, vor allem an den Geschlechtsteilen. Oder Täter fordern von ihren Opfern, sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Oft beginnt eine sexuelle Ausbeutung damit, dass der Täter das Kind nackt sehen will, dass er es beim Baden, auf der Toilette oder beim Ausziehen beobachtet.

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