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Erziehung: Regeln für Kinder

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Erziehung  

Wie viele Regeln brauchen Kinder?

30.09.2009, 14:18 Uhr | dpa

Erziehung: Regeln für Kinder. Wie viel Regeln brauchen Kinder?

Wie viel Regeln brauchen Kinder? (Bild: Imago)

In jeder Familie gibt es Regeln, die ständig im Raum herumschwirren: Keine Schokocreme zum Frühstück, nach dem Essen Zähne putzen, pünktlich ins Bett gehen und keine Schuhe im Flur herumliegen lassen. Und ob von der Super Nanny oder in Erziehungsratgebern: Immer wieder wird Eltern erklärt, wie wichtig Konsequenz in der Erziehung ist. Doch nicht immer lässt sich jede Regel durchsetzen. Das muss auch nicht sein, sagen Experten.

Die Ausnahmen von der Regeln

"Regeln sind wichtig, um den Familienalltag zu strukturieren", erklärt Klaus Fischer, Psychotherapeut bei der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen). "Ohne Regeln und Grenzen entsteht Chaos." Trotzdem kommt es immer wieder zu Situationen, in denen die Regeln nur schwer oder gar nicht umzusetzen sind. "Das ist ganz normal, Ausnahmen gehören dazu." Wenn der Kindergeburtstag länger dauert, geht es eben später ins Bett. Am Sonntag darf auch mal Nutella aufs Brötchen oder in den Ferien länger Fernsehen geschaut werden: "Eltern sollten ihrem Kind die Ausnahme natürlich erklären und den Hinweis geben, dass diese Veränderung nicht zum Dauerzustand wird", erklärt Fischer.

Regeln müssen nachvollziehbar sein

Obwohl allerorts zur Konsequenz gemahnt wird, sind Regelverstöße durchaus wichtig. "Eltern, die unter keinen Umständen eine Abweichung dulden, verlieren auf Dauer ihre Glaubwürdigkeit", erklärt der Ratgeberautor Peer Wüschner aus Wadersloh (Nordrhein-Westfalen). "Besonders, wenn die Regeln willkürlich durchgeboxt werden oder für die Kinder nicht nachvollziehbar sind." Denn Situationen ändern sich und damit auch der Sinn einer Regel. "Es passieren einfach immer wieder neue Dinge, die Ausnahmen automatisch einfordern", sagt auch Christoph Schmidt von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Groß-Gerau.

Änderungen sind immer wieder erforderlich

Eltern sollten auch in der Lage sein, falsche Entscheidungen korrigieren zu können, ergänzt Fischer. "Schließlich sind sie Vorbild." Wer dem Sohnemann den Fahrradausflug mit den Freunden verboten hat, weil der den Rasen nicht gemäht hat, sollte das Verbot sofort mit einer Entschuldigung aufgehoben werden, wenn der Einwand, dass der Mäher kaputt war, sich als richtig herausstellt. "Regeln müssen gut durchdacht sein", rät Klaus Fischer. Und sie müssen dem Alter des Kindes entsprechen. "Das erfordert immer wieder Veränderungen." Dennoch gebe es in jeder Familie grundsätzliche Grenzen und Verbindlichkeiten, die eingehalten werden müssen. "Fernsehzeiten sollten klar geregelt sein, weil Kinder das selbst nicht regulieren können", nennt Fischer als Beispiel.

Bedeutung und Konsequenzen erklären

Peer Wüschner empfiehlt, die wichtigsten Regeln mit den Kindern aufzuschreiben und zu gewichten: "Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, warum manche Regeln für Sie besonders wichtig sind." Ob Umgangsregeln ("Du darfst andere Kinder nicht kneifen oder hauen"), feste Gebote ("Du bist nach dem Spielen spätestens um halb sieben zu Hause") oder Schutzmaßnahmen ("Du darfst nicht auf der Straße spielen"): "Erklären Sie die Bedeutung dieser Regeln und auch, welche Konsequenzen die Nichteinhaltung hat", rät Schmidt.

Wenige, aber wichtige Grundsätze

"Im idealen Fall gibt es in einer Familie wenige, aber wirklich wichtige Regeln und im Gegenzug viel Freiheit", erläutert Fischer. Bei diesen Regeln gebe es keinen Diskussionsspielraum mehr. Auch Schmidt empfiehlt, die wenigen Dinge, die wirklich wichtig sind, konsequent zu verfolgen: "Wenn Sie nicht wollen, dass auf dem Sofa Eis gegessen wird, dann gilt das auch." Und wer sich nicht daran hält? "Der bekommt die Konsequenzen zu spüren, zum Beispiel eine Eis-Pause."

"Kinder müssen lernen, Grenzen zu akzeptieren"

"Darf ich Computer spielen?" Wenn Kinder diese Frage ein Dutzend Mal stellen, dabei immer fordernder werden, vielleicht sogar wütend oder die Eltern erpressen, sollten diese auf keinen Fall aus Resignation "Ja" sagen: "Wer nachgibt, weil er seine Ruhe haben will oder das Kind nicht leiden sehen mag, eröffnet einen Teufelskreis", warnt Fischer. Denn auf diese Weise lernten Kinder, dass sie nur hartnäckig genug sein müssen, um zu bekommen, was sie wollen. Die Folge sind Dauerdiskussionen und Streit. Aber auch Probleme für die Kinder: "Auf diese Weise geht uns Sozialarbeitern und Therapeuten die Arbeit nicht aus", glaubt Wüschner. "Kinder müssen einfach lernen, Grenzen zu akzeptieren." Natürlich können auch ungewohnte Ausnahmen Kindern neuen Spielraum versprechen und damit künftige Diskussionen forcieren: "Eltern können dann aber genau erklären, warum die Ausnahme einmalig war oder nur in dieser einen bestimmten Situation sinnvoll war", erklärt Schmidt.

Zu viele Regeln frustrieren

Besteht das Leben nur aus Regeln, ist das ganz schön öde, findet der Psychotherapeut Klaus Fischer. Wenn Kinder immer nur "Nein" oder "Das darfst du nicht" hörten, frustriere sie das. Besser seien wenige, aber klare Grenzen und dazwischen viel Freiraum: "Besprechen Sie altersgerecht mit dem Nachwuchs die Verbote und ihren Hintergrund", rät Peer Wüschner. "Kalkulieren Sie in diesen Gesprächen Ausnahmen gleich mit ein."

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