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Kindererziehung  

Wenn Eltern ihre Kinder verwöhnen

09.03.2010, 08:28 Uhr | rev, t-online.de

Kindererziehung: Wenn Eltern ihre Kinder verwöhnen. Sind unsere Kinder zu verwöhnt?

Sind unsere Kinder zu verwöhnt? (Bild: Archiv)

Wie kürzlich eine von der Zeitschrift "Familie&Co" beauftragte Umfrage ergab, glauben drei Viertel der Deutschen, dass wir auf dem besten Weg sind in eine Gesellschaft von Egoisten. Die Ursache: Angeblich verwöhnen Eltern ihre Kinder zu sehr. Auch etliche Erziehungsratgeber warnen Eltern vor zu viel Verwöhnung - stattdessen fordern sie das Setzen von Grenzen. Was jedoch sind die Gründe für dieses Erziehungsverhalten mancher Eltern und wie können sie sich davon wieder lösen? Welche Folgen kann zu viel Verwöhnung für die Kinder haben? Machen Sie auch unseren Psycho-Test: "Wie verwöhnt ist Ihr Kind?".

Verwöhnen bedeutet Vernachlässigung

Das Verwöhnen eines Kindes durch die Eltern ist auch immer eine Form der Vernachlässigung: "Es ist ein Zuwenig an Auseinandersetzung, an Anleitung, an Förderung, Forderung und ein Zuwenig an kritischem Hinterfragen", wie Jürgen F. Detering, stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, Pädagoge, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut und Psychoanalytiker, gegenüber urbia.com erklärt.

Kinder wollen Aufgaben erfüllen

Erfüllen Eltern ihrem Kind beispielweise jeden materiellen Wunsch, mangelt es für gewöhnlich an einer kritischen Auseinandersetzung der Eltern mit Konsum sowie an dem Mut trotz Protest vom Kind auch einmal "nein" zu sagen. Nehmen die Eltern dem Kind alle erdenklichen Pflichten ab, drückt sich darin die fehlende Bereitschaft aus, Konflikte mit dem Kind auszutragen und die Zeit aufzubringen, die es benötigt, um das Kind beim Ausführen alltäglicher Aufgaben zu unterstützen. Zudem zeigt sich darin auch vor allem ein Mangel an Vertrauen in die Fähigkeiten des eigenen Kindes. Indem man Kindern zu viel abnimmt, entmutigt man sie und verhindert gleichzeitig, dass sie ihre eigenen Stärken kennenlernen und unter Beweis stellen können. Der österreichische Psychiater und Therapeut Rudolf Dreikurs erklärt in seinem Ratgeber "Kinder fordern uns heraus", dass jedes Kind den tiefen Wunsch hat, in der Familie seinen Platz zu finden und dementsprechend auch Aufgaben erfüllen will.

Warum verwöhnen Eltern ihre Kinder?

Warum viele Eltern ihre Kinder verwöhnen, hat insbesondere zwei Gründe: Erstens drängen die extrem hohen Anforderungen, die Umfeld und Gesellschaft an Eltern heute richten, diese dazu sich über die Maßen um ihre Kinder zu kümmern - oft mehr als es denen gut tut. Zum anderen neigen Eltern auch aus Gemütlichkeit und um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, zum Verwöhnen. Sie binden die Schnürsenkel des Kindes lieber schnell selbst, weil sie es eilig haben. Sie räumen das Kinderzimmer auf, weil sie selbst die Unordnung nicht ertragen. Oder sie fahren das Kind überall hin, obwohl es längst die Wege kennt und auch mit dem Rad fahren könnte - nur um das eigene Bedürfnis nach Sicherheit zu beruhigen.

Folgen der Verwöhnung

Die Folgen der Verwöhnung sind zahlreich:

- Verwöhnung wirkt auf Dauer entmutigend.
- Die Kinder erleben nicht, dass sie selbst nützlich sind und einen Beitrag leisten können.
- Ein Kind, das verwöhnt wird, neigt zum Stillstand: Es wird nicht gefordert und entwickelt sich deshalb auch nicht weiter.
- Durch das Verwöhnen wird dem Kind die Möglichkeit vorenthalten zum einen bestimmte Verhaltensweisen und Arbeiten einzuüben, zum anderen ein gewisses Durchhaltevermögen bei der Erfüllung von Aufgaben aufzubauen.
- Durch Verwöhnung kann ein Abhängigkeitsverhältnis zu den Eltern entstehen, das womöglich auch noch im höheren Alter anhält. Die Eltern sind dann unentbehrlich geworden.

Weg vom Verwöhnkurs

Haben Eltern erst einmal damit angefangen das Kind zu verwöhnen, fällt es ihnen häufig schwer dieses Verhalten wieder abzulegen. Doch Experten sagen, dass eine Änderung des Erziehungsverhaltens zu jeder Zeit möglich ist. Grundsätzlich gilt: "Niemals für ein Kind etwas tun, das es selbst tun kann", so Dreikurs und Vicki Soltz in "Kinder fordern uns heraus". Wurden Kinder eine lange Zeit verwöhnt, wird es sie überfordern, wenn sie plötzlich von einem auf den anderen Tag selbstständig sein müssen. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Eltern, die von ihrem Verwöhnkurs wegkommen wollen, die Kinder Schritt für Schritt mehr Arbeiten selbst erledigen lassen. Die Eltern sollten sich überlegen, welche Anforderungen sie an ihr Kind künftig stellen wollen. Dann beginnen sie mit der Sache, die ihnen selbst am wichtigsten erscheint und äußern nach und nach weitere Erwartungen an das Kind. Dabei ist es natürlich von großer Bedeutung das Kind so anzuleiten, dass es die neuen Aufgaben auch bewältigen kann - nach einer gewissen Zeit am besten auch ohne elterliche Hilfe.

Babys kann man nicht verwöhnen

Den Vorwurf "Ihr verwöhnt ja das Kind!" brauchen sich Eltern allerdings nicht gefallen lassen, wenn ihr Kind sich noch im Säuglingsalter befindet. In diesem Punkt sind sich Experten inzwischen einig: Ein kleines Baby kann man nicht verwöhnen. In den ersten Monaten eines Menschen entsteht das sogenannte "Urvertrauen" oder "Ur-Geborgenheitsgefühl" - und das kann gar nicht groß genug sein, um ein erfülltes und erfolgreiches Leben zu führen. Das Baby lernt „Mama und Papa sind da, wenn ich sie brauche - ich bin nicht allein“ und bekommt so einen wertvollen Schatz für die weitere Entwicklung mit. Durch die Geborgenheit und die Sicherheit entwickelt es sich zu einer stabilen Persönlichkeit, die mit Krisen in der Regel gut umgehen kann und eine positive Lebenseinstellung hat.


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