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Wie Kinder faires Streiten lernen

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Richtig Streiten  

Streitschule Elternhaus

07.01.2010, 10:40 Uhr | ots, mmh

Wie Kinder faires Streiten lernen. Zwei Jungs streiten sich.

Faires Streiten lernen Kinder am besten im Elternhaus. (Bild: Imago)

Für Kinder gibt es viele Gründe, sich zu streiten. Und das ist gut so. Denn aus Zwistigkeiten lernen die Kleinen eine Menge für das Leben. Streit gehört zum Alltag und hat eine positive, klärende Funktion. Die Frage ist nur: Wie löst man ihn? Wie sollen Eltern sich verhalten - raushalten oder eingreifen? Es kommt auf die Situation an, sagt Wilfried Griebel, Diplompsychologe am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. In Fällen, in denen Kinder um ihre Rolle oder um ihr Eigentum kämpfen, sollen Eltern nicht eingreifen. "Solche Konflikte lösen die Kleinen immer allein, auch wenn es dauert." Nur wenn Mütter und Väter einen Anteil am Streit haben, könnten sie auch etwas daran ändern. Eltern müssen also in der Erziehung Streit auch als Beobachter aushalten können.

So begleiten Eltern Geschwisterstreit

"Solche Konflikte lösen die Kleinen immer allein, auch wenn es dauert", betont Griebel im Apothekenmagazin "Baby und Familie". Nur wenn Mütter und Väter einen Anteil am Streit haben, könnten sie auch etwas daran ändern. Und wenn die Kleinen es einfach nicht schaffen, sich zu vertragen? Griebel rät, die Streithähne dann gemeinsam aufs Zimmer zu schicken - mit den Worten: "Ihr kommt erst wieder raus, wenn ihr euch vertragen habt." Wenn das dem Nachwuchs dann gelungen ist, gibt es ein dickes Lob und Interesse dafür, wie die Kleinen es geschafft haben, sich zu einigen. Wenn Eltern den Blick auf die Konfliktlösung lenken, anstatt zu schimpfen, sorgt das für Streitkompetenz - eine Fähigkeit, auf die Kinder über kurz oder lang mächtig stolz sind. Es folgen 14 Tipps und Regeln für "konstruktives" Streiten:

- Streit ist normal und erlaubt.

- Streit muss fair bleiben.

- Keiner wird beleidigt.

- Brüllen und Schlagen ist nicht fair.

- Streit kann vertagt werden: Nachdenken hilft auf der Suche nach einer Lösung.

- Wann greifen Eltern ein: Nicht der Anlass ist ausschlaggebend, sondern die Schärfe des Streits.

- Ein guter Streit endet nicht mit Sieg oder Niederlage, sondern mit einer Lösung, die beide Seiten akzeptieren.

- Nach dem Streit ist die Beziehung der Gegner wieder normal oder sogar gestärkt.

- Streiten kann man üben: Kreative Lösungen suchen, wenn man sich gut versteht.

- Perspektive wechseln: Sich in den anderen hineinversetzen, dessen Gefühle und Ängste verstehen, nicht nur im Streit, auch sonst, beispielsweise im Rollenspiel.

- Eltern müssen Streitkultur vorleben.

- Eltern müssen bei unfairem und brutalem Streit eingreifen.

- Eltern sollten nicht einfach nur schimpfen: Stattdessen ist es sinnvoll stufenweise vorzugehen: erst das Gespräch suchen, dabei die Gründe für das Verhalten des Kindes erfragen und schließlich die Konsequenzen des Handelns aufzeigen.

- Handpuppen und Kuscheltiere können wunderbare Streitkultur-Vermittler sein. Denken Sie sich Konflikte aus, die die Puppen lösen.

Streit ohne Gewalt

Ein Spielplatz ist zum Beispiel nicht immer ein Ort des Friedens. Da wird mit Sand geworfen, die Rutschbahn blockiert oder die Schaukel zum Alleineigentum erklärt. Zwar können Kinder vieles unter sich ausmachen, Gewalt sollten Eltern jedoch selbstverständlich unterbinden. Dazu zählt auch lautes Brüllen und Beschimpfen. Meist gehe es bei Gewaltkonflikten nur darum, wer der Stärkere ist. Das lasse sich auch anders klären: etwa beim Seilziehen oder Wettlaufen. Wenn ein Kind dem anderen weh getan hat, setzt der Psychologe auf das Verursacherprinzip: "Dann muss der Täter trösten oder den Waschlappen holen, um eine schmerzende Stelle zu kühlen."

Vorbild zählt

Natürlich taugen Eltern-Ratschläge nur dann als glaubwürdige Orientierung, wenn Eltern sich selbst daran halten. Eltern, die sich vor den Kindern anbrüllen und womöglich auch handgreiflich werden, können nicht erwarten, dass die Kinder gewaltfrei streiten. Viele Familien führen bei kleinen Kindern auch Versöhnungsrituale ein. Dabei ist es allerdings zweifelhaft, ob das häufig geforderte "Gebt Euch die Hand" wirklich zielführend ist oder sogar zu viel verlangt. Manches Kind erträgt einfach nicht sofort die körperliche Berührung mit dem Kind, das bis eben noch der "Feind" war. Und wer automatisch "Entschuldigung" murmelt, wird sich an das Lippenbekenntnis gewöhnen, aber nicht mehr wirklich beherzigen. Rituale nutzen sich ab und man kann nicht erwarten, dass alle Kinder, auch außerhalb der Familie und des Freundeskreis die selbe Auffassung dazu haben und jedes Ritual verstehen.

Nervensache

Eltern haben dabei unterschiedliche Toleranzgrenzen. Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist, kennt die ständigen Reibereien und andauernde Kompromisssuche. Erwachsene Einzelkinder dagegen empfinden rasch den Lärmpegel als zu hoch und eine angespannte Atmosphäre als zu belastend. Dabei müssen Eltern auch den Stress der Anspannung vor der Versöhnung aushalten lernen und den Kindern damit die Chance geben, die Konfliktsituation selbständig entschärft zu haben.

Streitkultur für Größere

Kinder profitieren davon, wenn sie das Streiten und Versöhnen gelernt haben. Sie werden belastbarer und können auch Rückschläge besser wegstecken. Wer Streitkultur besitzt, kann seinen Standpunkt offen und fair verteidigen, ohne den anderen zu beleidigen oder seinen Standpunkt herabzuwürdigen. Damit hat ein Streit immer einen positiven Aspekt, er beinhaltet die Suche nach etwas Neuem, nach einer Lösung oder Alternative zum Bisherigen. Es bedeutet also nicht den Austausch von Statements ohne Konsequenz. Auch die Politik fordert immer wieder eine neue Streitkultur, denn die Demokratie lebt von den unterschiedlichen Meinungen ihrer Mitglieder in der Gesellschaft. Viele Schulen haben inzwischen Streitschlichter eingeführt, die in den Pausen eingreifen, wenn ein Streit ausufert. Dazu werden interessierte Kinder extra von Profis geschult. Dies kann auch im Zusammenhang von Gewaltprävention an Schulen und Anti-Mobbing-Initiativen hilfreich sein.

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