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Pubertät: Probleme in der Vater-Tochter-Beziehung

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Die Schamgrenze zwischen Vater und Tochter

09.11.2009, 11:00 Uhr | MMH, t-online.de

Pubertät: Probleme in der Vater-Tochter-Beziehung. Pubertät: Wenn Töchter langsam erwachsen werden, verunsichert das viele Väter. (Quelle: t-online.de)

Pubertät: Wenn Töchter langsam erwachsen werden, verunsichert das viele Väter. (Quelle: t-online.de)

Eben noch sind Papa und Tochter so eng vertraut und plötzlich gibt es eine Distanz, eine Schamgrenze. Woher kommt die? Väter sind verunsichert. Wie sollen Väter sich verhalten? Wie viel Berührung ist erlaubt? Keiner will in den Verdacht sexueller Belästigung kommen. Eines steht fest: Rückzug und Distanz sind unangebracht, auch und gerade Töchter in der Pubertät brauchen ihre Väter zur Orientierung. Bestimmte Verhaltensregeln helfen, die Distanz zwischen Tochter und Vater im richtigen Maß zu halten.

Distanz zwischen Vater und Tochter

„Und plötzlich ist es nicht mehr Deine süße kleine Tochter, die auf Deinem Schoß sitzt, sondern ein Teenager“, klagt ein Vater, „manchmal traue ich mich gar nicht mehr sie so zu knuddeln, wie früher, denn ich will sie nicht versehentlich an der Brust berühren, das hat sich total verändert.“ Väter sind hilflos. Plötzlich ist da eine Scham, eine Distanz zwischen beiden entstanden, wo früher absolute Vertrautheit war. Nur selten sprechen Väter über solche Probleme, aus Angst missverstanden zu werden. Doch diese Väter, mit denen wir gesprochen haben, kennen sich aus der Krabbelgruppe, seit rund 13 Jahren, ihre Kinder sind alle gut befreundet, Mädchen und Jungs. In diesem Kreis wurden schon viele Tabu-Themen besprochen.

Was ist erlaubt?

Ganz jungen Teenagern ist oft noch gar nicht bewusst, dass ihr veränderter Körper eine andere Ausstrahlung hat. Natürlich hat der zitierte Vater, absolut keinerlei sexuelle Absichten, im Gegenteil, um sich genau davor zu schützen, dass ihm etwas unterstellt würde, zieht er sich zurück. "Du kannst mit Deinem Sohn Fußball spielen oder auch mal raufen“, sagt er einem anderen Vater, "aber was machst Du mit einem zwölfjährigen Mädchen?“ Tatsächlich schwanken sie zwischen Kind und Teenager, der schon auch mal den Papa als Flirt-Objekt nutzt. Andere Väter kennen das auch. "Ist doch logisch, dass Du Dein Kind betrachtest, dass Du körperliche Veränderungen beobachtest, aber manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt hingucken darf, wenn sie sich umzieht oder mir Gedanken machen darf, ob ihr Busen wächst.“  Ein anderer Papa ist neidisch auf seine Frau: "Sie spricht mit unserer Tochter über ihre Tage, sie kaufen Kleidung miteinander und blockieren stundenlang das Bad mit Kosmetik-Sitzungen. Manchmal bin ich richtig neidisch, dass sie auf diesem Weg so einen Draht zueinander haben.“

Väter sind auch nur Männer

Stolz, Fürsorge, Verantwortungsgefühl und ein gutes Stück Eifersucht mischen sich. Plötzlich interessiert sich die eigene Tochter vielleicht für andere Männer und - fast noch schlimmer, andere Männer werfen ein Auge auf die kleine Prinzessin. "Im letzten Strand-Urlaub bin ich fast durchgedreht, wenn ein Kerl meine Tochter im Bikini angeschaut hat. Das sind ganz neue Erfahrungen, das ist nicht einfach."

Geschiedene Väter

Besonders hart trifft es geschiedene Väter, hier wird die Situation oft noch durch andere Beziehungskonflikte unnötig kompliziert gemacht. "Seit unserer Trennung ist meine Tochter jedes zweite Wochenende bei mir", erzählt einer aus der Gruppe, "früher war das alles easy, aber irgendwann, schon vor Jahren, kam meine Ex dann mit Verhaltensvorschriften: Ich durfte sie nicht mehr baden, sie musste sich alleine anziehen und wir durften beim Einschlafen nicht mehr kuscheln. Ihre Freundinnen dürfen sowieso nicht mehr mitkommen und den geplanten Zelturlaub mussten wir auch streichen. Das ist doch nicht normal!"

Was sagen Experten?

Der französische Psychiater, Psychoanalytiker und Buch-Autor Didier Lauru beschäftigt sich intensiv mit der Vater-Tochter-Beziehung von der Kindheit bis in das Erwachsenenalter. In einem Interview mit dem Online-Portal www.gofeminin.de gibt er Vätern folgenden Ratschlag: "Das Mädchen darf nicht das Gefühl haben von ihrem Vater mit einer Form des Verlangens beobachtet zu werden. Sie darf auf keinen Fall den Eindruck haben, dass ihr eigener Vater sie als Frau und nicht als seine Tochter sieht. Aber umgekehrt halten sich manche Väter zu sehr zurück und haben Angst ihrer Tochter zu sagen, dass sie zum Beispiel hübsch ist. Es fällt ihnen schwer die körperlichen Veränderungen, mit denen die Pubertät verbunden ist, anzuerkennen und schaffen aus Schamgefühl eine gewisse Distanz. Dabei ist es gerade in dieser Phase so wichtig für die Jugendliche, dass ihre Weiblichkeit anerkannt wird. Umso mehr als ein Vater seine Tochter gerade durch Komplimente und Anerkennung für die Außenwelt und ihr Leben als Frau wappnet." Aber wie nun können Väter diese Gratwanderung meistern? 

Kritische Situationen meiden

Auf jeden Fall dürfen sich Väter nicht aus ihrer Verantwortung zurückziehen. Die Töchter brauchen sie in dieser Phase genauso, wie in jeder anderen auch, sie stehen - wie andere enge Bezugspersonen auch - für Orientierung, Identifikation und Autorität. Der beste Weg ist, sich kritische Situationen bewusst zu machen und diese eindeutig zu lösen, ohne irgendwelchen Missverständnissen eine Chance zu geben. Manche Verhaltensregeln können Eltern ohne viele Worte einfach einführen, ohne die Töchter mit ihren Überlegungen und ihren Bedenken zu belasten. Falls die Tochter allerdings fragt, sollten sie darauf vorbereitet sein, zu erklären, dass eine gewisse Intimsphäre für alle Seiten wichtig ist, dass auch dies zum Erwachsenwerden dazu gehört, auch wenn in der Familie trotz allem ein vertrauter Raum ist.

Verhaltens-Tipps für Väter pubertierender Mädchen

  • Badezimmer: In vielen Familien ist es völlig normal, nackt oder nur leicht bekleidet zwischen Badezimmer und Kleiderschrank hin und her zu huschen. Falls es Ihrer Tochter unangenehm ist - ein Morgenmantel wäre doch ein hübsches Geschenk?

  • Dusche / Badewanne: Es sollte Tabu sein, das Badezimmer zu betreten, wenn die Tochter gerade duscht oder badet, wenn dies als unangenehm empfunden wird.

  • Besuchs-Kinder: Diese Regeln gelten verstärkt, wenn andere Teenager zu Besuch sind. Auch wenn sie es bisher nicht so handhaben. Gewöhnen Sie sich an, Badezimmer abzusperren, wenn sie duschen oder baden, auch die Besucher haben eventuell das Bedürfnis, ihre Privatsphäre so zu schützen. Also: Schlüssel herauskramen und in das Schloss stecken.

  • Kuscheln: Das ist natürlich immer noch erlaubt, wenn die kleinen Teenager das nicht inzwischen sowieso als uncool empfinden.

  • Freundinnen: Was in ihrer Familie normal ist, kann anderen Eltern verdächtig vorkommen. Vermeiden Sie Situationen, die sie in Konflikte bringen könnten. Extrem-Beispiel: Ein Camping-Wochenende mit der pubertierenden Tochter und ihrer gleichaltrigen Freundin, Vater und Mädchen in einem Zelt.

  • Mütter: Oft fällt es den Müttern leichter diese Veränderungen schonend zu erklären. Mütter können aus ihren eigenen Erfahrungen erzählen. Ihre Aufgabe ist es, das Vertrauens-Verhältnis zwischen Vater und Tochter zu schützen, zu respektieren und es sanft in neue Bahnen zu lenken.

Alles ganz normal

Auf keinen Fall sollten Väter Panik bekommen. Es ist alles ganz normal. Eben eine weitere Phase, die Familien meistern müssen. Bleiben sie locker: Die Mädchen haben alle schon mal einen nackten Mann gesehen. Ein lockerer Spruch oder ein Handtuch retten schnell und unkompliziert die Situation. Schlimm ist für Väter - übrigens auch für Lehrer, Erzieher oder Trainer - vor allem die Angst, etwas falsch zu machen und aus irgendwelchen Missverständnissen heraus, des sexuellen Missbrauchs oder der unsittlichen Annäherung beschuldigt zu werden.

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