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Falsche Freunde der Kinder: So reagieren Eltern richtig

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Freundschaften  

Falsche Freunde

16.07.2010, 12:19 Uhr | Simone Blaß, ddp, t-online.de

Falsche Freunde der Kinder: So reagieren Eltern richtig. Zwei Jungs mit Alco-Pops.

Was tun, wenn sich das Kind mit dubiosen Freunden einlässt? (Bild: imago) (Quelle: imago)

Es ist eine Tatsache, mit der man sich abfinden muss: Ab einem bestimmten Alter sind nicht mehr die Eltern der Mittelpunkt des kindlichen Lebens, sondern die Freunde. Und da kann man schnell an die "Falschen" geraten. Für Eltern eine schwierige Situation, die viel Fingerspitzengefühl und Verständnis erfordert.

Vorurteile von Elternseite spielen eine große Rolle

Die Möglichkeit an falsche Freunde zu geraten, zieht sich durch das ganze Leben. Bereits kleine Kinder sind davon betroffen. Freundschaften im Kindergartenalter sind aber meist nicht von Dauer, nach ein paar Tagen können sich hier die Prioritäten schon wieder verschoben haben. Und spätestens mit dem Schuleintritt verlieren sich viele Kindergartenfreundschaften sowieso. Bewundert ein Kleinkind also einmal ein anderes, das einem persönlich nicht so zusagt, so kann man das in diesem Alter normalerweise beruhigt aussitzen, denn die Sache wird sich voraussichtlich schnell von alleine regeln. Und währenddessen könnte man sich ein paar Gedanken dazu machen, warum die eigene Tochter, der eigene Sohn sich gerade dieses Kind als Freund ausgesucht hat. Bisweilen wird man dadurch nämlich auch dazu gezwungen, mit den eigenen Vorurteilen ins Gericht zu gehen. Ein Kind sieht ein anderes Kind mit ganz anderen Augen als wir Erwachsene und davon kann man durchaus profitieren.

Für Grundschulkinder sind soziale Kontakte sehr wichtig

Die Diplompsychologin Elfriede Schweinzer geht davon aus, dass Kinder außerdem selbst lernen müssen, was gut für sie ist und was nicht. "Die Bedürfnisse der Kinder und der Eltern unterscheiden sich und dies schon seit Generationen. Die Wertehaltungen sind unterschiedlich genau wie auch die Kriterien, nach denen man sich Freunde aussucht. Wir müssen und wollen auch aus eigenen Erfahrungen lernen und man lernt eben auch aus schlechten Erfahrungen, was gut für einen ist." Die Leiterin der Erziehungsberatungsstelle Roth/Schwabach ist sich sicher, dass keiner davor gefeit ist, an falsche Freunde zu geraten. "Wir leben in einer wirklichen Welt und da gibt es sicherlich Menschen, die absolut nicht gut für uns sind, die uns ausnutzen wollen, die uns für ihre Zwecke benutzen, denen unsere Bedürfnisse, unser Wohl nicht am Herzen liegen." Ist ein Kleinkind noch sehr auf sich und seine eigenen Bedürfnisse bezogen, so setzen Grundschulkinder bereits andere Prioritäten. Soziale Kontakte und enge Freundschaften bekommen eine ganz neue Dimension und entscheiden unter anderem durchaus auch über die Beliebtheit im Klassenverbund. Gemeinsame Geheimnisse, Bandenbildung und das Dazugehören zum "Wir" stehen jetzt im Vordergrund, da kann das Kind schnell mal an jemanden geraten, der es nicht gut mit ihm meint und es zum Beispiel ausspielt. Doch auch das gehört zum Reifungsprozess dazu.

Wie sollten Eltern reagieren?

Grundsätzlich sollte man die Freunde seiner Kinder nicht bewerten und auch ein bisschen Vertrauen darauf haben, dass das eigene Kind einen guten Grund für genau diese Freundschaft hat. Bemerkt man aber, dass es dem Kind dabei nicht mehr gut geht, so darf man auch eingreifen. "Auf alle Fälle sollte man sein Kind darauf aufmerksam machen, wenn man davon ausgeht, dass von diesem Freund eine Gefährdung ausgeht. Als Elternteil ist man schließlich der Garant für die Realität, für Erfahrungspotenzial und sollte dies seinem Kind auch zugänglich machen. Die Frage ist nur immer die nach dem 'Wie'. Verbote bringen gar nichts, sie schaffen höchstens einen noch größeren Anreiz. Und je älter die Kinder werden, desto mehr drängen Verbote in die Opposition. "Besser ist es, zuzuhören, zu hinterfragen, neue Freunde auch mal zu sich nach Hause einzuladen und zu versuchen, sie neutral kennenzulernen", so Elfriede Schweinzer.

Neutral bleiben

Auch in Streitsituationen sollte man sich nicht einmischen, vor allem nicht wertend. Selbst dann, wenn man eigentlich der Meinung ist, dem Kind könne nichts Besseres passieren, als diesen "Freund" los zu sein. Der bekannte Erziehungsberater und Autor Jan-Uwe Rogge hat das einmal in einem Interview mit "Focus Schule" wie folgt zusammengefasst: "Frustrationen gehören zu Freundschaften nun mal dazu. Kinder müssen lernen, damit umzugehen. Und da ist es wenig sinnvoll, wenn die Mutter die Rächerin der entehrten Tochter oder des gekränkten Sohnes spielt. Man sollte das Kind trösten und seine Trauer nicht kleinreden. Man sollte nicht sagen: Jetzt musst du da nicht mehr hingehen. Wenn es sich allerdings über längere Zeit zieht und Mobbing-Tendenzen erkennbar werden, muss man mit dem Kind darüber reden, wie es sich wehren kann. Eingreifen heißt nicht, das Problem für das Kind zu lösen, sondern gemeinsam mit ihm nach passenden Lösungswegen zu suchen.

Zeige mir, mit wem du gehst und ich zeige dir, wer du bist

Äußerlichkeiten und Gerüchte sollten außen vor bleiben. Auch die eigenen Begriffe von Freundschaft auf Kinder- und Jugendfreundschaften zu übertragen wäre der falsche Ansatz. Damit die Wahl des Freundeskreises nicht zum Druckmittel den Eltern gegenüber wird, ist es besser, sich vor allem bei Teenagern zurückzuhalten. Denn wenn man Verbote anbringt, dann muss man damit rechnen, dass die Treffen entweder heimlich stattfinden oder aus Trotz ein "Kampfschauplatz" entsteht. Jan-Uwe Rogge ist sogar überzeugt davon, dass falsche Freunde hin und wieder für die Entwicklung notwendig sind. "Durch sie wird die Richtigkeit der elterlichen Normen und Werte bewiesen. Man darf als Vater oder Mutter durchaus klarmachen, dass man bestimmte Usancen (Bräuche, Gewohnheiten) im Freundeskreis, etwa das Rauchen oder Trinken, ablehnt. Aber wenn man die Freundschaft deswegen verböte, würde man den Kontakt zum Kind verlieren."

Wenn es kritisch wird

Kiffen, Prügeln, Extremismus - im Jugendalter kommen noch ganz andere Aspekte zum Thema "falsche Freunde" dazu. Hausarrest, angedrohte Sanktionen - Druck jeglicher Art ist sinnlos. "Da der Jugendliche eine eigene Identität herausbilden will, wird er erst recht Kontakt zu diesem Freund, dieser Clique suchen", da ist sich die Psychologin sicher. "Hier hilft eher Gespräch, Aufklärung und bei starker Bedrohung der gemeinsame Besuch einer Erziehungsberatungsstelle, um beim Jugendlichen selber die Einsicht zu erzeugen, was wirklich gut für ihn ist, um ihm  zu helfen, sein Selbstbewusstsein zu stärken." Denn falsche Freunde, die übrigens heutzutage auch verstärkt im Netz auftauchen, können Kinder und Jugendliche massiv überfordern. Es fehlt an der nötigen Lebenserfahrung, um sich zu schützen. "Für Jugendliche ist es dann gut zu wissen: Wenn ich mit einer Situation überfordert bin, kann ich zu meinen Eltern gehen und mit ihnen die Situation analysieren.“ Eine solche Vertrauensbasis ist der beste Schutz.

Aufklärung und Hilfe

"Um sein Kind vor negativen Einflüssen aus der Clique zu schützen, ist es notwendig, ihm so viel Aufklärung wie möglich anzubieten", sagt Frank Hofmann, Leiter der Erziehungsberatungsstelle am Domplatz in Braunschweig. Neben Filmen und Gesprächen in Beratungsstellen könne dafür auch die Hilfe der Lehrer in Anspruch genommen werden. "Man kann in der Schule darum bitten, dass dieses spezielle Thema demnächst im Unterricht diskutiert wird", sagt Hofmann. So würden die Informationen direkt an den Teenager herangetragen. "Auch andere Jugendliche sind hier ein gutes Korrektiv", sagt der Diplom-Psychologe. Eltern könnten versuchen, dies zu nutzen und ihr Kind mit anderen Kreisen in Kontakt zu bringen - beispielsweise im Verein oder durch politisches Engagement. "Man kann dem Jugendlichen hier Angebote machen oder ihn ermuntern, selbst nach Alternativen für seine Freizeitgestaltung zu suchen." Ein Kontaktverbot sollte nicht die erste Reaktion sein. Hofmann empfiehlt, seinem Kind erst einmal zuzuhören und zu versuchen, sich ein Bild von den Leuten zu machen, mit denen es sich umgibt. "Falls aber all das nichts hilft, würde ich meinem Kind auch durchaus verbieten, sich mit diesen Leuten zu treffen", betont der Erziehungsberater.

Was steckt dahinter?

Schließlich hätten Eltern die Aufgabe, ihr Kind zu beschützen. Oft suchten Menschen, die in extremistische Organisationen hineinrutschten, eigentlich Halt und Vorbilder. "Möglicherweise können Eltern dafür sorgen, ihrem Kind diesen Halt zumindest jetzt wieder zu bieten", sagt Hofmann. Wenn Eltern völlig den Kontakt verlieren, gebe es meistens auch schon vorher Probleme in der Eltern-Kind-Beziehung. Eine Erziehungsberatungsstelle kann in solchen Fällen unter Umständen helfen, das Gespräch zwischen Eltern und Kindern wieder aufleben zu lassen.

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