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Grundschule: Jahrgangsübergreifendes Lernen in gemeinsamen Schulklassen

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Schulen  

Gemeinsame Klassen in der Grundschule

16.11.2009, 11:19 Uhr | nak

Grundschule: Jahrgangsübergreifendes Lernen in gemeinsamen Schulklassen. Zwei Mädchen lernen gemeinsam.

Jahrgangsübergreifendes Lernen fördert ältere und jüngere Kinder. (Bild: Imago)

Was ist jahrgangsübergreifendes Lernen, fragen sich viele Eltern, wenn die Diskussion um die Grundschule losgeht. Da das Bildungswesen Ländersache ist, gibt es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Lernformen. Und die Unterschiede beginnen bereits in der Grundschule. Länder wie Berlin und Brandenburg kennen neben dem alt bekannten auch das jahrgangsübergreifende Lernsystem. So können dort Schulanfänger mit älteren Kindern gemeinsam den Unterricht besuchen. Aber welche ist die richtige Unterrichtsform für das eigene Kind?

Schüler stehen im Mittelpunkt

Um diese Frage zu beantworten, muss man wissen, wie das jahrgangsübergreifende Lernen, kurz "JüL" funktioniert. Im Mittelpunkt steht ein schülerzentrierter Unterricht. Die Kinder lernen miteinander und vor allem auch voneinander, indem sie sich zum Beispiel gegenseitig motivieren und anregen. Ältere Kinder helfen Jüngeren, erklären Sachverhalte mit eigenen Worten, was die Kleinen oft besser verstehen. Den Schulanfängern wird der Einstieg erleichtert, indem die Älteren ihnen alles Neue erklären. Doch auch die älteren Kinder profitieren von dieser Form des Unterrichts, weil sie den Stoff, den sie in eigenen Worten erklären, selbst besser speichern.

Rolle des Lehrers

Frontalunterricht, wie ihn die meisten Eltern noch aus ihren eigenen Schultagen kennen, gibt es bei Jül nicht. Die Rolle des Lehrers ist im Wesentlichen eine motivierende und beratende. Er begleitet und fördert den Schüler. Dafür stellt er für jedes Kind unterschiedliche Lernmaterialien bereit, die seinem jeweiligen Kenntnisstand entsprechen. Der Lehrer hat beim jahrgangsübergreifenden Unterricht vor allem die Aufgabe die Selbstverantwortung des Lernens bei jedem Kind zu stärken. Mehr Selbständigkeit und Projektarbeit heißt nämlich für das Kind auch, dass es selbst dafür verantwortlich ist, wie viel es lernt. Der Lehrer muss hierbei immer eine positive, ermutigende Rolle übernehmen und das Kind in seinem Arbeiten unterstützen und bestärken.

Unterschiedliche Ansätze

Doch wie setzen sich dann die Klassen zusammen? Je nach Ansatz kann der jahrgangsübergreifende Unterricht in drei verschiedenen Formen stattfinden:

Das Eingangsstufenmodell: Hierbei sind die ersten und zweiten Klassen zusammen und bilden somit eine altersgemischte Gruppe, die sogenannten Jahrgangsklassen. Jedes Jahr kommt in diese Schulanfangsphase eine neue Gruppe von Kindern hinzu, während die Hälfte dieser Klasse in die dritte Klasse versetzt wird.

Die vollständige Jahrgangsmischung: Bei diesem Modell werden alle Klassen miteinander vermischt. Jedes Jahr verlassen einige Schüler eine Gruppe um zu einer höheren aufzusteigen, während dann wieder neue Schüler zur alten Gruppe stoßen.

Das Zweistufenmodell: Hier werden jeweils die ersten und zweiten Klassen sowie die dritten und vierten Klassen miteinander gemischt. Ein Gruppenwechsel kann hier alle zwei bis drei Jahre stattfinden, je nach Entwicklungsstand eines Kindes.

Kritiker sprechen von Unterforderung

Eltern aus Bundesländern mit traditionellem System sehen das jahrgangsübergreifende Lernen dennoch skeptisch. Kommt das eigene Kind zu kurz, weil es ständig unterfordert ist oder weil es als "Aushilfslehrer" fungiert? Kritiker befürchten, dass Lernlücken, die die Kinder haben, nicht erkannt werden. Was bei einigen Eltern für Unverständnis sorgt, finden andere super. Gerade im Grundschulalter gibt es bei jahrgangsgemischten Klassen in Berlin nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gute Erfolge. Sie hält die Jahrgangsmischung in der Schulanfangsphase "für eine pädagogisch sinnvolle Organisationsform, weil sie der ohnehin vorhandenen Leistungsheterogenität eher entspricht als die Einrichtung von Jahrgangsklassen". Dennoch finden viele Eltern und Lehrer noch mehr Argumente für den jahrgangsübergreifenden Unterricht in der Grundschule.

Förderung der sozialen Beziehungen

Die Kinder können anknüpfen an die altersgemischte Gruppenerfahrung aus dem Kindergarten und dem vorschulischem Lebensumfeld. Auch die Sozialbeziehungen unter Kindern unterschiedlichen Alters werden ermöglicht. Die Schüler können unterschiedliche Positionen und Rangplätze innerhalb der Lerngruppe einnehmen. Dabei ist die Rollenzuschreibung durch die jährliche Umorganisation variabel. Die jahrgangsälteren Kinder können bewusst die eigene Entwicklung im Vergleich zu den neu eingeschulten Kindern erleben. Sie werden häufig zu Paten ernannt, die den jüngeren Schülern helfen, sich im Schulalltag einzuleben. Noch bieten nicht alle Länder bieten das neue System an. Aber gerade in Ländern wie Berlin, Brandenburg und Bremen können die Eltern durch die Wahl der Grundschule auch das geeignete System wählen.

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