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Patchwork-Familien wachsen zusammen: Gestern Fremde - heute Geschwister

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Gestern Fremde - heute Brüder

04.01.2010, 09:00 Uhr | dpa

Patchwork-Familien wachsen zusammen: Gestern Fremde - heute Geschwister. Vier Kinder am Strand.

Patchwork-Familien: Wie werden aus Fremden Geschwister? (Bild: Imago)

Für Kinder ist die Scheidung der Eltern schon schlimm genug, noch schlimmer wird es, wenn sie sich plötzlich an eine neue Familie gewöhnen sollen. Patchwork-Familie bedeutet: ein neuer Elternteil und neue Geschwister. Vielleicht sogar ein neues Zuhause, ein neues Zimmer, eine neue Welt. Klar, dass die Umstellung nicht leicht fällt. Doch mit etwas Glück und gutem Willen können neue Geschwister zu Freunden werden.

Patchwork-Familien: Fremde prallen aufeinander

Am Anfang sind die neuen Brüder und Schwestern aber vor allem eins: Fremde. Da sollten seitens der Eltern die Erwartungen runtergeschraubt werden. "Die Ordnung der Kinder gerät nun einmal durcheinander. Sie wissen nicht mehr, wo ihr Platz in der neuen Familie ist", sagt die Diplom-Psychologin Katharina Grünewald in Köln. Sie berät Patchwork-Familien und weiß: Neue Geschwister haben es miteinander gerade zu Beginn der Familiengründung nicht leicht. "Oft ist das Gefühl da, die Neuen würden einem selbst etwas wegnehmen. Sei es den leiblichen Elternteil oder ein Zimmer, das man früher für sich selbst hatte", erzählt Grünewald. Dieses Gefühl verschwindet leider nicht von heute auf morgen. Die Kennenlern-Phase braucht daher viel Zeit. Rituale, wie das gemeinsame Abendessen, können die neue Familie zusammenschweißen udn bilden den Rahmen, Probleme zu besprechen.

Rituale schweißen zusammen

Doch wie kommt man an die neuen Geschwister heran? Kornelia Schöning rät zu gemeinsamen Aktivitäten. "Jeder kann vielleicht mal das Hobby des Anderen ausprobieren. Eventuell entwickelt sich dadurch ja ein gemeinsames", sagt die Familientherapeutin in Zorneding (Bayern). Oder man probiert einfach etwas ganz Neues aus. Wer sich dagegen beleidigt in sein Zimmer verzieht, verpasst die Chance, neue Freunde zu finden. "Überleg dir einfach: Dem Anderen geht es vielleicht auch nicht besser. Der befindet sich in einer ähnlichen Lage wie du", rät Beate Friese von der Nummer gegen Kummer in Wuppertal. Immerhin kann man gemeinsam mit den neuen Geschwistern eine Art Front gegen die Erwachsenen bilden. Und wenn man sich wirklich nicht leiden kann? "Dann sollten Jugendliche ihre neuen Geschwister zumindest respektieren und nicht beleidigen. Immerhin ist das Familienleben zeitlich begrenzt. Solange sollte man es sich nicht selbst schwer machen."

Exklusiv-Zeiten vereinbaren

Gibt es zu Hause aber nur Zoff, redet man besser mit dem leiblichen Elternteil darüber. "Schon vor der eigentlichen Familiengründung sollte der Jugendliche genau hinterfragen, was sich ändern wird und was nicht. So bekommt er eine Idee von der neuen Familie und wird nicht vor den Kopf gestoßen", sagt Schöning. Außerdem hilft es, eine Exklusivzeit mit der Mutter oder dem Vater zu vereinbaren. Das kann Eifersucht auf die neuen Geschwister mindern. Bei allem Ärger und Streit muss Jugendlichen aber auch klar sein: "Ihre Eltern haben ein Recht darauf, glücklich zu sein. Trennungen gehören leider zum Leben dazu", erklärt Friese. "Mauern und sich immer verdrücken macht die Situation nicht besser. Es kann helfen, sich mit der besten Freundin hinzusetzen und ihr mal zu erzählen, was einen wirklich stört" Im nächsten Schritt könnten diese Probleme mit der Familie besprochen werden. Und bei dieser Gelegenheit bietet es sich an, dass die zusammen gewürfelten Familienmitglieder gemeinsam neue Regeln aushandeln.

Stiefeltern oder neue Lebensgemeinschaft

Ruft ein Kind: "Du hast mir nichts zu sagen, du bist nicht mein Vater", sollten Stiefeltern sofort reagieren. Wichtig sei zum einen, deutlich zu machen, dass es stimmt: Sie sind nicht die leiblichen Eltern und wollen auch nicht die Rolle übernehmen. Der abwesende Elternteil bleibt der Papa. Stiefeltern sollten aber auch sagen: "Wir sind eine neue Lebensgemeinschaft", rät Karin Jacob von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth. Zur neuen Lebensgemeinschaft gehören Elternteil, Stiefelternteil und Kind. Damit das Zusammenleben funktioniert, braucht es Absprachen und vor allem gegenseitige Wertschätzung und Rücksichtnahme. Dazu sei es notwendig, dass sich alle zusammensetzen und jeder, auch das Kind, seine Ideen für das Zusammenleben schildert, erklärt die Diplom-Psychologin. Ziel sei, Spielregeln zu finden, die alle fair finden und einhalten wollen. Wenn es möglich ist, sollte der abwesende Elternteil einbezogen werden. Haben alle Elternteile eine gemeinsame Haltung, ist das für das Kind klarer und leichter zu respektieren, so Jacob.

Streit ist in Familien normal

Die meisten Streitereien gibt es übrigens auch in ganz normalen Familien. Und ohne sie würden Familien womöglich gar nicht funktionieren. "Es ist wichtig, für seine Interessen zu kämpfen. Das ist wie ein Boxkampf, aber mit Regeln. Niemand kann rausfliegen und Tritte unter die Gürtellinie sind verboten. Solche Machtkämpfe können durchaus etwas bringen", sagt Grünewald. Streit ist also wichtig. Geht es einmal zu hitzig zur Sache, sollten sich die Streithähne eine Auszeit gönnen. "Sich mal zwei Stunden einer anderen Sache widmen und einen klaren Kopf bekommen. Das lässt die Emotionen abkühlen", rät Kornelia Schöning.

Nervige Nesthäkchen

Noch einmal schwieriger wird die Situation, wenn ein Baby in die Familie hineingeboren wird. "Das Nesthäkchen entthront die Älteren dann gewissermaßen", sagt Katharina Grünewald, Diplom-Psychologin in Köln. Um sich nicht fehl am Platz zu fühlen, könne es helfen, wenn die Geschwister Verantwortung für das neue Kind übernehmen.

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