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Lügen  

Wenn Kinder mit dem Lügen anfangen

21.05.2010, 12:28 Uhr | rev, t-online.de

Kindererziehung: Wenn Kinder mit dem Lügen anfangen. Verschmitzt blickendes Mädchen.

Lügt ein Kind überzeugend, hat es gute Erfolgschancen als Erwachsener. (Bild: Imago)

Es fehlen zehn Euro im Portmonee, die Schokolade aus dem Süßigkeiten-Versteck ist verschwunden und irgendjemand hat sich doch am PC zu schaffen gemacht: Wenn man dann aber nachfragt, ist das alles mal wieder keiner gewesen. Stattdessen heißt es nur mit unschuldiger Mine: "Ich war´s nicht, Mama!" Doch Eltern wissen häufig ganz genau, wann ihre Kinder nicht die Wahrheit sagen. Wie sie damit allerdings am besten umgehen sollen und was die Gründe für die Lügerei sind, sind zwei andere Fragen. Wir nennen zehn Tipps, wie Eltern am besten mit den kleinen Schwindlern umgehen.

Lügen als Teil der kindlichen Entwicklung

Ab dem vierten Lebensjahr beginnen Kinder meistens mit dem Lügen. Eltern erleben das dann als Vertrauensbruch. Aber vermeiden lässt es sich kaum: Wie amerikanische Verhaltensforscher beobachtet haben, lügt der durchschnittliche Vierjährige alle zwei Stunden, der durchschnittliche Sechsjährige sogar alle eineinhalb Stunden. Erschreckende Zahlen, doch was hinter dem Schwindeln steckt, ist eigentlich eine Entwicklung, die durchaus positiv bewertet werden darf. Wenn nämlich Kinder mit dem Lügen anfangen, heißt das, dass sie nun gelernt haben, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und die Perspektive eines anderen einzunehmen - sich einzufühlen. Sie wissen nun auch, dass andere Menschen nicht unbedingt den gleichen Kenntnisstand haben wie man selbst und das lässt sich natürlich ausnutzen. Das ist die Vorraussetzung für eine Lüge. Entwicklungspsychologen gehen sogar davon aus: Je intelligenter ein Kleinkind ist, umso früher beginnt es mit dem Lügen. In jedem Fall darf Lügen Lernen als ein wichtiger Bestandteil der kindlichen Entwicklung gesehen werden.

Warum Kinder schwindeln

Was aber sind die häufigsten Gründe, aus denen Kinder in bestimmten Situationen zum Mittel der Lüge greifen?

- Kindergartenkinder können häufig nicht richtig zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. Deshalb erfinden sie gerne Geschichten oder übertreiben maßlos, wenn sie etwas berichten. Außerdem bringen sie oft die zeitliche Reihenfolge von Geschehnissen durcheinander und schmücken dann ihre Erzählungen nach eigenen Wünschen und Fantasien aus.

- In vielen Fällen lügen Kinder aus Angst vor Strafen: Natürlich macht jedes Kind hin und wieder etwas, was es nicht tun sollte - und das ist dem Kind auch bewusst. Das können Streiche sein oder auch Kleinigkeiten: Zum Beispiel es geht etwas beim Spielen kaputt oder etwas wird vergessen und liegen gelassen. Viele Kinder neigen dazu, die Konsequenzen ihres falschen Handelns viel schlimmer einzuschätzen, als sie wirklich sind und reagieren dann, indem sie lügen. Das sollte von Eltern nicht überbewertet werden. Wenn das Kind allerdings nie einen Fehler zugeben kann und die Schuld immer auf andere schiebt, ist es womöglich sinnvoll, sich Gedanken zu machen, ob der eigene Erziehungsstil nicht vielleicht zu streng ist. Gleiches gilt für zu hohe Ansprüche an die Kinder: beispielsweise beim Thema Schulnoten.

- Kinder lügen aus Höflichkeit und Rücksichtnahme - allerdings lernen sie das hauptsächlich von den Erwachsenen. Kinder bekommen leicht mit, wenn Eltern Termine wegen angeblicher Krankheit absagen oder Komplimente vergeben, die gar nicht zutreffen. Dass sich Kinder diesem Verhalten der Eltern nach und nach anpassen, haben Umfragen gezeigt: Während kleinere Kinder (zirka sechs Jahre) aus Höflichkeit fast nie schwindeln, akzeptiert der Großteil schon etwas älterer Kinder (zirka zehn Jahre und älter) Unwahrheiten aus Gründen der Rücksichtnahme.

- Schon sehr früh bekommen Kinder mit, dass wir in einer leistungsorientierten Gesellschaft leben, in der bestimmte Statussymbole und Fähigkeiten Anerkennung verschaffen. Auch deshalb lügen viele Kinder und erzählen, welche tollen Dinge sie besitzen und was sie alles können, obwohl das in manchen Fällen gar nicht stimmt.

Wie reagieren Eltern richtig?

Da Kinder normalerweise noch nicht die Vertuschungsmethoden der Erwachsenen beherrschen, erwischen Eltern ihre Kinder beim Schwindeln meistens ganz schnell. Dann ist es am besten, wenn sie das Thema direkt, aber behutsam ansprechen. Für gewöhnlich ist die Scham des Kindes, wenn die Lüge auffliegt, so groß, dass ein Satz wie "Ich weiß, dass das nicht stimmt" ausreicht, bis der kleine Schwindler sich wieder beruhigt hat. Die Eltern sollten nicht mit Bestrafung oder Wut reagieren. Das führt schlimmstenfalls dazu, dass das Kind aus Furcht künftig noch weit seltener die Wahrheit sagen wird. Stattdessen sollte dem Kind klar gemacht werden, dass es den Eltern alles erzählen kann, was ihm auf dem Herzen liegt, ohne dafür verurteilt zu werden. Wie allerdings schon deutlich wurde, ist die Sache für Eltern nicht immer ganz unkompliziert: Einerseits wird in Familien meistens Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit groß geschrieben, andererseits werden Eltern diesem Anspruch selbst nicht immer gerecht. Erwachsene sollten sich überlegen, inwieweit sie ihre Vorbildfunktion erfüllen und gegebenenfalls auch an sich arbeiten - sonst könnten sie schnell an Glaubwürdigkeit einbüßen.

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