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Karneval in Rio: Siebenjährige als Samba-Queen?

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Siebenjährige als Samba-Queen?

11.02.2010, 11:55 Uhr | mmh, dapd, t-online.de, dpa

Karneval in Rio: Siebenjährige als Samba-Queen?. Júlia, eine siebenjährige Samba-Tänzerin aus Rio de Janeiro im knappen Samba-Kleid.

Die siebenjährige Júlia ist jetzt bei der Parade zusammengebrochen. (Bild: dpa)

Karneval in Rio, Samba, heiße Nächte - sicherlich wunderschön, aber nichts für kleine Kinder. Oder doch? In der Samba-Hochburg soll jetzt ein siebenjähriges Mädchen als "Samba-Queen" der berühmtesten Samba-Schule der Welt das Karnevals-Defilee anführen. Eigentlich ist diese Rolle jungen Frauen vorbehalten, die vor allem eines sollen: Sex-Appeal ausstrahlen. Sogar Gerichte befassten sich mit dem Thema. #

Siebenjährige als Samba-Queen

Schon eine Woche vor Beginn der heißen Phase des Karnevals in Rio de Janeiro steht "Samba-Queen" Júlia in den Schlagzeilen. Dabei geht es mitnichten um Skandale oder Skandälchen, sondern nur um eins: ihr Alter. Die erst Siebenjährige soll am kommenden Wochenende bei dem weltberühmten Defilee der wichtigsten Sambaschulen in Rios Sambódromo die Gruppe "Unidos do Viradouro" anführen, deren Präsident ihr Vater Marco ist. Die Wahl des Mädchens ist umstritten, den eigentlich ist die Rolle der "Samba- Königin" jungen Frauen vorbehalten, die mit viel Sexappeal und möglichst knapper Kleidung zu heißen Sambarhythmen ihren Gruppen vorweg tanzen.

Gerichtsentscheid über Auftritt

Der umstrittene Auftritt der siebenjährigen Samba-Queen beim Karneval in Rio ist jetzt genehmigt. Das mit dem Fall befasste Familiengericht habe der Teilnahme des Mädchens an der Parade zugestimmt, teilte Samba-Schule Viradouro mit. Das Vorhaben der Gruppe Viradouro, die siebenjährige Julia leichtbekleidet als Vortänzerin auftreten zu lassen, hatte Kinderschutzbehörde auf den Plan gerufen. Traditionell ist die Rolle der Samba-Queen Models und Schauspielerinnen vorbehalten. "Wir haben nichts dagegen, dass Kinder beim Karneval dabei sind", argumentierte der Leiter der Kinderschutzbehörde, Carlos Nicodemos. "Was wir nicht zulassen können, ist, dass eine Siebenjährige eine Rolle spielt, die stark sexualisiert ist."

Fall für das Gericht

Der Fall beschäftigt auch das Jugend- und Kindergericht der brasilianischen Stadt. Es prüft, ob es angebracht ist, dass Júlia in einer solch exponierten Rolle am Karneval teilnimmt. Dabei geht es nicht um die gewünschte Teilnahme von Kindern am Karneval in Rio. Die Befürchtung ist vielmehr, dass die üblichen Attribute einer Samba-Queen, eben Erotik und Sinnlichkeit, auf ein erst sieben Jahre altes Mädchen übertragen werden könnten, das diese Dimension noch nicht erfassen kann. Júlias Eltern sind fassungslos. Sie wollen ihrer Tochter die hochbegehrte Rolle der "Rainha de bateria" nicht verwehren und können den Wirbel nicht verstehen.

Kindlichkeit als Trumpf

Denn Júlia soll sich eben genau dadurch unterscheiden, dass sie nicht wie die anderen Samba-Queens fast nackt durchs Sambódromo steppt, sondern im Gegenteil. Sie soll vor allem durch ihre Kindlichkeit der Truppe von "Unidos do Viradouro" wichtige Punkte bringen im heiß umkämpften Wettstreit um die Krone von Rios bester Sambaschule. "Die Kinder sind die Zukunft der Sambaschulen", verteidigte ein Vereinsfunktionär die Rolle Júlias.

Altersgerechtes Auftreten

"Sie wird sich anziehen wie ein Mädchen ihres Alters... Ich würde meine Tochter doch nie in erotische Kleidung stecken", sagte Vater Marco. Auch Mutter Mônica betonte, dass Julia in einem kindgerechten Fantasiekostüm auftreten werde. "Wer auf ein Kind wie Júlia schaut ... und sagt, es gebe einen erotischen Bezug, der muss sehr krank sein." Das Motto von "Unidos do Viradouro" ist in diesem Jahr "Mexiko, Paradies der Farben unter dem Zeichen der Sonne". Die Kostüme sollen sich nach Medienberichten vom Wochenende vor allem an dem Fantasie-Piratenfilm "Fluch der Karibik" mit Jack Sparrow orientieren.

Star ausgestochen

Im Vergleich zu anderen "Queens" hat Júlia aber auch den Vorteil der Bescheidenheit. So war ursprünglich auch die mexikanische Sängerin und Schauspielerin Thalia als Königin der Sambaschule im Gespräch. Allerdings forderte sie nach Vereinsangaben unter anderem einen Privatjet, der sie von Mexiko-Stadt nach Rio und zurück bringen sollte, zehn Sicherheitsleute und die Unterbringung in einem Luxushotel. "Thalia verlangte all dies, um für die Schule aufzutreten. Wir können diese Übertreibungen nicht bezahlen", sagte Vater Marco. Mit derartigen Forderungen ist der Verein im Falle Júlias nicht konfrontiert. Nach den Proben habe Júlia nur ein Eis verlangt, berichtete die Mutter.

Umfeld entscheidend

Sicherlich ist es für das Kind einer Familie, die aktiv den Karneval mit gestaltet ganz selbstverständlich in solch eine Rolle zu schlüpfen. Das gilt vermutlich hierzulande für Funken-Mariechen in knappen Röckchen genauso, wie in Rio für Samba-Tänzerinnen. Doch in Rio knistert eben das gesamte Umfeld von Erotik und Sexappeal. Den Aussagen nach scheinen die Eltern des Mädchens sich der Problematik sehr wohl bewusst zu sein, und ihr Kind auch zu schützen, damit sie ihrem Alter entsprechend am Karneval teilnehmen kann. Denn junge Mädchen können die Signale, die ein Outfit aussendet, selbst oft noch gar nicht richtig einschätzen.

Outfits signalisieren

Junge Mädchen lieben Schminke und schöne Kleider. Viele Eltern machen sich jedoch Sorgen, dass ihre Kinder sich im Übermut zu aufreizend ausstaffieren und ungewollte Aufmerksamkeit auf sich lenken könnten. "Zum Erwachsenwerden gehört die Suche nach der eigenen Persönlichkeit und damit auch nach dem eigenen Stil. Man sollte den Kindern Raum lassen, ihre Wirkung auf andere, auch auf das andere Geschlecht, zu testen", sagt die Berliner Psychotherapeutin Sybille Herold. Kinder merken oft nicht, was sie mit einem Outfit signalisieren Habe man allerdings das Gefühl, dass ein Mädchen sich durch seinen Kleidungsstil gefährdet, müsse man eingreifen. "Kinder können oft nicht einschätzen, was sie mit ihrem Outfit signalisieren", stellt Herold klar. Sie rät Eltern, das Thema gezielt anzusprechen. "Man sollte das Mädchen fragen, ob es sich bewusst ist, dass knappe Kleidung auch von Erwachsenen als Aufforderung zur Kontaktaufnahme missverstanden werden kann", sagt Herold. Auch auf die Gefahr sexueller Übergriffe sollte man das Kind hinweisen und es darüber aufklären, wie es für seine Sicherheit sorgen kann.

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