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TV-Kritik zu "Menschen bei Maischberger": Erziehung als Nervenkitzel

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TV-Kritik: Menschen bei Maischberger  

"Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs?"

09.02.2010, 15:58 Uhr | mmh, t-online.de

TV-Kritik zu "Menschen bei Maischberger": Erziehung als Nervenkitzel . Sandra Maischberger und Rap-Star Bushido bei "Menschen bei Maischberg".

Bushido spricht bei "Menschen bei Maischberger" über die richtige Erziehung. (Bild: WDR)

Sind Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs weil die Erziehung so belastend ist?  Wenn ja, mit welchem Stil kann Erziehung  gelingen? Diesen Fragen ging die ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ unter dem Titel "Halt´s Maul, Alter! Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs?" nach. Auf jeden Fall gehören Liebe, Respekt, Toleranz und eine gewachsene Bindung als Grundlagen dazu, darin sind sich die höchstunterschiedlichen Gäste einig: Rapper Bushido, Disziplin-Anhänger Bernhard Bueb, die christlichen Fundamentalisten und Schulverweigerer Dudek, die „normale“ Mutter Ulrike Kriener und Erziehungsberater Jesper Juul. Doch meinen sie damit auch das selbe?

Rapper Bushido über Erziehung

Er ist ein Spießer, sagt Rapper Bushido über sich selbst. Und es fällt schwer zu glauben, dass der einstige „Staatsfeind Nummer eins“ so geläutert sein kann. Die gewaltverherrlichenden, aggressiven Texte seiner Lieder wurden regelmäßig indiziert, das heißt, sie durften nicht Kindern unter 18 Jahren zugänglich gemacht werden („...Bringe Terror in die Köpfe der Kinder ...“). In letzter Zeit ist er zahmer geworden. Gerade ist seine Filmbiographie „Zeiten ändern Dich“ in den Kinos angelaufen. Er wehrt sich gegen die Klischees, die ihm anhängen vom Schläger, durch dessen aggressive Musik die Jugend verroht. Der 31-jährige mit deutsch-tunesischer Abstammung aus dem Berliner Brennpunkt-Bezirk, lebt heute mit seiner Mutter in einem Haus in einer „guten“ Gegend. Seine Mutter hat ihm als 17-jährigen Schulabbrecher das Startkapital gegeben, um eine Karriere als Drogen-Dealer zu starten. Das findet Bushido gut. „Sie stand zu mir, auch wenn ich Fehler gemacht habe, auch wenn sie natürlich meine Texte nicht gut fand.“ Er sagt, „klar war mein Elternhaus behütet, meine Mutter hat mich wie eine Löwin verteidigt“. Sie habe immer Kontakt zu ihm gesucht, egal ob die Dinge legal waren. „Ich will nicht sagen, dass es gut war, aber ich habe frei entschieden, dass es so war.“ Er hat es geschafft, vom Schulabbrecher zum Millionär. Er sagt; „Erziehungsratgeber sind Prothesen für Eltern, ich brauche die nicht.“ Wichtig ist ihm "Respekt". Bushido verwendet den Begriff fast inflationär, er meint damit Achtung, vor der Mutter genauso wie vor einem gefährlichen "Gangsta", also dann eher Angst. Bei einem konservativen Pädagogen wie Bueb klingt Respekt nach Würdigung, nach Anerkennung einer Autorität.

Sehnsucht nach Disziplin

 

Ihm sitzt als Gesprächspartner Bernhard Bueb gegenüber, der als Leiter des Elite-Internats Salem beispielsweise Drogen-Tests unter den Schülern einführte, „um die Kinder zu schützen“, wie er sagt – „um den Ruf der Schule zu schützen“, wie Bushido ihm vorwirft. Bueb glaubt, die heutigen Kinder „sind einiges gewohnt, die können mit solchen Texten umgehen“. Bernhard Bueb ist ein Anhänger von Disziplin, Hierarchien, Autorität. Sein jüngstes Buch trägt den Titel „Lob der Disziplin“. Natürlich stammt der 71-jährige aus einer anderen Generation, die Hierarchien und Autorität oft ungefragt anerkannt hat. Respekt wurde hier oft mit Angst und Gehorsam gleichgesetzt. Hinter den Beziehungen stand eher  Misstrauen als Vertrauen. Er glaubt, dass Kinder eine Sehnsucht nach Autorität haben, ein Bedürfnis nach Hierarchie, nach Erziehung

Emanzipatorischer Ansatz

Emanzipatorisch ist der Ansatz der „normalen“ Mutter Ulrike Kriener. Die 55-jährige Schauspielerin vertraut darauf, dass die Bindung zu ihrem 15-jährigen Sohn, die sich als Summe über die Jahre aufgebaut hat, als Basis trägt, auch in Erziehungskrisen. Sie selbst ist mit 17 Jahren aus dem gutbürgerlichen Elternhaus „abgehauen“, trotzdem „funktionierte die Bindung zu den Eltern“. Sie sagt: „Ich hatte Glück, bei diesem Gang über dünnes Eis, hätte auch viel schief gehen können.“ und erntet dafür Zustimmung von Bushido: „Das hätte meine Mutter jetzt auch so gesagt.“

Mühsamer Dialog

Solche Gemeinsamkeiten mussten der „Lichtgestalt der modernen Pädagogik“, Jesper Juul zusagen. Er setzt auf Dialog, auch wenn der mühsam ist. Er arbeitet als Familientherapeut weltweit mit überforderten Eltern. Sein Tipp für Erziehung und  Eltern-Kind-Beziehung: Minimaler Schaden für die Kinder, maximales Vorbild. Strafe funktioniert nicht, nur Dialog. „Die Frage, die die Beziehung auf die Probe stellt, heißt, 'was machen wir, wenn die Kinder nicht mehr gehorsam sind?'. Eine Kopie von Erziehungsstilen kann jeder, aber der entscheidende Punkt ist: Wollen wir Recht haben oder eine Beziehung?“ Seine Überzeugung: Wir brauchen nicht mehr Disziplin. „Strafe bedeutet Demütigung" - und Gehorsam zerstöre Menschen, statt sie zu erziehen.

Gottvertrauen als Basis

Rosemarie und Jürgen Dudek sind als „Schulverweigerer vor Gericht“ bekannt geworden. Ihre sieben Kinder erziehen die 42-Jährigen zu Hause. Sie sind Eltern und Lehrer zugleich. „Kinder einfach machen lassen, ist verantwortungslos“, sagen sie. Ihr Erziehungsratgeber ist die Bibel. Sie haben weder Fernsehen noch Zeitschriften im Haus. Dennoch glauben sie, dass ihre Kinder nicht isoliert aufwachsen, nur isoliert von schlechten Einflüssen, denn nicht jedes Vorbild sei gut. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder durch Einflüsse der heutigen Gesellschaft, beispielsweise ausgesetzt in der staatlichen Schule, verrohen.„Besteht nicht Erziehung aus mehr als aus Schulnoten, lernt man nicht auch vom sozialen Umfeld?“ fragt Bushido nach, der betont, wie sehr er diese Leistung der Dudeks respektiere. Nehme man damit Kindern nicht die Möglichkeit, selbst den eigenen Weg zu suchen, wundert sich Maischberger. Die Dudeks  selbst hatten in ihrer Jugend rebelliert, das wollen sie den Kindern ersparen.

Keine Standardrezepte

Haben also Bushido und normale Eltern wie Kriener doch so viel gemeinsam? Zumindest lässt sich Erziehung nicht verallgemeinern, nicht auf Patentrezepte reduzieren. Prägend ist auch die eigene Erziehung, die die Eltern durchlaufen haben. Wichtig ist allen, eine Bindung aufzubauen, die als Summe über all die Jahre, auch in Krisen die Beziehung festigt. Kinder brauchen Raum, um eigene Fehler zu machen und eigene Entscheidungen zu treffen, ein Punkt, den die Gäste bei der fundamentalistisch-christlichen Familie Dudek vermissen.

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