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Wie viel Förderung ist für Kinder sinnvoll und wie viel ist zuviel?

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Kinder sollen perfekt sein  

Unterliegen Eltern einem Förderwahn?

27.09.2013, 17:37 Uhr | Simone Blaß, dpa, t-online.de

Wie viel Förderung ist für Kinder sinnvoll und wie viel ist zuviel?. Musikalische Frühförderung, Logopädie gegen Lispeln, Psychotherapie bei kleinsten Verhaltensauffälligkeiten - manche Eltern übertreiben maßlos mit der Förderung.

Musikalische Frühförderung, Logopädie gegen Lispeln, Psychotherapie bei kleinsten Verhaltensauffälligkeiten - manche Eltern übertreiben maßlos mit der Förderung.

Das Wort "fördern" hat in den letzten Jahren eine ganz neue Bedeutung bekommen, denn dahinter steckt die Angst, das eigene Kind könnte in unserer Leistungsgesellschaft einmal nicht mehr mithalten. Muss das sein? Ist das noch Förderung oder schon Leistungsstress?

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass alle Eltern nur das Beste für ihre Kinder wollen, doch manche Eltern gehen dabei zu weit. "Dies trifft meines Erachtens vor allem für bestimmte Eltern zu, die bestrebt sind, ihr Kind von Beginn an zu fördern und zwar in jeder Hinsicht. Diese Eltern kümmern sich nicht nur um Sprache, da ist Turnen angesagt, musikalische Früherziehung und vieles mehr. So ein Kind hat dann einen regelrechten Stundenplan in der Woche abzuarbeiten," weiß die Logopädin Dietlinde Schrey-Dern. Sie erlebt immer wieder Eltern, die Angst davor haben, es könne sich ein "Zeitfenster" schließen, bevor das Kind optimal gefördert wurde.

Zwischen Förderung und Förderwahn unterscheiden

"Diese Eltern beobachten ihr Kind sehr genau, da wird dann schon mal aus einer Mücke ein Elefant gemacht." In einem solchen Fall hilft nur Beratung. "Dazu gehört, dass darüber aufgeklärt wird, welche Fähigkeiten das Kind mitbringt und in wie die Eltern diese Fähigkeiten stärken können. Das können sie im Alltag ganz hervorragend tun, dazu bedarf es in der Regel keiner Fördermaßnahme."

"Leistungsorientiert, alles andere ist egal"

Dokumentation "Alphabet" setzt sich mit der Bildung unserer Kinder auseinander.

Dokumentation "Alphabet" setzt sich mit der Bildung unserer Kinder auseinander.


Fördermaßnahmen sind aufwendig

Als Leiterin des Referats "Sprachförderung" beim Deutschen Bundesverband für Logopädie weist Schrey-Dern jedoch ausdrücklich darauf hin, dass es trotzdem eine große Anzahl an Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen gibt, die nicht die notwendige Förderung bekommen. Das unterstreicht sie mit Zahlen aus Nordrhein-Westfalen. Dort werden mehr als ein Drittel der Kinder bei der Schuleingangsuntersuchung als sprachauffällig eingestuft. "Sinnvoll ist eine Sprachförderung, wenn Kinder Mühe haben, in Kommunikation mit anderen Kindern zu treten oder wenn im Spiel auffällt, dass sie einen zu geringen Wortschatz haben. Dann sollte überlegt werden, welche Förderung sinnvoll ist, damit das Kind zu Schulbeginn in der Lage ist, sich in der Klasse zu äußern und die Lehrerin zu verstehen."

Doch eine sinnvolle Fördermaßnahme braucht Zeit. Und darin sieht Angelika Reinecke vom Deutschen Verband der Ergotherapeuten ein Problem. "Die Anforderungen an eine ambulante Ergotherapie sind recht hoch. Es wird erwartet, ein bis mehrmals wöchentlich über einen längeren Zeitraum regelmäßig die Therapie wahrzunehmen, das Kind dabei zu begleiten, im häuslichen Umfeld die Entwicklungsschritte zu unterstützen. Dies führt eher dazu, dass notwendige Therapien unterbleiben. Die Erfahrung zeigt, dass Kinder eher zu spät zur Therapie kommen, die Probleme schon länger bekannt waren und sich nicht hätten so stark manifestieren müssen, wenn rechtzeitig gezielt eingegriffen worden wäre."

Erzieher und Lehrer können wichtige Hinweise geben

Erzieher haben die Aufgabe, die Kinder bezüglich ihrer Entwicklung einzuschätzen. Viele sind vorsichtig und raten lieber einmal mehr zum Besuch bei einem Logopäden oder einem Ergotherapeuten. Letztendlich entscheidet der Kinderarzt über die Notwendigkeit. Rät also ein Erzieher oder Lehrer den Eltern dazu, einen Spezialisten aufzusuchen, so sollte man einen solchen Rat durchaus ernst nehmen und die Bedenken abklären lassen.

Störungen verwachsen sich nicht, sie wachsen sich aus

Manche Eltern hoffen darauf, dass sich bestimmte Phänomene einfach verwachsen. Und oft ist das auch so. Denn nicht jedes Kind, das zum Beispiel in der Phase des Sprachwerwerbs Buchstaben vertauscht, muss gleich in Behandlung. Im Gegenteil, so etwas ist völlig normal. Allerdings sollten sich bestimmte Entwicklungsschritte in bestimmten Zeiträumen vollziehen. Wenn das nicht der Fall ist, kann man relativ einfach mit standardisierten Messverfahren feststellen, ob professionelle Hilfe nötig ist. Was nicht automatisch eine aufwendige Therapie bedeutet. Schrey-Dern warnt aber davor, bei einer Unsicherheit zu lange abzuwarten. "Eine echte Störung verwächst sich nicht, sie wächst sich aus!"

Das Normale nicht aus den Augen verlieren

Bei aller Vorsicht darf man aber nicht vergessen, dass Kinder nie dem gleichen Fahrplan folgen. Das eine läuft mit sechs Monaten, das andere erst mit eineinhalb Jahren, das eine benutzt seinen ersten Zweiwortsatz mit 15 Monaten, das andere erst mit über drei Jahren, manche krabbeln, andere nicht. Und das alles ist völlig normal. Entwickelt sich ein Kind auf einem Gebiet gerade sehr stark, so kann ein anderes für den Moment komplett stagnieren.

Und ganz wichtig dabei: Am meisten lernen und entwickeln sich die Kinder durch Interaktion, Nähe und spontanes Spiel. Denn selbst wenn es oft nicht danach aussieht, gerade beim Spielen machen Kinder wichtige Erfahrungen. Und zwar sowohl im emotionalen und sozialen Bereich als auch im motorischen und kognitiven Bereich. Sollte aber der Arzt zum Beispiel bei einer der U-Untersuchungen Handlungsbedarf feststellen, dann sollte man das Kind zeitnah einem Fachmann vorstellen. Fördermaßnahmen sind immer dann sinnvoll, wenn ernst zu nehmende Entwicklungsstörungen diagnostiziert werden. Ein überflüssiger Therapiemarathon aber schadet dem Kind, denn er setzt es unnötig unter Druck. Schließlich ist eines sicher: Eine Überförderung führt schnell zu einer Überforderung.

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