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Wenn die Kinder keine Kinder mehr sind

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Wenn die Kinder keine Kinder mehr sind

26.02.2010, 17:39 Uhr | Simone Blaß

Wie oft hat man sich gedacht, dass es doch schön wäre, wenn mal keine Unmengen von Bügelwäsche im Korb liegen würden, wenn es etwas ruhiger und ordentlicher wäre, wenn man endlich mal wieder so richtig Zeit für sich und den Partner hätte - und dann ist es plötzlich so weit: Die Kinder sind erwachsen, ziehen aus und zurück bleibt die große Leere.

Von heute auf morgen out

Die eigentlich junggebliebenen Eltern, die sich mit Teeniethemen wunderbar auskennen und die immer das Haus voller Leute hatten, sind auf einmal mit sich alleine. Die Wohnung ist leer, die Großpackungen aus dem Supermarkt sind überflüssig. Da fühlt man sich schnell alt und ungebraucht. Fällt diese Phase dann noch mit dem Beginn der Rente zusammen oder lebt man allein, dann ist der Begriff „Abstellgleis“ nicht weit. Die neue Situation in den Griff zu bekommen, sich wieder darauf einzustellen, dass man plötzlich viel mehr Zeit für sich hat und eventuell auch viel mehr Zeit mit dem Partner allein verbringt, ist nicht einfach. Es gilt, sich neu zu organisieren. Andere Strukturen und Rituale zu entwickeln und Positionen zu verteilen.

Auch als Paar definieren

Leichter fällt das den Paaren, die sich auch in den vergangenen Jahren ihre Hobbys erhalten haben bzw. die sich immer darum bemüht haben, auch Zeit miteinander ohne Kinder zu verbringen. Die sich auch als Paar und nicht nur als Eltern definieren.

Ein neuer Lebensabschnitt mit neuen Chancen

Die Reaktionen auf plötzlich leerstehende Kinderzimmer sind unterschiedlich, im Großen und Ganzen aber in zwei grobe Gruppen aufteilbar. Manche verändern nichts und die Tochter oder der Sohn schlafen bei Besuchen Jahre später immer noch in der Bettwäsche mit dem ehemaligen Rockidol, neben sich den Teddy. Andere Eltern fangen sofort an, alles auch äußerlich zu verändern. Sich ein Arbeits- oder Hobbyzimmer einzurichten. Und damit auch sich selbst klarzumachen, dass ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Die Kinder sind keine Kinder mehr

Es fällt schwer, sich bewusst zu machen, dass die eigenen Kinder zwar immer die eigenen Kinder bleiben werden, dass sie jetzt aber ihr Leben selbst in die Hand genommen haben. Und damit dauernde Ratschläge und Einmischungen erst recht nicht mehr erwünscht sind. Man kann es noch so gut meinen: Die Partnerwahl, der Lebensstil oder die Erziehung der Enkel gehen die Eltern nichts mehr an. Einfacher fällt das, wenn die Kinder beruflich und damit wirtschaftlich absolut selbstständig sind und bereits eine eigene Familie haben. Es gelingt dann beiden Seiten eher, das Gefühl von Gleichwertigkeit aufrechtzuerhalten.

Reifeprozess aller Beteiligter

Trotzdem fällt es oft gerade den Frauen schwer, sich von der Mutter abzugrenzen. Kündigt sie ihren Besuch an, dann wird in vielen Familien der Putzalarm ausgelöst. Schließlich will man zeigen, dass man sein Leben und als dessen Spiegelbild seinen Haushalt im Griff hat. Dass die Kinder gut erzogen sind und man alles ganz wunderbar managt. Sich von den inneren Erwartungen zu befreien, fällt schwer und ist oft ein jahrelanger aber sehr notwendiger Reifeprozess. Auf beiden Seiten.

Hotel Mama

Eine lange Ausbildung, Arbeitslosigkeit oder befristete Arbeitsverträge führen im Allgemeinen dazu, dass Deutschlands Jugendliche sich oft erst mit Mitte zwanzig zu einem Auszug entscheiden. Und im Durchschnitt ziehen junge Männer später von zuhause aus als Frauen. Diesen Trend kann man seit Jahrzehnten beobachten. Viele Männer wissen das Hotel Mama zu schätzen und bleiben oft länger als es ihnen und den Eltern gut tut. Ein immer wohlgefüllter Kühlschrank, eine saubere Toilette und gebügelte Hemden kombiniert mit einem zur Verfügung stehenden Ansprechpartner für kleine oder große Sorgen oder aber auch nur zum Zeitvertreib sind die bequemliche Seite. Oft ist es aber auch der finanzielle Aspekt, der zum „Nesthocker-Phänomen“ führt. Der typische Nesthocker, so hat die Erziehungswissenschaftlerin Christiane Papastefanou festgestellt, ist aber männlich, ledig, gebildet und mit Eltern versehen, die sich das auch leisten können.

Zurück zu Mama und Papa

Es kommt häufig vor, dass Kinder, die bereits ausgezogen waren, wieder zuhause einziehen. Entweder, weil das Studium beendet ist und man keine Stelle finden konnte, weil die Beziehung in die Brüche ging oder man keine Arbeit mehr hat. Eine solche Situation birgt oft deutlich mehr Zündstoff. Denn nicht nur die Kinder sind es bis dato gewohnt gewesen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und wollen sich jetzt nicht mehr bevormunden lassen. Auch die Eltern haben inzwischen ihren Rhythmus gefunden und sind oft nicht gewillt, alles für den zurückgekehrten Nachwuchs aufzugeben und wieder in ihre alten Rollen zu fallen. Eine solche Situation sollte immer nur eine Zwischenlösung sein, bei der sich vorübergehend beide Seiten ein wenig zurücknehmen.

Bei den eigenen Eltern zu Gast

Aber auch Feiertage und andere Anlässe für längere Besuche bringen oft Probleme mit sich. Man fällt, obwohl längst erwachsen, schnell wieder in die Rolle des Kindes zurück, lässt sich bedienen und verwöhnen, will aber auf keinen Fall bevormundet werden. Auch die Eltern übernehmen oft ihren alten Part der Erzieher. Sie wollen wissen, wo man hingeht, wann man heimkommt und wieso man schon wieder keine Hausschuhe anhat, obwohl doch der Fliesenboden so kalt ist.

Verwöhnen und verwöhnen lassen

Auch wenn das Verhältnis gerade bei Besuchen oft ein bisschen zwiespältig ist - schließlich ist man hier zuhause und ist es doch nicht mehr - so kann ein Besuch bei den Eltern etwas sehr Schönes sein. Die Eltern dürfen verwöhnen und die Kinder dürfen sich verwöhnen lassen. Und mal wieder das Gefühl haben, dass einem unter dem Schutz dieser Menschen so schnell nichts passieren kann! Für ein paar Tage im Jahr ist das für beide Seiten durchaus in Ordnung.


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