Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

Kinder vernünftig an Alkohol heranführen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Alkohol-Konsum  

Alkohol: Genuss statt Koma-Saufen

10.03.2010, 11:00 Uhr | mmh, t-online.de

Kinder vernünftig an Alkohol heranführen . Kleines Mädchen schnuppert an Rotwein in einem Glas.

Wie lernen Kinder verantwortungsvoll mit Alkohol umzugehen? (Bild: Imago)

Generation Koma-Saufen: Was läuft schief? Es sind nicht nur Kinder bildungsferner Schichten oder Kinder russischer Migranten, um die gängigen Vorurteile zu bedienen. Es sind auch junge Leute, deren Eltern sich Gedanken darum machen, wie sie Kinder vernünftig erziehen können. Die Extreme vermeiden wollen, die nicht wie ihre Eltern Alkoholkonsum als selbstverständlich und unbedenklich betrachten wollen. Eltern, die Alkohol als Genuss betrachten, denen keine Religion oder Krankheit Alkohol verbietet, fragen sich: Wie können Kinder heute einen vernünftigen, genussvollen Umgang mit Alkohol erlernen? Ist es sinnvoll, sie "Heranzuführen"? Oder übernehmen das sowieso die Gleichaltrigen früh genug?

Umgang mit Alkohol in Familien

"Mein Vater erzählte immer vom 'Bier-Ditzel', die er von seinem Opa zum Einschlafen bekam, das waren Brotwürfel, die er ins Bier tunkte", erzählt die Mutter eines zehnjährigen Kindes. "Mich hat das entsetzt, das würde ich meinem Kind nie geben, aber heute überlege ich, wie ich meinem Kind einen vernünftigen Umgang mit Alkohol beibringen kann, ob ich das überhaupt muss?" Eine andere Mutter meint lachend: "Ich war als kleines Kind furchtbar stolz, dass ich aus Papas Bierglas einen kleinen Schluck nehmen durfte, geschadet hat es mir wohl nicht, aber heute trinken wir nur dann mal ein Glas, wenn die Kinder schon im Bett sind, damit wir gute Vorbilder sind und sie gar nicht erst auf dumme Ideen kommen." Alkohol gehört in unserem Kulturkreis zu den Genussmitteln, er gilt nicht als Droge, so lange er maßvoll genossen wird. Rotwein werden sogar gesundheitsfördernde Wirkungen bei Erwachsenen nachgesagt. Heißt dann nicht die Konsequenz, dass Eltern in der Verantwortung stehen, ihren Kindern einen maßvollen Umgang mit Alkohol beizubringen? Doch wie können Eltern ihren Kindern vermitteln, dass Wein, Bier und Cocktails ein Genussmittel sind, so lange man es in geringen Mengen konsumiert? Und dass dazu auch Verantwortungsbewusstsein gehört?

Alkohol als Initiationsritus

Viele Jugendliche dürfen das erste Mal bei der Konfirmation oder Firmung mit einem Gläschen Sekt anstoßen, es ist eine Art Initiationsritus, damit fängt das Erwachsensein an und dazu gehört anscheinend hierzulande auch Alkohol. Das Jugendschutzgesetz ist dagegen sogar strenger: Für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre besteht in der Öffentlichkeit ein absolutes Alkoholverbot. Kinder dürfen weder kaufen noch trinken, auch nicht im Beisein der Erwachsenen. Im Alter zwischen 16 und 18 dürfen Jugendliche Bier und Wein trinken und kaufen. Weiterhin verboten sind hochprozentige Alkoholika (15 bis 96 Volumsprozent Alkohol), das schließt auch alle Sorten von Mixgetränken ein. Angebote wie das sogenannte "Flatrate-Saufen", die darauf abzielen, möglichst viel Alkohol zu einem niedrigen Pauschalpreis zu trinken, sind verboten. Außerdem besteht ein Verbot für Tabak- und Alkoholwerbung in Kinos vor 18 Uhr. Dabei spielt Alkohol in Kino-Filmen eine große Rolle. Das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) untersuchte im Auftrag des Bundesministerium für Gesundheit die Verbreitung und die Auswirkungen des Alkoholkonsums in Kinofilmen. Dafür wurden 398 Kinofilme ausgewertet, in 88 Prozent dieser Kinofilme wurde Alkohol konsumiert. Diesen Wert stellte man den Angaben von mehr als 5.500 Schülern im Alter von 13 Jahren gegenüber, um die Auswirkungen des Alkoholkonsums durch Rollenmodelle in Filmen zu untersuchen. Das Ergebnis: Jugendliche hatten im Durchschnitt mehr als 3,44 Stunden Alkoholkonsum in Filmen gesehen. Das Risiko der Jugendlichen, Alkohol schon einmal ohne Wissen der Eltern getrunken oder riskantes Trinkverhalten gezeigt zu haben, verdoppelte sich, wenn die Dauer der insgesamt in allen Filmen gesehenen Trinkszenen besonders lang war. Immer noch gilt landläufig, dass ein echter Rausch zum Erwachsen-Werden dazugehört.

Keine erschreckende Statistik

Immer wieder ist von Koma-Saufen zu lesen, vom "Vorglühen" an der Tankstelle, von Alkohol-Exzessen auf Teenie-Parties und von Teenies, die nach zu viel Alkohol zusammenklappen. Doch die Zahlen sagen etwas anderes. Nach der Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2008 geben rund drei Viertel (75,8 Prozent) der zwölf- bis 17-Jährigen an, schon einmal Alkohol getrunken zu haben. Obwohl der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit für Jugendliche bis 16 Jahren nicht erlaubt ist, zeigen die Daten der Drogenaffinitätsstudie, dass Alkohol von unter 16-Jährigen nicht nur konsumiert wird, sondern sogar viel zu häufig in gefährlichen Mengen getrunken wird. Aber: Der Anteil der Jugendlichen, die mindestens monatlich spirituosenhaltige Alkopops trinken, sank von 28,4 Prozent im Jahr 2004 auf 9,8 Prozent im Jahr 2008. Immerhin. Allerdings hält die Spirituosen-Industrie nicht still. Die Nische heißt Wodka und fehlt auf kaum einer Party. Hier steigt der Absatz. Die Verbote werden strenger. Umstritten sind immer wieder testkäufe durch Jugendliche, die die Einhaltung des Jugendschutzes im Spirituosen-Kauf an Tankstellen und Kiosken austesten sollen.

Wann trinken Kinder?

Jugendliche unterscheiden sich in ihren Motivationen zum Trinken nicht so sehr von Erwachsenen: Eine Studie des Bundesministeriums für Gesundheit zeigt, dass Jugendliche überwiegend aus "Spaßgründen" trinken, aber Alkohol soll auch bei der Bewältigung von Stress und anderen Problemen helfen. Auffällig sind - so die Studie - das frühe Einstiegsalter und die Häufigkeit des Trinkens von großen Mengen meist "harter" Alkoholika. Ziel der Jugendlichen sei bei Rauschtrinken, einen "kontrollierten Kontrollverlust" zu erleben. Das heißt, der Verlust der Kontrolle mit negativen körperlichen und sozialen Folgen soll gerade vermieden werden. Vielleicht vergleichbar mit einer Achterbahnfahrt? Selten wird allein getrunken, es ist ein Gruppenphänomen. Dabei sind die Jugendlichen erfindungsreich: Es gibt in der Gruppe eine Ansammlung von Strategien, um den Konsum zu regulieren. Die Gruppe stellt sowohl das Risiko als auch den Schutzraum dar. Es werden in vielen Gruppen durchaus Regeln verabredet, um negative Folgen zu begrenzen, was jedoch nicht immer gelingt. Elternhaus und Schule sind die Räume, in denen Prävention ansetzen kann und wovon sich Kinder Orientierung und Regeln erhoffen. Risiko-Spitzen in den Notaufnahmen sind die Silvester-Nächte, Karneval und Schulabschlussfeiern. Dann gibt es die meisten Trink-Exzesse.

Was ist der Kick?

2008 wurden 25.700 Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftung in Kliniken eingeliefert. Wissenschaftler und Mediziner sind relativ ratlos, warum sich Kinder bis zur Besinnungslosigkeit betrinken. Vor allem Pubertierende sind gefährdet. Vielleicht liegt es daran, dass ihnen die Gestaltungsspielräume fehlen, die Herausforderungen, der tägliche Kampf. Sie wissen nicht wohin mit ihren Kräften und ihrer Coolness. Der Therapeut Rainer Thomasius (Buch: Wenn Jugendliche trinken") sucht die Schuld bei der Gesellschaft, bei der die Elterngeneration, die jedes Problem mit einer Therapie oder Psychodroge löst.

Alkohol: Wirkung auf Kinder

  • Das Nervensystem von Kindern reagiert wesentlich empfindlicher als das von Erwachsenen auf Alkohol. Bereits mit 0,5 Promille Alkohol im Blut kann ein Kind bewusstlos werden.
  • Die Wirkung von Alkohol hängt stark vom Körpergewicht ab. Bei dem geringen Körpergewicht von Kindern kann schon eine relativ kleine Alkoholmenge tödlich sein. Beispiel: Bei einem Schulkind liegt die riskante Menge bei drei Gramm je Kilogramm Körpergewicht, bei einem Erwachsenen braucht es die doppelte Menge.
  • Beispiel: Gefährlicher Konsum beginnt für Männer bei 60 Gramm und bei Frauen bei 40 Gramm. Zum Vergleich: Der Konsum von einem Liter Bier entspricht etwa 40 Gramm Reinalkohol.
  • Bei Kleinkindern fehlt das rauschhafte Stadium, in dem Erwachsene noch die Notbremse ziehen können, das bedeutet kleine Kinder können schlagartig in eine rauschhaften Zustand fallen.
  • Alkohol wirkt auf die seelisch-geistige und die körperliche Entwicklung von Kindern.
  • Auskühlung bei Partys im Freien.
  • Alkohol ist ein Zellgift
  • Schon Schnaps-Pralinen können für Kinder gefährlich sein.

Maßnahmen der Polizei und Prävention

Eine Nacht in einer kargen Polizei-Zelle, aufwachen in Windeln im Krankenhaus, das wirkt abschreckend. Jugendliche, die das erlebt haben, schämen sich, das sitzt tief und wirkt nachhaltig. Doch immer wieder kommen neue "Opfer" dazu, die diese Erfahrungen machen. Betreuer, professionelle und ehrenamtliche, ziehen nachts durch die Straßen der Ballungszentren, rund um die Partymeilen, greifen sanft ein, wenn junge Leute erkennbar zu viel trinken. Verschiedene Plakat-Aktionen greifen die Problematik auf, zum Beispiel "HaLT" - "Hart am Limit", eine Aktion des Bundesministeriums für Gesundheit, das vor allem Jugendliche anspricht, die schon einmal auffällig geworden sind.

Tipps zum vernünftigen Umgang mit Alkohol in der Familie

  • Wenn die Eltern selbst gelegentlich ein Glas Wein oder Bier trinken und das genießen, sollten sie das vor den Kindern nicht geheim halten.
  • Der erste Konsum von Alkohol sollte bei Kindern möglichst spät liegen, frühestens mit 14 Jahren und im geschützten, geregelten Raum.Denn je früher Kinder Alkohol kennen lernen, desto größer ist die gefahr gewohnheitsmäßig zu trinken.
  • zum vernünftigen Umgang gehört, dass man - selbst bei mäßigem Alkoholkonsum - dann nicht mehr Auto fährt.
  • Von den Eltern lernen die Kinder, sich abzusprechen, wer fährt, beziehungsweise das Geld für ein Taxi für die Heimfahrt einzukalkulieren.
  • Bieten Sie sich als Abhol-Service an - auch wenn es schwer fällt - oder sprechen Sie sich mit anderen Eltern ab.Erlauben Sie auch gelegentliche Übernachtungen bei Freunden, die in Fußnähe zur Party wohnen.
  • Keine angebrochenen Wein-, Bier- oder Schnapsflaschen frei zugänglich herumstehen lassen, nach einer Party Reste aus Gläsern gleich auskippen, damit kleine Kinder nicht in Gefahr kommen zu probieren.
  • Bei Verdacht auf eine Alkoholvergiftung sofort einen Arzt rufen.
  • Erklären Sie Teenagern die Fakten, wie Alkohol wirkt, welche Schäden Missbrauch anrichtet.
  • Falls ihr Kind Freunde hat, deren Familien grundsätzlich keine n Alkohol trinken, sollten sie das Thema doppelt sensibel handhaben und Alkoholische Getränke nicht aufdringlich platzieren.
  • Lassen Sie Partys zu hause zu, die die Kinder selbständig und verantwortlich vorbereiten und danach auch aufräumen. So können Sie im Ernstfall eingreifen.
  • Zeigen Sie auch bei Erwachsenen-Partys, dass man auch ohne Alkohol fröhlich sein kann, bieten Sie interessante alkoholfreie Getränke-Varianten an.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Therapie mit langer Nadel nichts für schwache Nerven

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal