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Zwillinge bekommen: Doppeltes Glück oder doppelter Stress?

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Zwillinge bekommen  

Doppeltes Glück oder doppelter Stress?

15.03.2013, 11:29 Uhr | Sabine Caron , t-online.de

Zwillinge bekommen: Doppeltes Glück oder doppelter Stress?. Zwillinge: Die Beziehung zwischen Zwillingen hält oft ein ganzes Leben lang. (Quelle: imago)

Die Beziehung zwischen Zwillingen hält oft ein ganzes Leben lang. (Quelle: imago)

Zwillinge genießen besondere Aufmerksamkeit: Bereits in der Schwangerschaft ihrer Mutter gelten sie als etwas Besonderes - wenn die Eltern mit dem Doppelbuggy durch die Nachbarschaft oder die Einkaufszone schieben, in Schule und Kindergarten. Aber wie empfinden Zwillinge selbst ihre Besonderheit, im "Doppelpack" zu leben? Warum und wie oft entstehen Zwillinge? Und was sollte man bei der Erziehung von Zwillingen beachten?

Zwilling ist nicht gleich Zwilling

Wenn man von Zwillingen spricht, muss man zwischen ein- und zweieiigen Zwillingen unterscheiden. Eineiige Zwillinge entstehen, wenn sich eine befruchtete Eizelle in zwei genetisch identische Zellen teilt. Bei zweieiigen Zwillingen werden zwei Eizellen innerhalb eines Zyklus befruchtet. Das ist ein wesentlicher Unterschied, denn bei eineiigen Zwillingen stimmen 100 Prozent der Gene überein, bei zweieiigen nur 50 Prozent. Eineiige Zwillinge haben stets die gleiche Blutgruppe, können jedoch Größen - und Gewichtsunterschiede aufweisen. Während eineiige Zwillinge immer das gleiche Geschlecht haben, können zweieiige Zwillinge auch unterschiedlichen Geschlechts sein, also ein Junge und ein Mädchen. Bei zweieiigen Zwillingen kommt es dann - wenn auch sehr selten - zu so verblüffenden Überraschungen wie den verschiedenfarbigen Brüdern Layton und Kaydon, die im Oktober 2006 zur Welt kamen: Kaydon dunkelhaarig und dunkelhäutig wie seine Mutter, Layton hellhäutig und blond wie sein Vater.

Wahrscheinlichkeit: Zahl eineiiger Zwillinge konstant

Eineiige Zwillinge kommen überall auf der Welt etwa gleich häufig vor. Es betrifft zirka jede 250. Geburt. Die Zahl der zweieiigen Zwillingen variiert dagegen sehr: In Japan beispielsweise ist nur jede 200. Geburt eine Zwillingsgeburt, in Nigeria dagegen jede Vierte. In Deutschland kommen etwa auf jede 85. Geburt zweieiige Zwillinge.

Gründe der Zunahme von Zwillingen

In den letzten Jahren hat die Zahl der zweieiigen Zwillinge stark zugenommen. Das hat verschiedene Gründe. Bei "älteren" Müttern ist die Wahrscheinlichkeit besonders hoch, weil die Konzentration des Eisprungshormons (FSH) steigt. Und der Anteil von Frauen, die Ende der 30er entbinden, steigt kontinuierlich. Auch nach Hormonbehandlung oder künstlichen Befruchtungen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch. Diese haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Wann steigt die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge?

Die Wahrscheinlichkeit zweieiige Zwillinge zu bekommen steigt auch, wenn die Mutter selber Zwilling ist und in der Familie ihrer Mutter bereits Zwillinge vorkommen. Der Vater und das Vorhandensein von Zwillingen väterlicherseits allerdings ist ohne Einfluss. Und eineiige Zwillinge sind ein reines "Zufallsprodukt". Nicht selten verlieren Zwillinge ihre Geschwister bereits vor der Geburt: Ein Drittel bis die Hälfte aller in den ersten drei Monaten festgestellten Zwillingsschwangerschaften mündeten in Einlingsgeburten.

"Ich-Bewusstsein" bei Zwillingen entwickelt sich später

Die Entwicklung und die Beziehungen zwischen eineiigen Zwillingen unterscheidet sich deutlich von denen zweieiiger Zwillinge oder normaler Geschwister. So entwickeln eineiige Zwillinge später ein Bewusstsein vom eigenen "Ich". Im Vergleich zu anderen Geschwisterkonstellationen können sie sich später selbst namentlich benennen. Das zeigten Braunschweiger Wissenschaftler, die der Entwicklung in den frühen Jahren auf die Spur kommen wollten. Auf Fotos oder im Spiegel erkennen sie sich nicht selbst, sondern ihren Zwillingsbruder oder ihre Zwillingsschwester. Das Wort "Ich" benutzen sie erst einige Monate später als zweieiige Zwillinge oder normale Geschwister. Normalerweise findet diese Entwicklung zwischen dem zweiten oder dritten Lebensjahr statt. Erst im Alter von vier Jahren ist kein Unterschied mehr zwischen eineiigen Zwillingen und anderen Kindern festzustellen.

Enger als andere Geschwister

Auch wenn einige eineiige Zwillinge bedauern, von der Umwelt eher im Doppelpack denn als Individuum wahrgenommen zu werden, bleibt die Bindung unter ihnen oft enger als zwischen anderen Geschwistern - und zwar in allen Lebensphasen. Als Kinder nutzen sie gerne die Vorteile des "Doppelpack-Lebens", in dem jede oder jeder den Bereich regelt, den er am besten kann. So ist beispielsweise häufig ein Zwilling zuständig für die Außenkontakte, einer zuständig für den Innenkontakt, also die Beziehung untereinander. Nicht bewiesen allerdings wurde die Annahme, dass die oder der Ältere meistens die Dominantere ist.

Harte Konkurrenz zwischen Zwillingsbrüdern

Das Leben von männlichen und weiblichen eineiigen Zwillingen verläuft unterschiedlich. Während Zwillingsschwester häufig eine sehr enge, manchmal symbiotische Bindung haben, kommt es bei Zwillingsbrüdern - vor allem in der Pubertät - häufig zu starker Konkurrenz. Sie müssen sich doppelt abnabeln: von den Eltern und vom Zwillingsbruder. Aus diesem Grund haben eineiige Zwillingsbrüder häufiger als Zwillingsschwestern eine Phase, in der sie getrennte Wege gehen.

Große Unterstützung im Alter

Zu Beginn des Erwachsenenalters rückt die Beziehung zu Partnern in den Vordergrund und die Zwillingsbeziehung löst sich zu Gunsten von dieser. Studien der Max-Planck-Instituts belegen, dass die Geschwisterbeziehung im Alter bei eineiigen Zwillingen nochmals besonders intensiv und genauso nah wie in der Kindheit ist - und zwar sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Sie wiesen in allen untersuchten Bereichen die höchsten Werte auf: Sie wohnen näher zusammen, sehen sich häufiger, unterstützen sich gegenseitig und sind mit ihrer Beziehung zufriedener.

Erziehung von Zwillingen

Für Mütter und Väter ist die Erziehung von Kindern häufig eine besonders große Herausforderung. Besonders in den ersten Jahren ist die Belastung sehr hoch: doppeltes Stillen oder Fläschchen machen, doppelt wickeln und nachts aufstehen, doppeltes Trösten, und und und.  Neben dieser körperlichen Belastung stellt sich Eltern aber auch die Frage, wie sie ihren beiden Kindern am besten in ihrer Entwicklung gerecht werden. Allgemeingültige Regeln zu suchen, ist sicher nicht sinnvoll. Wichtig aber ist, dass Eltern ihre Zwillinge nicht als Einheit behandeln, sondern als Individuen. Da für manche Zwillinge die Suche nach der eigenen Identität zu einer Lebensaufgabe wird, sollten Eltern das Gleiche nicht noch durch Gleichmacherei unterstreichen. Die Gefahr, dass die Kinder über einen Kamm geschert werden, ist hoch. Deshalb sollten Eltern vermeiden im Plural zu sprechen und ganz gezielt auf die individuellen Bedürfnisse der Brüder oder Schwestern achten. Indem Sie so oft es geht, mit einem der Zwillinge alleine Zeit verbringen, fördern Sie die Selbstständigkeit.

Trennen oder zusammen lassen?

Spätestens zu Beginn des Kindergartens oder der Einschulung stellt sich Eltern und Pädagogen die Frage: Trennen oder zusammen lassen? Sollen die Zwillinge in eine Kindergartengruppe, beziehungsweise in eine Klasse, oder verschiedene Gruppen besuchen. Dahinter steht die Frage, wie viel Nähe oder wie viel Abstand gut und sinnvoll für die soziale und kognitive Entwicklung von Kindern ist. In den letzten Jahren werden Zwillinge verstärkt getrennt. "Zwillinge werden in unserem Kindergarten immer getrennt", - genau wie "normale" Geschwister auch. Über die Auswirkungen von Trennungen sind sich Experten uneinig. Einige Studien kommen zu dem Ergebnis, dass positive Effekte nur in höheren Klassen zu finden sind. Dann waren die Sprachleistungen besser, als wenn sie gemeinsam unterrichtet wurden. Bei kleineren Kindern verschlechterten sich die Schulleistungen hingegen, besonders bei eineiigen Zwillingen - wahrscheinlich weil ihnen durch die Trennung die Sicherheit genommen wird. Eine niederländische Studie kommt hingegen zu dem Ergebnis, dass es keine Auswirkung auf die Leistungen der Kinder hat, ob sie gemeinsam oder getrennt unterrichtet werden.

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